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Target Costing – wie funktioniert Zielkostenrechnung vom Marktpreis rückwärts?

  • JaninaBWL
  • 17. Juli 2026 um 14:20
  • Erledigt
  • JaninaBWL
    BWL Bachelor
    Beiträge
    37
    • 17. Juli 2026 um 14:20
    • #1

    Hallo zusammen, ich sitze gerade am Modul Kostenmanagement und komme beim Target Costing ins Straucheln. In der klassischen Kalkulation rechne ich doch von den Kosten zum Preis hoch (Kosten + Gewinnaufschlag = Preis). Beim Target Costing soll es angeblich genau andersrum laufen?

    Kann mir jemand den Grundgedanken und vor allem die Rechnung mit den Zielkosten erklären? Ich verstehe nicht, was „vom Markt erlaubte Kosten“ bedeuten soll. 🙈

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  • NinaZahlen
    Controlling
    Beiträge
    81
    • 17. Juli 2026 um 15:40
    • #2

    Du hast den Kern schon erkannt: Target Costing dreht die Denkrichtung um. Statt „Was kostet das Produkt, und welchen Preis brauche ich?“ fragst du „Der Markt zahlt X – was darf das Produkt dann kosten?“.

    • Startpunkt ist der am Markt erzielbare Preis (Target Price), nicht die eigenen Kosten.
    • Davon ziehst du den geplanten Zielgewinn (Target Profit) ab.
    • Was übrig bleibt, sind die vom Markt erlaubten Kosten (Allowable Costs): Target Price − Target Profit.

    Merksatz: „Was darf es kosten?“ statt „Was kostet es?“. Das ist die retrograde Kalkulation.

  • MaxFinance
    Finance
    Beiträge
    60
    • 17. Juli 2026 um 16:55
    • #3

    Ergänzend die drei Kostenbegriffe, die in der Klausur gern verwechselt werden:

    • Allowable Costs – was der Markt erlaubt (Ninas Rechnung).
    • Drifting Costs – was das Produkt bei aktueller Konstruktion und Technik tatsächlich kosten würde (Standardkosten).
    • Target Costs – der realistisch angesetzte Zielwert, meist zwischen beiden.

    Die Differenz Drifting − Allowable ist die Zielkostenlücke. Genau die musst du durch Kostensenkung schließen – Wertanalyse, andere Materialien, einfachere Konstruktion. Deshalb ist Target Costing vor allem ein Instrument der frühen Entwicklungsphase: Dort werden schon 70–80 % der späteren Kosten festgelegt.

  • FabianControl
    Controlling
    Beiträge
    58
    • 17. Juli 2026 um 18:30
    • #4

    Und der Schritt, der oft in der Aufgabe drankommt: die Zielkostenspaltung. Du verteilst die Gesamtzielkosten auf die einzelnen Komponenten – und zwar nach dem Nutzen, den die Komponente aus Kundensicht stiftet, nicht nach den bisherigen Kosten.

    Beispiel: Gewichten die Kunden das Display eines Geräts mit 40 % Bedeutung, darf das Display auch rund 40 % der Zielkosten beanspruchen. Ist der Zielkostenindex (Nutzenanteil geteilt durch Kostenanteil) kleiner als 1, ist die Komponente „zu teuer für ihren Nutzen“ → Ansatzpunkt zum Sparen. Größer als 1 heißt: eventuell sogar Spielraum. So wird aus dem Marktpreis eine ganz konkrete Entwicklungsvorgabe.

  • Sophie99
    Marketing
    Beiträge
    34
    • 19. Juli 2026 um 06:30
    • #5

    Aus der Marketing-Ecke noch ein Gedanke, warum Target Costing so stark ist: Es dreht die übliche Denkrichtung um. Statt „Produkt bauen → Kosten aufschlagen → Preis nennen“ beginnt man beim Preis, den der Markt akzeptiert, und arbeitet sich rückwärts zu den erlaubten Kosten. Der Preis kommt aus Zahlungsbereitschaft und Wettbewerb, nicht aus der eigenen Kalkulation.

    Genau da verzahnt sich die Zielkostenspaltung mit dem Kundennutzen: Eine Funktion darf nur so viel kosten, wie sie dem Kunden wert ist. Kostet ein Bauteil 20 % der Kosten, stiftet aus Kundensicht aber nur 10 % des Nutzens, ist der Zielkostenindex < 1 – ein klares Signal, hier zu vereinfachen oder wegzulassen, statt am Ende über einen zu hohen Preis zu klagen.

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