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SGD Fernstudium – WM-Vorteile 2026

Öffentliche Güter und das Trittbrettfahrer-Problem – warum baut der Markt einen Deich nicht einfach selbst?

  • OleNordwind
  • 14. Juli 2026 um 15:45
  • Unerledigt
  • OleNordwind
    BWL Bachelor
    Beiträge
    23
    • 14. Juli 2026 um 15:45
    • #1

    Moin! Im Skript stehen bei öffentlichen Gütern die zwei Begriffe Nichtrivalität und Nichtausschließbarkeit, und dann kommt der Satz „deshalb liegt Marktversagen vor“. Genau da steige ich aus. 🤯

    Als Kieler ist mir der Deich ja durchaus sympathisch, aber warum kann den nicht einfach eine Firma bauen und Geld dafür nehmen? Und was hat das mit Trittbrettfahrern zu tun? Kann das jemand für einen Erstsemester runterbrechen?

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  • KathiVWL
    VWL
    Beiträge
    25
    • 14. Juli 2026 um 17:30
    • #2

    Kein Problem – am schnellsten geht es, wenn du die beiden Begriffe erstmal sauber trennst, denn sie sagen wirklich zwei verschiedene Dinge:

    • Nichtrivalität im Konsum: Wenn ich das Gut nutze, bleibt für dich genauso viel übrig. Der Deich schützt dich kein bisschen schlechter, nur weil er auch mich schützt. Gleiches beim Licht eines Leuchtturms oder bei der Landesverteidigung. Gegenbeispiel: Ein Apfel ist rival – esse ich ihn, ist er weg.
    • Nichtausschließbarkeit: Man kann niemanden von der Nutzung abhalten, auch wenn er nicht zahlt. Du kannst hinter dem Deich nicht selektiv die Flut für die Nichtzahler durchlassen. 🌊

    Und jetzt der Trick, der in fast jeder Klausur drankommt: Kombiniere die beiden Merkmale zu einer Vier-Felder-Matrix, dann kannst du jedes Gut einordnen:

    • rival + ausschließbar = privates Gut (Apfel, Auto)
    • nicht rival + ausschließbar = Klubgut (Pay-TV, Schwimmbad, mautpflichtige Autobahn ohne Stau)
    • rival + nicht ausschließbar = Allmendegut (Fischbestand im Meer)
    • weder noch = öffentliches Gut (Deich, Landesverteidigung)

    Merk dir: Die Nichtausschließbarkeit ist die Zutat, die dein Deich-Problem auslöst – die erklärt Kevin dir gleich sicher noch. Die Nichtrivalität sorgt zusätzlich dafür, dass ein Ausschluss auch gar nicht wünschenswert wäre: Ein zusätzlicher Nutzer verursacht ja keine Zusatzkosten.

  • KevinFernuni
    FernUni Hagen
    Beiträge
    19
    • 14. Juli 2026 um 19:50
    • #3

    Genau da hakt es ein. Stell dir vor, die Deichbau GmbH klingelt bei allen 500 Haushalten im Ort und will je 2.000 € einsammeln.

    Was denkst du dir als rationaler Anwohner? „Wenn die anderen 499 zahlen, wird der Deich gebaut – und schützen tut er mich dann trotzdem, weil man mich nicht ausschließen kann. Also spare ich mir die 2.000 €.“ Das ist der Trittbrettfahrer (free rider). Das Problem: Diese Überlegung ist für jeden Einzelnen rational, also machen es alle – und am Ende kommt zu wenig oder gar kein Geld zusammen. Der Deich wird nicht gebaut, obwohl er allen zusammen viel mehr wert wäre, als er kostet.

    Das ist der Kern des Marktversagens: Der Markt lebt davon, dass Leute ihre Zahlungsbereitschaft über den Preis offenbaren. Wenn ich aber auch ohne Zahlung konsumieren kann, habe ich einen Anreiz, meine Zahlungsbereitschaft zu verschweigen. Der Preis kann seine Funktion als Knappheitssignal nicht mehr erfüllen, das Gut wird systematisch unterbereitgestellt.

    Und deshalb macht es der Staat – finanziert über Steuern. Steuern sind ja genau der Mechanismus, dem man sich nicht individuell entziehen kann. Damit ist das Trittbrettfahren praktisch abgeschaltet. Merksatz für die Klausur: Kein Ausschluss möglich → keine Zahlungsbereitschaft offenbart → keine Marktbereitstellung → Staat.

  • LisaVWL
    VWL Master
    Beiträge
    21
    • 14. Juli 2026 um 21:35
    • #4

    Ich hänge noch die Abgrenzung dran, weil die in Klausuren gern verwechselt wird – und zwar das Allmendegut (Kathis drittes Feld).

    Beim Allmendegut ist ebenfalls kein Ausschluss möglich, aber es ist rival: Jeder gefangene Fisch fehlt den anderen. Daraus wird ein anderes Problem, die Tragik der Allmende – nicht Unterbereitstellung, sondern Übernutzung. Jeder fischt so viel er kann, weil der Ertrag privat ist, die Kosten der Bestandsvernichtung aber alle tragen. Also: Öffentliches Gut → es wird zu wenig bereitgestellt; Allmendegut → es wird zu viel verbraucht. Beides Marktversagen, aber mit unterschiedlicher Mechanik.

    Zu den Lösungen, falls die Aufgabe danach fragt, gibt es im Wesentlichen drei Wege:

    • Staatliche Bereitstellung über Steuern (der Standardfall beim öffentlichen Gut).
    • Ausschluss technisch herstellen, also das Gut zum Klubgut machen: Maut, Verschlüsselung beim Pay-TV, Zaun ums Gelände. Funktioniert bei einem Deich naturgemäß nicht.
    • Gemeinschaftliche Selbstorganisation mit Nutzungsregeln und sozialer Kontrolle – dafür hat Elinor Ostrom den Wirtschaftsnobelpreis bekommen. Klappt vor allem bei Allmendegütern in überschaubaren Gruppen.

    Vorgehen in der Prüfung: immer erst die zwei Merkmale einzeln prüfen, dann einordnen, dann erst über Marktversagen und Lösungen reden. Wer direkt mit „ist ein öffentliches Gut“ startet, verschenkt die Punkte für die Herleitung.

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