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Beiträge von LisaVWL

  • Lineare Optimierung grafisch – wie komme ich vom Aufgabentext zum zulässigen Bereich, und warum liegt das Optimum immer in einer Ecke?

    • LisaVWL
    • 7. August 2026 um 07:45

    Ergänzend der Teil nach der Rechnung, denn in Klausuren hängen an der Lösung fast immer noch Interpretationsfragen – und die geben oft mehr Punkte als das Zeichnen selbst.

    Setz deine optimale Lösung in jede Restriktion ein und schau, ob sie mit Gleichheit erfüllt ist:

    • Mit Gleichheit erfüllt = bindend. Die Ressource ist vollständig verbraucht, das ist ein echter Engpass.
    • Mit Ungleichheit erfüllt = nicht bindend. Die Differenz ist die Schlupfvariable und beziffert die ungenutzte Kapazität. Genau danach wird oft gefragt („Wie viele Maschinenstunden bleiben ungenutzt?“).

    Der zweite Standardteil ist der Schattenpreis (Dualwert): Um wie viel steigt der optimale Zielfunktionswert, wenn von der knappen Ressource eine Einheit mehr zur Verfügung steht? Grafisch verschiebst du die bindende Gerade um eine Einheit nach außen, berechnest die neue Ecke und bildest die Differenz der Zielwerte. Zwei Dinge dazu:

    1. Für eine nicht bindende Restriktion ist der Schattenpreis null – mehr von etwas, das ohnehin übrig ist, bringt nichts.
    2. Der Wert gilt nur in einem Gültigkeitsbereich. Erweiterst du zu stark, wird eine andere Restriktion bindend, und der Schattenpreis ändert sich sprunghaft. Deshalb ist die Antwort auf „Was dürfte eine zusätzliche Maschinenstunde kosten?“ immer der Schattenpreis innerhalb dieses Bereichs – das sind Opportunitätskosten, kein Marktpreis.

    Und noch die Verbindung zur Kostenrechnung, weil beides oft im selben Modul geprüft wird: Die einfache Regel „nach Deckungsbeitrag je Engpasseinheit sortieren und der Reihe nach auffüllen“ funktioniert nur bei genau einem Engpass. Sobald zwei Restriktionen gleichzeitig binden können, liefert diese Rangfolge falsche Programme – und genau dafür gibt es die lineare Optimierung. Wenn du in einer Aufgabe begründen sollst, warum hier nicht mit der einfachen Rangfolge gearbeitet wird, ist das die Antwort.

  • Okunsches Gesetz: Warum steigt die Arbeitslosigkeit nicht sofort, wenn die Wirtschaft schrumpft?

    • LisaVWL
    • 4. August 2026 um 20:25

    Zur eigentlichen Frage – warum die Reaktion verzögert ist – ist der zentrale Begriff Labour Hoarding (Arbeitskräftehortung): Unternehmen halten in der Krise mehr Personal, als sie kurzfristig bräuchten.

    Das ist kein Altruismus, sondern Kalkül. Entlassen und später wieder einstellen kostet: Abfindungen, Kündigungsfristen, Verlust von betriebsspezifischem Know-how, danach Suche, Auswahl und Einarbeitung. Solange die Firma den Abschwung für vorübergehend hält, ist Halten schlicht billiger als Feuern und Wiederholen – erst recht, wenn Fachkräfte knapp sind.

    Deshalb wird die Anpassung in dieser Reihenfolge vorgenommen (die Reihenfolge selbst ist prüfungsrelevant):

    1. Überstunden und Arbeitszeitkonten abbauen
    2. Befristete Verträge auslaufen lassen, Leiharbeit zurückfahren
    3. Kurzarbeit – in Deutschland der institutionelle Puffer schlechthin: Die Beschäftigung bleibt bestehen, nur die geleisteten Stunden sinken
    4. Einstellungsstopp, natürliche Fluktuation nicht nachbesetzen
    5. Erst zuletzt: betriebsbedingte Kündigungen in der Stammbelegschaft

    Statistisch sichtbar wird das an der prozyklischen Arbeitsproduktivität: Im Abschwung sinkt die Produktion stärker als die Beschäftigung, gemessene Produktivität pro Kopf fällt also – nicht weil alle plötzlich schlechter arbeiten, sondern weil dieselben Leute weniger auszulasten haben.

    Und der Aufschwung ist spiegelbildlich: Weil die Belegschaft noch da ist, wird die zusätzliche Nachfrage zuerst über mehr Stunden bedient. Neu eingestellt wird erst, wenn die Erholung als dauerhaft gilt. Genau das ist der „jobless recovery“-Effekt, den du in deinen Daten siehst. Falls du eine Zusatzpointe brauchst: Bei sehr langen Abschwüngen kommt Hysterese dazu – Langzeitarbeitslose verlieren Qualifikation und Anschluss, sodass ein Teil der Arbeitslosigkeit auch im Aufschwung strukturell bestehen bleibt.

  • Leistungsbilanzüberschuss – warum wird Deutschland dafür kritisiert, wenn wir doch mehr exportieren als importieren?

    • LisaVWL
    • 2. August 2026 um 20:15

    Kathis Gleichung ist der Schlüssel. Ich hänge die vier üblichen Kritikpunkte an, weil die in Klausuren als „Diskutieren Sie“-Aufgabe kommen:

    • Verzicht auf heutigen Wohlstand: Ein Überschuss bedeutet, dass wir dem Ausland mehr Güter überlassen, als wir von dort beziehen. Wir tauschen reale Güter gegen Papierforderungen. Ob sich das lohnt, hängt an der Rendite dieser Anlagen – und die war für deutsche Auslandsinvestitionen historisch mäßig, teils mit hohen Verlusten in Krisen.
    • Investitionsschwäche: S − I groß heißt oft, dass im Inland zu wenig in Infrastruktur, Bildung, Digitalisierung investiert wird. Der Überschuss ist dann das Symptom, nicht die Leistung.
    • Abhängigkeit von der Auslandsnachfrage: Ein exportlastiges Modell trifft ein globaler Nachfrageeinbruch härter, weil die Binnennachfrage ihn nicht abfedert.
    • Saldenmechanik: Jedem Überschuss steht anderswo ein Defizit gegenüber. In einer Währungsunion, in der die Abwertung als Ausgleichsmechanismus fehlt, verschärft das Ungleichgewichte zwischen den Mitgliedern.

    Konkret: Die EU misst das im Verfahren bei makroökonomischen Ungleichgewichten (MIP). Dort gilt ein Leistungsbilanzsaldo im Dreijahresdurchschnitt von über +6 % bzw. unter −4 % des BIP als auffällig – Deutschland lag jahrelang darüber.

    Fürs Fazit einer Klausurantwort wichtig: Ein Überschuss ist nicht per se schlecht. Eine alternde Gesellschaft, die für die Rentenphase im Ausland spart, handelt ökonomisch nachvollziehbar. Kritisch wird es, wenn er dauerhaft und hoch ist und aus schwacher Inlandsinvestition statt aus bewusster Ersparnisbildung resultiert.

  • Substitutionseffekt und Einkommenseffekt – warum wird eine Preiserhöhung in zwei Effekte zerlegt?

    • LisaVWL
    • 31. Juli 2026 um 19:20

    Zur Ergänzung die formale Seite, weil in Klausuren oft die Grafik verlangt wird – und dort trennt sich das schnell.

    In der Budgetgeraden-/Indifferenzkurven-Darstellung macht man zwei Schritte statt einem:

    1. Substitutionseffekt: Du drehst die Budgetgerade entsprechend dem neuen Preisverhältnis, hältst den Haushalt aber gedanklich auf dem alten Nutzenniveau – die gedrehte Gerade wird also an die ursprüngliche Indifferenzkurve angelegt. Das ist eine Bewegung entlang derselben Indifferenzkurve. Das ist die Zerlegung nach Hicks.
    2. Einkommenseffekt: Danach verschiebst du diese Hilfsgerade parallel auf die tatsächliche neue Budgetgerade. Das ist der Sprung auf eine niedrigere Indifferenzkurve.

    Zwei Details, die häufig abgefragt werden: Bei der Zerlegung nach Slutsky wird stattdessen die alte Güterkombination gerade noch bezahlbar gehalten statt des alten Nutzenniveaus – die Hilfsgerade geht dann durch den alten Optimalpunkt. Beide Verfahren führen zu leicht unterschiedlichen Zwischenpunkten, aber zur gleichen Gesamtwirkung. Und: Die Reihenfolge ist reine Rechentechnik, in der Realität passiert beides gleichzeitig.

    Warum das Ganze über die Klausur hinaus nützlich ist: Dieselbe Zerlegung erklärt die rückwärtsgeneigte Arbeitsangebotskurve. Steigt dein Lohn, wird Freizeit relativ teurer, du arbeitest mehr (Substitutionseffekt). Gleichzeitig bist du reicher und kannst dir mehr Freizeit leisten, du arbeitest weniger (Einkommenseffekt). Bei niedrigen Löhnen dominiert der erste, bei sehr hohen der zweite – genau deshalb knickt die Kurve oben nach links. Wer die Zerlegung einmal verstanden hat, kann diese Aufgabe ohne neue Theorie lösen.

  • Oligopol: Warum ändern Tankstellen ihre Preise fast gleichzeitig, obwohl sie sich nicht absprechen dürfen?

    • LisaVWL
    • 28. Juli 2026 um 19:50

    Und für die Abgrenzung zum Kartell lohnt sich der Blick über die Spieltheorie, das ist in Klausuren oft der Zusatzpunkt.

    Zwei Anbieter im Gefangenendilemma: Halten beide den hohen Preis, verdienen beide gut. Senkt einer, gewinnt er Marktanteile auf Kosten des anderen. Weil jeder das weiß, senken am Ende beide – das Nash-Gleichgewicht ist für beide schlechter als die Absprache. Genau deshalb sind Kartelle instabil: Jedes Mitglied hat einen Anreiz auszuscheren, und alle wissen es voneinander.

    Der Unterschied zum Tankstellenfall ist der Weg dorthin:

    • Kartell: ausdrückliche Vereinbarung über Preise, Mengen oder Gebiete → verboten (§ 1 GWB, Art. 101 AEUV).
    • Bewusstes Parallelverhalten: jeder beobachtet nur die öffentlich sichtbaren Preise der anderen und reagiert. Keine Absprache, also grundsätzlich zulässig – auch wenn das Ergebnis ähnlich aussieht.

    Was die Sache bei Kraftstoffen so extrem macht, ist die Markttransparenz: Preise stehen meterhoch an der Straße und werden zentral gemeldet, das Produkt ist praktisch homogen. Wo jeder in Echtzeit sieht, was der Nachbar tut, braucht es keine Absprache mehr, um im Gleichtakt zu laufen. Für die Klausur ist das ein schöner Satz: Hohe Markttransparenz plus homogenes Gut plus wenige Anbieter ergibt Preisparallelität auch ohne Kartell.

  • Komparativer Kostenvorteil – warum lohnt sich Handel, wenn ein Land doch alles besser kann?

    • LisaVWL
    • 27. Juli 2026 um 07:05

    Kathis Rechnung ist der Kern. Zwei Ergänzungen, mit denen du in einer Klausur die volle Punktzahl holst:

    • Das Austauschverhältnis muss zwischen den beiden Opportunitätskosten liegen. Im Beispiel also zwischen 1,33 und 2 Tuch je Wein. Nur dann gewinnen beide Seiten; liegt es außerhalb, stellt sich eines der Länder mit Autarkie besser. Handel ist also nicht automatisch für beide gut, sondern innerhalb dieser Bandbreite – wo genau, hängt von Marktmacht und Nachfrage ab.
    • Die Modellannahmen nennen. Ricardo unterstellt zwei Länder, zwei Güter, Arbeit als einzigen Faktor, konstante Opportunitätskosten (lineare Transformationskurve), international immobile Faktoren und keine Transportkosten oder Zölle.

    Und die wichtigste Einschränkung fürs Verständnis: Der Satz „Handel erhöht die Wohlfahrt“ gilt für die Länder insgesamt. Innerhalb eines Landes gibt es sehr wohl Verlierer – nämlich die Beschäftigten in der Branche, die nun importiert statt produziert wird. Deshalb bauen spätere Modelle (Heckscher-Ohlin, Stolper-Samuelson) genau diese Verteilungsfrage ein. Wer das in einem Satz erwähnt, zeigt, dass er das Modell verstanden und nicht nur nachgerechnet hat. 🙂

  • Steuerinzidenz – warum trägt bei einer Steuer nicht immer der die Last, der sie ans Finanzamt zahlt?

    • LisaVWL
    • 24. Juli 2026 um 19:50

    Kathis Faustregel kannst du dir über die Extremfälle klarmachen:

    • Nachfrage vollkommen unelastisch (senkrechte Kurve): Die Käufer kaufen egal zu welchem Preis → der Verkäufer wälzt die Steuer komplett ab, der Käufer trägt alles.
    • Nachfrage vollkommen elastisch (waagrechte Kurve): Bei der kleinsten Preiserhöhung springen alle ab → der Anbieter trägt alles.

    Deshalb landen in der Realität Steuern auf unelastische Güter wie Benzin oder Zigaretten überwiegend beim Konsumenten. Und noch ein Aspekt für die Klausur: Der Wohlfahrtsverlust (das „Harberger-Dreieck“) ist umso größer, je elastischer beide Seiten sind – dann bricht viel Menge weg. Das ist der ökonomische Grund, warum man aus Effizienzsicht gern unelastische Güter besteuert.

  • BIP dreifach berechnen – warum kommt bei Entstehung, Verwendung und Verteilung dasselbe raus?

    • LisaVWL
    • 22. Juli 2026 um 20:10

    Genau, und für die Klausur wichtig: Diese Gleichheit ist eine definitorische Identität (ex post), keine Gleichgewichtsbedingung. Sie gilt immer, weil unverkaufte Produktion per Definition als Vorratsveränderung zu den Investitionen gezählt wird – dadurch schließt sich die Rechnung buchhalterisch von selbst.

    Ein häufiger Stolperstein bei der Entstehungsrechnung: Man addiert die Wertschöpfung, nicht die Umsätze. Der Bäcker zählt nur seinen Mehrwert, das Mehl vom Müller ist seine Vorleistung – sonst würde man das Mehl doppelt zählen (einmal beim Müller, einmal im Brot). Deshalb „Bruttowertschöpfung = Produktionswert − Vorleistungen“.

  • Laspeyres- oder Paasche-Preisindex - warum kommen da unterschiedliche Werte raus?

    • LisaVWL
    • 21. Juli 2026 um 07:40

    Aus VWL-Sicht noch die Einordnung, warum in der Praxis fast immer Laspeyres genommen wird (z. B. beim Verbraucherpreisindex): Der Warenkorb des Basisjahres bleibt fest, dadurch sind die Werte über die Jahre direkt vergleichbar und man muss die Mengen nicht ständig neu erheben.

    Der Preis dafür: Laspeyres überzeichnet die Inflation etwas, weil er den Substitutionseffekt ignoriert – wird etwas teurer, kaufen die Leute weniger davon, aber der feste Warenkorb rechnet weiter mit der alten Menge. Paasche (Berichtsjahr-Menge) macht den umgekehrten Fehler und unterzeichnet. Der Fisher-Index (geometrisches Mittel aus beiden) gilt deshalb als „idealer“ Kompromiss – nur für die laufende Statistik ist er zu aufwendig.

  • Phillips-Kurve – gibt es wirklich einen dauerhaften Zielkonflikt zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit?

    • LisaVWL
    • 20. Juli 2026 um 19:25

    Genau, und das Stichwort dahinter heißt Erwartungen (erwartungserweiterte Phillips-Kurve nach Friedman/Phelps). Der Trade-off funktioniert nur, solange die Inflation die Leute überrascht. Sobald sie eine höhere Inflation einplanen, verschiebt sich die kurzfristige Kurve nach oben – und du bist bei gleicher Arbeitslosigkeit, aber höherer Inflation.

    Für die Klausur wichtig ist der Begriff NAIRU bzw. natürliche Arbeitslosenquote: das Niveau, bei dem die Inflation stabil bleibt. Politik-Fazit: Man kann die Arbeitslosigkeit dauerhaft nicht unter dieses Niveau drücken, ohne dass die Inflation immer weiter steigt – die Stagflation der 1970er ist das klassische Realbeispiel.

  • Wechselkurse – warum ist eine Abwertung der eigenen Währung angeblich gut für den Export?

    • LisaVWL
    • 18. Juli 2026 um 20:10

    Zum sauberen Merken, welche Richtung was bedeutet, hilft die Frage „Wie viel Fremdwährung bekomme ich für 1 €?“. Sinkt diese Zahl (1,20 → 1,00 $), ist der Euro schwächer geworden → Abwertung. Damit bleibt Kathis Export-Logik automatisch konsistent.

    Und noch der Blick auf die Ursachen, falls die Aufgabe danach fragt: Bei flexiblen Kursen wertet eine Währung u. a. ab, wenn die Zinsen im Inland sinken (Kapital fließt ab), die Inflation höher ist als im Ausland oder die Nachfrage nach heimischen Anlagen fällt. Der Wechselkurs ist am Ende auch ein Preis – bestimmt durch Angebot und Nachfrage nach der Währung.

  • Angebotsmonopol – warum produziert ein Monopolist weniger und verlangt einen höheren Preis?

    • LisaVWL
    • 16. Juli 2026 um 21:05

    Genau, und für die Klausur lohnt der direkte Vergleich mit der vollständigen Konkurrenz:

    • Wettbewerb: Preis = Grenzkosten, Menge maximal, Konsumentenrente groß.
    • Monopol: Menge kleiner, Preis über den Grenzkosten. Ein Teil der früheren Konsumentenrente wird zum Monopolgewinn, ein anderer Teil geht ganz verloren.

    Dieser verlorene Teil ist der Wohlfahrtsverlust (Harberger-Dreieck): Es gäbe Käufer, deren Zahlungsbereitschaft über den Grenzkosten liegt, die aber wegen des hohen Preises nicht mehr kaufen. Deshalb sind Monopole aus Wohlfahrtssicht ineffizient – nicht weil „Gewinn böse“ ist, sondern weil Tauschgewinne liegen bleiben.

  • Öffentliche Güter und das Trittbrettfahrer-Problem – warum baut der Markt einen Deich nicht einfach selbst?

    • LisaVWL
    • 14. Juli 2026 um 21:35

    Ich hänge noch die Abgrenzung dran, weil die in Klausuren gern verwechselt wird – und zwar das Allmendegut (Kathis drittes Feld).

    Beim Allmendegut ist ebenfalls kein Ausschluss möglich, aber es ist rival: Jeder gefangene Fisch fehlt den anderen. Daraus wird ein anderes Problem, die Tragik der Allmende – nicht Unterbereitstellung, sondern Übernutzung. Jeder fischt so viel er kann, weil der Ertrag privat ist, die Kosten der Bestandsvernichtung aber alle tragen. Also: Öffentliches Gut → es wird zu wenig bereitgestellt; Allmendegut → es wird zu viel verbraucht. Beides Marktversagen, aber mit unterschiedlicher Mechanik.

    Zu den Lösungen, falls die Aufgabe danach fragt, gibt es im Wesentlichen drei Wege:

    • Staatliche Bereitstellung über Steuern (der Standardfall beim öffentlichen Gut).
    • Ausschluss technisch herstellen, also das Gut zum Klubgut machen: Maut, Verschlüsselung beim Pay-TV, Zaun ums Gelände. Funktioniert bei einem Deich naturgemäß nicht.
    • Gemeinschaftliche Selbstorganisation mit Nutzungsregeln und sozialer Kontrolle – dafür hat Elinor Ostrom den Wirtschaftsnobelpreis bekommen. Klappt vor allem bei Allmendegütern in überschaubaren Gruppen.

    Vorgehen in der Prüfung: immer erst die zwei Merkmale einzeln prüfen, dann einordnen, dann erst über Marktversagen und Lösungen reden. Wer direkt mit „ist ein öffentliches Gut“ startet, verschenkt die Punkte für die Herleitung.

  • Geldschöpfung der Banken – wie kann eine Bank Geld „aus dem Nichts“ schaffen?

    • LisaVWL
    • 12. Juli 2026 um 20:20

    Genau. Und jetzt zur Bremse, nach der du fragst – die Schöpfung ist nicht unbegrenzt:

    • Mindestreserve: Für einen Teil des geschaffenen Giralgeldes muss die Bank einen kleinen Prozentsatz (im Euroraum aktuell 1 %) als Reserve bei der Zentralbank halten. Das begrenzt, wie viel Buchgeld sie insgesamt schaffen kann.
    • Bargeldabfluss & Überweisungen: Hebt der Kunde Bargeld ab oder überweist er zu einer anderen Bank, braucht die Bank echtes Zentralbankgeld – das muss sie sich beschaffen (kostet Zinsen).

    Im Lehrbuch fasst das der Geldschöpfungsmultiplikator zusammen: theoretisch maximal 1/Mindestreservesatz. Bei 1 % wäre das ein Faktor 100 – in der Realität deutlich weniger, weil Bargeldhaltung und Eigenkapitalvorschriften zusätzlich bremsen. Für die Klausur reicht meist: Kreditvergabe schafft Giralgeld, Mindestreserve und Bargeldabfluss begrenzen es, der Multiplikator zeigt die theoretische Obergrenze.

  • Konjunkturzyklus – die vier Phasen und woran erkenne ich, in welcher wir gerade stecken?

    • LisaVWL
    • 10. Juli 2026 um 19:30

    Ergänzend die Größe, die es sauber zusammenfasst: die Produktionslücke (Output-Gap) = Differenz zwischen tatsächlichem und potenziellem BIP.

    • positiv (Ist > Potenzial): Überauslastung → Boom, Inflationsgefahr
    • negativ (Ist < Potenzial): Unterauslastung → Rezession/Tief

    Für die Klausur wichtig: „Konjunktur“ ist die Schwankung um den Wachstumstrend, nicht das langfristige Wachstum selbst. Das Trendwachstum (Produktionspotenzial) ist die Angebotsseite, die Konjunktur die Nachfrageschwankung darum herum.

  • Kreuzpreiselastizität – wie erkenne ich am Vorzeichen, ob zwei Güter Substitute oder Komplemente sind?

    • LisaVWL
    • 8. Juli 2026 um 18:30

    Kathis Einteilung ist genau richtig. Für die Klausur noch zwei Feinheiten:

    • Das Vorzeichen sagt die Art (Substitut/Komplement), der Betrag die Stärke der Beziehung. Ein Wert von +2 heißt „enge Substitute“, +0,1 „schwach verbunden“.
    • Verwechsle die Kreuzpreiselastizität nicht mit der Einkommenselastizität. Dort bedeutet ein negatives Vorzeichen etwas ganz anderes, nämlich ein inferiores Gut (Nachfrage sinkt bei steigendem Einkommen). Gleiche Logik „Vorzeichen lesen“, aber andere Aussage.

    Wenn in der Aufgabe steht „positiv/negativ“, ist fast immer nur die Zuordnung Substitut/Komplement gefragt – da bekommst du die Punkte fast geschenkt.

  • Abnehmender Grenznutzen (1. Gossensches Gesetz) – warum stiftet das dritte Stück Kuchen weniger?

    • LisaVWL
    • 6. Juli 2026 um 20:15

    Ergänzend, warum das so zentral ist: Aus dem abnehmenden Grenznutzen folgt direkt die fallende Nachfragekurve. Weil dir die nächste Einheit weniger wert ist, bist du auch nur bereit, weniger dafür zu zahlen – deshalb kaufst du mehr nur bei sinkendem Preis.

    Und im Haushaltsoptimum (2. Gossensches Gesetz) verteilst du dein Geld so, dass der Grenznutzen pro ausgegebenem Euro bei allen Gütern gleich ist. Solange ein Gut mehr Nutzen je Euro bringt, schichtest du dorthin um. Das ist die ganze Logik hinter „rationaler Konsument“.

  • Konsumentenrente und Produzentenrente – was steckt hinter diesen Dreiecksflächen eigentlich?

    • LisaVWL
    • 5. Juli 2026 um 06:55

    Genau, und der praktische Nutzen zeigt sich erst, wenn der Markt gestört wird. Setzt der Staat z. B. einen Höchstpreis, erhebt eine Steuer oder es entsteht ein Monopol, verschiebt sich die gehandelte Menge weg vom Gleichgewicht. Ein Teil der ursprünglichen Rente geht dann verloren und landet bei niemandem – das ist der Wohlfahrtsverlust (Deadweight Loss), das kleine Dreieck, das „verschwindet“.

    Deshalb ist das Rentenkonzept das Standardwerkzeug, um Eingriffe zu bewerten: Man vergleicht die Flächen vorher/nachher und sieht, wer gewinnt, wer verliert und wie viel Effizienz insgesamt verloren geht. Kleiner Tipp: In Klausuren immer die drei Flächen sauber beschriften, dann kommen die Teilpunkte fast von allein.

  • Höchstpreis und Mindestpreis – warum entstehen dadurch Knappheit oder Überschuss?

    • LisaVWL
    • 2. Juli 2026 um 20:10

    Kathis Beispiele treffen es. Zwei Punkte für die Klausur, mit denen du Pluspunkte holst:

    • „Bindend“ vs. „nicht bindend“: Ein Höchstpreis über dem Gleichgewicht oder ein Mindestpreis unter dem Gleichgewicht ändert gar nichts – der Markt pendelt sich sowieso beim Gleichgewicht ein. Nur der bindende Eingriff erzeugt Knappheit bzw. Überschuss. Das wird in Aufgaben gern abgefragt.
    • Wohlfahrtsverlust: Jeder bindende Eingriff verhindert Tauschgeschäfte, die beide Seiten eigentlich wollten. Diese entgangenen Renten heißen Wohlfahrtsverlust (Deadweight Loss) und sind das Standard-Argument, warum solche Eingriffe „ineffizient“ sind – auch wenn sie verteilungspolitisch gewollt sein können.

    Also immer erst prüfen: bindet der Eingriff überhaupt? Dann die Mengenlücke zwischen Angebot und Nachfrage einzeichnen – das ist genau die Knappheit bzw. der Überschuss.

  • Nachfrageinflation vs. Angebotsinflation – woran erkenne ich, welche gerade wirkt?

    • LisaVWL
    • 30. Juni 2026 um 20:40

    Kathis Mengen-Test ist genau das Unterscheidungskriterium. Zwei Ergänzungen, die in Klausuren gern abgefragt werden:

    • Der unangenehme Fall der Angebotsinflation heißt Stagflation – Inflation und Stagnation/steigende Arbeitslosigkeit gleichzeitig. Genau deshalb ist cost-push für die Wirtschaftspolitik so heikel: Zinserhöhungen bremsen dann zusätzlich die ohnehin schwache Konjunktur.
    • Bei Nachfrageinflation greift die Notenbank klassisch mit höheren Leitzinsen, um die Nachfrage abzukühlen. Bei Angebotsinflation hilft das nur begrenzt, weil die Ursache ja auf der Kostenseite liegt.

    Wenn in der Aufgabe also „steigende Preise bei gleichzeitig steigender Arbeitslosigkeit“ steht, ist das fast immer das Signalwort für Angebotsinflation.

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