Der Denkfehler steckt im Vergleichspunkt: Das Kino verliert bei den Studierenden nichts, weil es ohne Rabatt viele von ihnen gar nicht als Kunden hätte. Die Frage ist nicht „10 € oder 7,50 € von derselben Person“, sondern „7,50 € von jemandem, der sonst zu Hause geblieben wäre“ – ohne dafür den Preis für alle anderen senken zu müssen.
Genau das ist das Dilemma des Monopolisten mit Einheitspreis: Senkt er den Preis, um zusätzliche Kunden zu gewinnen, verschenkt er die Senkung auch an alle, die den höheren Preis gezahlt hätten. Preisdiskriminierung löst das, indem sie den Markt aufteilt.
Die drei Grade – Eselsbrücke: Person, Paket, Pass.
- 1. Grades (Person): Jeder zahlt genau seine maximale Zahlungsbereitschaft. Der Anbieter schöpft die gesamte Konsumentenrente ab. In Reinform ein theoretischer Grenzfall – am nächsten kommen Verhandlungspreise und personalisierte Preise.
- 2. Grades (Paket): Der Anbieter kennt die Kunden nicht einzeln, bietet aber ein Menü an – Mengenrabatte, Tarife, Versionen (Basis/Premium). Die Kunden sortieren sich selbst ein.
- 3. Grades (Pass): Unterschiedliche Preise für Gruppen anhand eines beobachtbaren Merkmals – Studierendenausweis, Seniorenpass, Wohnort. Dein Kinobeispiel.
Damit das funktioniert, braucht es drei Voraussetzungen:
- Marktmacht – bei vollständiger Konkurrenz gibt es keinen Preisspielraum.
- Unterscheidbare Gruppen mit unterschiedlicher Preiselastizität.
- Keine Arbitrage – die Studierenden dürfen ihre günstigen Tickets nicht an Normalzahler weiterverkaufen können. Deshalb die Ausweiskontrolle am Einlass.
Und wie teuer wird es in welchem Markt? Der Anbieter setzt in jedem Teilmarkt Grenzerlös = Grenzkosten. Über die Amoroso-Robinson-Relation ist der Grenzerlös GE = p · (1 − 1/|ε|). Stilisiertes Beispiel mit Grenzkosten von 5 €:
- Normalzahler, |ε| = 2: p · (1 − 1/2) = 5 → p = 10 €
- Studierende, |ε| = 3: p · (1 − 1/3) = 5 → p = 7,50 €
Merksatz: Wer elastischer reagiert, zahlt weniger. Die Studierenden sind nicht billiger dran, weil das Kino nett ist, sondern weil sie bei jedem Euro mehr schneller abspringen.
Zu deiner letzten Frage: Ja, inhaltlich dasselbe. „Preisdiskriminierung“ ist der VWL-Fachbegriff und wertfrei gemeint; im Marketing sagt man lieber Preisdifferenzierung, weil „Diskriminierung“ im Alltag negativ klingt.