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Stakeholder-Analyse in der Hausarbeit – wie wird aus meiner Liste mehr als eine Aufzählung?

  • JaninaBWL
  • 17. September 2026 um 15:30
  • Erledigt
  • JaninaBWL
    BWL Bachelor
    Beiträge
    38
    • 17. September 2026 um 15:30
    • #1

    Hallo,

    ich schreibe gerade eine Hausarbeit in Unternehmensführung und soll für ein mittelständisches Unternehmen (Fallbeispiel: Brauerei will eine neue Abfüllanlage am Ortsrand bauen) eine Stakeholder-Analyse machen.

    Bisher habe ich: Eigentümer, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Bank, Gemeinde, Anwohner, Umweltverbände. Jeweils mit zwei Sätzen, was die wollen. Meine Betreuerin meinte beim Zwischenstand, das sei „erst der erste Schritt“.

    Was kommt denn danach? Irgendwas mit einer Matrix hab ich im Kopf, aber im Skript steht dazu nur ein Satz. 🤔

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  • DieJulia
    Master BWL
    Beiträge
    52
    • 17. September 2026 um 18:05
    • #2

    Deine Betreuerin hat recht – die Liste ist die Identifikation. Eine Stakeholder-Analyse hat üblicherweise vier Schritte:

    1. Identifizieren (hast du)
    2. Analysieren: Interessen, Erwartungen und Einfluss jeder Gruppe
    3. Bewerten/Priorisieren: meist mit der Macht-Interesse-Matrix (nach Mendelow)
    4. Maßnahmen ableiten: Wie geht das Unternehmen mit jeder Gruppe um?

    Die Matrix hat zwei Achsen – Einfluss/Macht und Interesse am Projekt – und ergibt vier Felder:

    • Hohe Macht, hohes Interesse → eng einbinden („manage closely“): In deinem Fall z. B. die Gemeinde (Baugenehmigung!) und die Bank (Finanzierung).
    • Hohe Macht, geringes Interesse → zufriedenstellen („keep satisfied“): etwa Großkunden aus dem Handel – die interessiert die Anlage kaum, solange die Lieferfähigkeit stimmt.
    • Geringe Macht, hohes Interesse → informieren („keep informed“): Anwohner – zumindest solange sie sich nicht organisieren.
    • Geringe Macht, geringes Interesse → beobachten („monitor“).

    Der wichtigste Punkt für die Note: Jede Einordnung begründen, und zwar mit dem Fall. Nicht „Anwohner haben wenig Macht“, sondern „Anwohner haben formal keine Entscheidungsbefugnis, können aber über Einwendungen im Genehmigungsverfahren das Projekt verzögern – daher mittlere Macht“. Genau so eine Abwägung ist der analytische Teil.

    Und Schritt 4 nicht vergessen: Zu jedem Feld ein, zwei konkrete Maßnahmen (Bürgerinfoabend, regelmäßiger Austausch mit der Bank, Newsletter an Mitarbeiter …). Ohne die bleibt es eine Beschreibung.

  • Basti92
    Marketing
    Beiträge
    35
    • 17. September 2026 um 22:40
    • #3

    Julia hat das Gerüst super erklärt. Zwei Sachen, mit denen du dich noch abheben kannst:

    1. Die Matrix ist eine Momentaufnahme. Stakeholder wandern. Die Anwohner sind in deinem Beispiel das Paradebeispiel: Allein haben sie wenig Macht, aber sobald sich eine Bürgerinitiative gründet, lokale Presse dazukommt und der Gemeinderat Druck bekommt, rutschen sie nach oben. Wenn du das mit einem Pfeil in der Matrix zeigst und begründest, ist das echte Analyse. Aus dem Vertrieb kenne ich das genauso: Der „unwichtige“ Ansprechpartner ist plötzlich Einkaufsleiter.

    2. Ein zweites Modell als Ergänzung. Die Matrix hat nur zwei Dimensionen. Das Modell von Mitchell, Agle und Wood nimmt drei Merkmale: Macht, Legitimität, Dringlichkeit. Ein Umweltverband hat z. B. hohe Legitimität und – wenn es um ein Naturschutzgebiet geht – hohe Dringlichkeit, aber wenig direkte Macht. In der Mendelow-Matrix geht das leicht unter.

    Und falls in der Einleitung Platz ist: kurz den Unterschied Shareholder- vs. Stakeholder-Ansatz (Freeman) erwähnen, dann ist klar, warum man sich überhaupt um mehr als die Eigentümer kümmert.

    Aber nicht übertreiben – lieber eine Matrix sauber begründet als drei Modelle oberflächlich. 😉

  • Meike_HR
    Personal · Recht
    Beiträge
    53
    • 18. September 2026 um 16:40
    • #4

    Aus Personalersicht noch ein Punkt, der bei Hausarbeiten zu Stakeholdern oft untergeht: Die Mitarbeiter sind nicht eine homogene Gruppe.

    Im Brauerei-Fall würde ich mindestens trennen zwischen den Beschäftigten an der alten Abfüllung (Sorge um Arbeitsplatz, Schichtmodell, neue Qualifikationen) und dem Betriebsrat, falls es einen gibt. Der hat nämlich echte formale Macht: Eine grundlegende Änderung der Betriebsanlagen kann eine Betriebsänderung im Sinne von § 111 BetrVG sein, dann muss über einen Interessenausgleich verhandelt und ggf. ein Sozialplan aufgestellt werden (sofern das Unternehmen mehr als 20 wahlberechtigte Arbeitnehmer hat).

    In der Matrix landet der Betriebsrat damit klar bei hohe Macht, hohes Interesse, während einzelne Mitarbeiter eher im Feld „informieren“ stehen. Diese Aufteilung zeigt dem Korrektor, dass du die Gruppen wirklich durchdacht hast. 🙂

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