Fabian hat die Kostenseite abgedeckt – ich ergänze die Risikoseite, weil dein Erlebnis mit der stehenden Anlage genau der Punkt ist, der die Bewertung in den letzten Jahren verschoben hat.
JIT verlagert Bestände nicht ins Nichts, sondern auf die Straße und zum Lieferanten. Solange alles läuft, ist das effizient. Fällt ein Glied aus, gibt es aber keinen Puffer mehr, der die Störung abfängt – und weil in einer JIT-Kette alles eng getaktet ist, schlägt eine Störung sofort durch. Genau das haben die Lieferkettenprobleme der letzten Jahre gezeigt: Was als schlanke Kette gefeiert wurde, war zugleich eine verwundbare Kette.
Was Unternehmen daraus gemacht haben – und was sich prima als Gegenmaßnahmen in eine Beurteilung schreiben lässt:
- Sicherheitsbestand für kritische Teile statt Nullbestand über die ganze Bandbreite. Man fragt nicht mehr „JIT ja oder nein“, sondern „für welche Teile“.
- Dual oder Multiple Sourcing statt einer Alleinquelle – teurer im Einkauf, aber eine Versicherung gegen Ausfall.
- Regionalere Beschaffung, weil kurze Wege weniger Störanfälligkeit bedeuten.
- Vertragliche Absicherung: Konventionalstrafen, Konsignationslager beim Kunden, verbindliche Abrufmengen.
Für die Klausur würde ich genau diese Struktur nehmen, dann ist es keine Stichpunktliste mehr, sondern eine Beurteilung:
- Ziel von JIT benennen (Kapitalbindung und Lagerkosten senken, Probleme sichtbar machen).
- Voraussetzungen prüfen (Fabians Liste).
- Risiken benennen und quantifizieren – die entscheidende Abwägung lautet: eingesparte Lagerkosten gegen erwartete Stillstandskosten, also Ausfallwahrscheinlichkeit mal Kosten je Stillstandsstunde.
- Begründete Empfehlung, differenziert nach Teilegruppen, plus die Einschränkung, welche Information dafür noch fehlt.
Der Satz, der in jeder Musterlösung gut aussieht: Bestände sind keine Verschwendung, sondern gekaufte Sicherheit – die Frage ist nur, ob der Preis dafür angemessen ist. 😉