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Beiträge von Basti92

  • Just-in-Time-Beschaffung – warum macht man sich freiwillig so abhängig vom Lieferanten?

    • Basti92
    • 10. September 2026 um 07:10

    Fabian hat die Kostenseite abgedeckt – ich ergänze die Risikoseite, weil dein Erlebnis mit der stehenden Anlage genau der Punkt ist, der die Bewertung in den letzten Jahren verschoben hat.

    JIT verlagert Bestände nicht ins Nichts, sondern auf die Straße und zum Lieferanten. Solange alles läuft, ist das effizient. Fällt ein Glied aus, gibt es aber keinen Puffer mehr, der die Störung abfängt – und weil in einer JIT-Kette alles eng getaktet ist, schlägt eine Störung sofort durch. Genau das haben die Lieferkettenprobleme der letzten Jahre gezeigt: Was als schlanke Kette gefeiert wurde, war zugleich eine verwundbare Kette.

    Was Unternehmen daraus gemacht haben – und was sich prima als Gegenmaßnahmen in eine Beurteilung schreiben lässt:

    • Sicherheitsbestand für kritische Teile statt Nullbestand über die ganze Bandbreite. Man fragt nicht mehr „JIT ja oder nein“, sondern „für welche Teile“.
    • Dual oder Multiple Sourcing statt einer Alleinquelle – teurer im Einkauf, aber eine Versicherung gegen Ausfall.
    • Regionalere Beschaffung, weil kurze Wege weniger Störanfälligkeit bedeuten.
    • Vertragliche Absicherung: Konventionalstrafen, Konsignationslager beim Kunden, verbindliche Abrufmengen.

    Für die Klausur würde ich genau diese Struktur nehmen, dann ist es keine Stichpunktliste mehr, sondern eine Beurteilung:

    1. Ziel von JIT benennen (Kapitalbindung und Lagerkosten senken, Probleme sichtbar machen).
    2. Voraussetzungen prüfen (Fabians Liste).
    3. Risiken benennen und quantifizieren – die entscheidende Abwägung lautet: eingesparte Lagerkosten gegen erwartete Stillstandskosten, also Ausfallwahrscheinlichkeit mal Kosten je Stillstandsstunde.
    4. Begründete Empfehlung, differenziert nach Teilegruppen, plus die Einschränkung, welche Information dafür noch fehlt.

    Der Satz, der in jeder Musterlösung gut aussieht: Bestände sind keine Verschwendung, sondern gekaufte Sicherheit – die Frage ist nur, ob der Preis dafür angemessen ist. 😉

  • Nebenkostenabrechnung kam erst nach 14 Monaten – muss ich die noch zahlen? Und wann bekomme ich meine Kaution zurück?

    • Basti92
    • 6. September 2026 um 17:50

    Guter Thread – ich hatte genau den Fall vor zwei Jahren und ergänze zwei Dinge, die mir damals keiner gesagt hat.

    Erstens: Die Zwölfmonatsfrist gilt nicht nur für den Vermieter. Auch du als Mieter hast eine Frist für Einwendungen gegen eine Abrechnung, ebenfalls zwölf Monate ab Zugang. Wer die Abrechnung ein Jahr lang unwidersprochen liegen lässt, kann sich später auf Fehler nicht mehr berufen – also lieber gleich schriftlich widersprechen, auch wenn man noch prüft.

    Zweitens ganz praktisch: Belegeinsicht verlangen, bevor man zahlt. Ich habe damals nach den Rechnungen für Hausmeister und Gartenpflege gefragt, und plötzlich waren Positionen dabei, die gar nicht umlagefähig waren (Reparaturen, die als laufende Kosten getarnt waren). Die Nachforderung ist danach von 480 auf 120 € geschrumpft. Ein höflicher Zweizeiler reicht dafür völlig.

  • Gewährleistung oder Garantie – mein Notebook ist nach 14 Monaten defekt, der Händler sagt „abgelaufen“

    • Basti92
    • 4. September 2026 um 07:20

    Aus der Praxisecke, weil das im Alltag oft an der Formulierung scheitert:

    Schreib dem Händler schriftlich und benutze dabei nicht das Wort „Garantie“, sondern die richtigen Begriffe. Drei Zeilen reichen: Kaufdatum und Rechnungsnummer, Beschreibung des Fehlers und wann er auftritt, dann „ich mache Mängelrechte geltend und fordere Sie zur Nacherfüllung binnen 14 Tagen auf“. Damit setzt du genau die Frist, die für die zweite Stufe gebraucht wird – ohne sie kommst du an Rücktritt oder Minderung gar nicht heran. Ein Foto oder eine kurze Fehlerbeschreibung mitschicken, Kopie aufbewahren.

    Zwei Dinge, die im Studium gern in derselben Aufgabe abgefragt werden:

    • Beim Kauf unter Kaufleuten gilt § 377 HGB: Untersuchungs- und Rügepflicht – die Ware ist unverzüglich zu untersuchen und ein erkennbarer Mangel unverzüglich zu rügen, sonst gilt sie als genehmigt. Diese Pflicht gibt es beim Verbrauchsgüterkauf nicht. Das ist die häufigste Falle in Klausurfällen, in denen plötzlich zwei Unternehmen beteiligt sind.
    • Der Händler steht mit dem Problem nicht allein: Über den Rückgriff in der Lieferkette (§§ 445a, 445b BGB) kann er sich beim Lieferanten schadlos halten. Das ist ein gutes Argument im Gespräch, weil viele Verkäufer bei „das zahle ich aus eigener Tasche“ blocken.

    Und wenn dein Notebook eine Herstellergarantie hatte, die noch läuft: Nimm ruhig beide Wege parallel in den Blick. Die Garantie ist praktisch oft bequemer (Austausch statt Reparatur, direkt beim Hersteller), die Gewährleistung ist rechtlich stärker, weil sie nicht davon abhängt, welche Bedingungen sich jemand ausgedacht hat.

  • BCG-Matrix: Wie ordne ich Produkte in Stars, Cash Cows, Question Marks und Poor Dogs ein – und was folgt daraus?

    • Basti92
    • 3. September 2026 um 14:15

    Moin zusammen,

    ich sitze über einer Übungsaufgabe zur Portfolio-Analyse und komme an einer Stelle nicht weiter. Gegeben sind vier Produkte mit Umsatz, Marktanteil, Marktanteil des größten Wettbewerbers und Marktwachstum. Ich soll sie in die BCG-Matrix einordnen und „Normstrategien ableiten“.

    Zwei Dinge verwirren mich:

    • Auf welcher Achse steht was? Ich habe in zwei Skripten unterschiedliche Darstellungen gesehen und einmal die Achsen vertauscht – prompt lag alles im falschen Quadranten.
    • Was genau ist der relative Marktanteil? Ich habe erst einfach meinen Marktanteil in Prozent eingetragen, aber dann passt die Skala nicht zur Trennlinie.

    Und ehrlich gesagt: Was soll ich unter „Normstrategie“ schreiben, ohne dass es nach Bauchgefühl klingt? 😅 Bei den Poor Dogs steht in meinen Unterlagen „eliminieren“, das kommt mir für ein Produkt, das noch Umsatz bringt, ziemlich radikal vor.

    Danke für jeden Hinweis!

  • Skonto ziehen oder das Zahlungsziel voll ausnutzen – wie teuer ist der Lieferantenkredit wirklich?

    • Basti92
    • 27. August 2026 um 17:45

    Hi,

    im Modul Finanzierung kam die Aufgabe: Ein Lieferant bietet 2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen, sonst 30 Tage netto. Gefragt war, ob man dafür sogar einen Kontokorrentkredit aufnehmen sollte.

    Meine erste Reaktion war: 2 % sind doch Peanuts, dafür nehme ich doch keinen Kredit auf. In der Lösung steht dann irgendwas von über 36 % Jahreszins, und ich verstehe nicht, wo diese Zahl herkommt.

    Außerdem bin ich mir bei der Formel unsicher – in einem Video habe ich gesehen, dass man durch 30 teilt, im Skript stehen 20 Tage. Was stimmt denn nun, und warum? 🤔

  • GbR oder schon OHG? Ab wann wird aus einem Nebengewerbe zu zweit eine Handelsgesellschaft – und wer haftet dann?

    • Basti92
    • 24. August 2026 um 14:20

    Hallo zusammen, ich hänge gerade zwischen Studium und Praxis fest 😅 Ein Kumpel und ich wollen nebenberuflich etwas Kleines starten (Handel mit Zubehör, erstmal online). Im Modul Wirtschaftsrecht hatten wir GbR und OHG, aber ich checke die Grenze dazwischen nicht wirklich.

    Konkret zwei Fragen, die mich beschäftigen:

    • Wir haben nichts unterschrieben – sind wir dann überhaupt schon eine Gesellschaft?
    • Ab wann sind wir plötzlich eine OHG, auch ohne dass wir irgendwo etwas eintragen lassen? Und was ändert sich dann für die Haftung?

    Im Skript steht „Handelsgewerbe“, aber das ist mir zu schwammig. Kann das jemand an einem greifbaren Fall erklären?

  • Einliniensystem, Stab-Linien-Organisation, Matrix – woran erkenne ich in der Klausur, welche Organisationsform gemeint ist?

    • Basti92
    • 6. August 2026 um 20:10

    Zur Matrix aus der Praxis, weil das Schaubild so harmlos aussieht: Die Frage „wer hat das Sagen“ entscheidet sich in einer Matrix nie am Organigramm, sondern an zwei sehr banalen Punkten – wer schreibt die Beurteilung, und wer verfügt über das Budget. Wenn beides beim Linienvorgesetzten liegt, ist die Produktseite im Zweifel dekorativ, egal was das Organigramm zeigt.

    Deshalb gehört zu einer funktionierenden Matrix zwingend eine Eskalationsregel: Wenn sich die beiden Dimensionen nicht einigen, wer entscheidet dann, und in welcher Frist? Ohne das bleiben Konflikte beim Mitarbeiter hängen, und der macht dann das, was der Lautere von beiden will. Das ist das berühmte Zwei-Chefs-Problem, und in Klausuren ist „hoher Koordinationsaufwand, Konfliktpotenzial, erschwerte Verantwortungszurechnung“ genau die Antwort, die man dafür sehen will.

    Was in Aufgaben oft danebensteht und leicht zu verwechseln ist: die Spartenorganisation (divisionale Organisation). Da wird nicht nach Funktionen gegliedert, sondern nach Geschäftsbereichen – jede Sparte hat ihren eigenen Vertrieb, ihre eigene Produktion, oft mit Ergebnisverantwortung als Profit Center. Das Auswahlkriterium ist die Heterogenität des Programms: Viele sehr unterschiedliche Produkte oder Märkte sprechen für Sparten, ein enges homogenes Programm für die funktionale Gliederung.

    Und in echten Unternehmen ist es fast immer eine Mischform. Bei uns läuft der Vertrieb nach Regionen, Marketing und Einkauf zentral – wer das sauber benennen kann („funktionale Grundstruktur mit regionaler Vertriebsgliederung“), sammelt in mündlichen Prüfungen zuverlässig Punkte.

  • ABC-Analyse in der Materialwirtschaft – wo genau ziehe ich die Grenzen zwischen A, B und C?

    • Basti92
    • 2. August 2026 um 06:45

    Zwei Ergänzungen aus der Praxis, die in Klausuren gern als kritische Würdigung verlangt werden – und beide entlarven die reine Wertsicht.

    1. Der Wert sagt nichts über die Wichtigkeit. Eine Dichtung für 80 Cent ist sicher ein C-Teil. Fehlt sie, steht die Montage trotzdem still. Deshalb kombiniert man die ABC- in der Praxis mit der XYZ-Analyse, die nach der Vorhersagbarkeit des Verbrauchs klassifiziert: X = regelmäßig und gut prognostizierbar, Y = schwankend mit erkennbarem Trend oder saisonal, Z = unregelmäßig, kaum planbar. Erst die Kombination ergibt sinnvolle Strategien: AX-Teile eignen sich für fertigungssynchrone Beschaffung, weil Wert und Planbarkeit hoch sind. AZ-Teile sind der unangenehme Fall – teuer und unvorhersehbar, hier braucht es Lieferantenabsicherung statt Lagerhaltung. CZ-Teile legt man einfach auf Vorrat.

    2. Das Verfahren funktioniert nicht nur bei Material. Ich nutze es auf der Vertriebsseite genauso: Kunden nach Umsatz oder Deckungsbeitrag klassifizieren, Produkte nach Ergebnisbeitrag. Da wird dann schnell sichtbar, dass ein Großteil des Aufwands in Kunden fließt, die kaum etwas beitragen.

    Genau dazu aber die Warnung, die in eine gute Antwort gehört: Eine hohe A-Konzentration ist auch ein Klumpenrisiko. Wenn drei Kunden 70 % des Umsatzes ausmachen, ist das kein Erfolg, sondern eine Abhängigkeit. Und noch ein Punkt: Die Analyse ist eine Vergangenheitsbetrachtung. Ein neues Produkt, das gerade anläuft, landet zwangsläufig in C – wer daraufhin die Betreuung zurückfährt, sägt am eigenen Wachstum. Deswegen wird die Einteilung regelmäßig neu gerechnet, üblicherweise jährlich.

  • Make-or-Buy: Eigenfertigung oder Fremdbezug – welche Kosten muss ich beim Vergleich wirklich gegenüberstellen?

    • Basti92
    • 28. Juli 2026 um 06:40

    Aus der Praxis noch die Seite, die in keiner Kostentabelle steht, aber in einer Klausurdiskussion Punkte bringt: die qualitativen Faktoren. Ich habe schon Entscheidungen gesehen, die rechnerisch eindeutig für Fremdbezug sprachen und trotzdem falsch waren.

    • Abhängigkeit vom Lieferanten – wer nur eine Quelle hat, verhandelt beim nächsten Preisgespräch aus einer schwachen Position.
    • Know-how-Verlust – gibst du eine Fertigung ab, ist sie nach zwei Jahren praktisch nicht mehr zurückzuholen; die Leute sind weg, die Erfahrung auch.
    • Qualität, Termintreue, Lieferrisiko – Ausfälle beim Lieferanten treffen dich direkt beim Kunden.
    • Kernkompetenz – was dein Produkt im Markt unterscheidbar macht, gibt man ungern aus der Hand; Standardteile dagegen schon.

    Für die Aufgabe heißt das: erst sauber rechnen (variable bzw. wegfallende Kosten gegen Einstandspreis), dann in zwei, drei Sätzen die qualitativen Argumente nennen. Genau diese Kombination will die Musterlösung meistens sehen. 👍

  • Economies of Scale vs. Economies of Scope – worin liegt der Unterschied?

    • Basti92
    • 25. Juli 2026 um 06:35

    Aus der Vertriebssicht noch ein praktischer Zusatz zu den Economies of Scope: Die Verbundvorteile entstehen bei uns oft gar nicht in der Produktion, sondern über gemeinsame Kundenbeziehung, Marke und Vertriebskanal – ein Außendienstbesuch verkauft eben mehrere Produkte statt nur eines (Cross-Selling).

    Die Kehrseite, die man in der Klausur gern vergisst: Ab einem gewissen Punkt fressen die Komplexitätskosten den Verbundvorteil wieder auf. Jede zusätzliche Variante will beworben, geschult und im Lager gehalten werden. Deshalb ist „mehr Sortiment“ nicht automatisch günstiger – genau da setzt dann die Prozesskostenrechnung an, um die versteckten Kosten der Vielfalt sichtbar zu machen.

  • Kurzfristige Preisuntergrenze – darf ich einen Auftrag annehmen, der nicht mal die Vollkosten deckt?

    • Basti92
    • 23. Juli 2026 um 06:25

    Aus der Vertriebspraxis noch eine Warnung zu den „Ausnahme“-Aufträgen: Der Kunde, dem du einmal zum Grenzkostenpreis lieferst, erwartet diesen Preis beim nächsten Mal wieder – und erzählt es weiter. Rechnerisch ist ein Auftrag über der kurzfristigen Preisuntergrenze bei freier Kapazität richtig, aber die Preis-Anker-Wirkung im Markt kann dich langfristig mehr kosten als der einmalige Deckungsbeitrag bringt. Deshalb solche Aufträge klar als Sonderfall kennzeichnen (Restposten, Einmalmenge), nicht als regulären Listenpreis.

  • Penetration vs. Skimming - wie entscheide ich mich bei der Preisstrategie fuer ein neues Produkt?

    • Basti92
    • 19. Juli 2026 um 15:40

    Gute Frage, das ist ein Klassiker 🙂 Merk dir die beiden über das Ziel:

    • Skimming (Abschöpfung): hoher Einstiegspreis, du „schöpfst“ zuerst die zahlungsbereiten Kunden ab (Early Adopter) und senkst den Preis später stufenweise. Passt bei Innovationen mit Alleinstellung, hohem Prestige oder wenn du deine Entwicklungskosten schnell reinholen willst.
    • Penetration: niedriger Einstiegspreis, du willst schnell viel Marktanteil und Menge. Passt bei austauschbaren Massenprodukten, starkem Wettbewerb oder wenn Skaleneffekte deine Stückkosten drücken.

    Faustregel aus der Praxis: Habe ich etwas Besonderes, das andere (noch) nicht haben → Skimming. Kämpfe ich um Marktanteil in einem vollen Markt → Penetration.

  • Bürgschaft übernehmen – wann und wie hafte ich wirklich? (selbstschuldnerisch vs. Einrede der Vorausklage)

    • Basti92
    • 17. Juli 2026 um 19:15

    Hallo zusammen, ein Kumpel hat mich gefragt, ob ich für seinen Kredit „bürge“, und bevor ich da irgendwas unterschreibe, will ich verstehen, worauf ich mich einlasse. Was heißt Bürgschaft juristisch eigentlich genau, und ab wann kann die Bank sich an mich halten – sofort oder erst, wenn bei ihm nichts mehr zu holen ist?

    Und ich lese überall „selbstschuldnerisch“ – was ändert das für mich?

  • Widerrufsrecht beim Online-Kauf – ab wann laufen die 14 Tage eigentlich, und wer zahlt die Rücksendung?

    • Basti92
    • 14. Juli 2026 um 18:45

    Anja hat die Paragraphen abgedeckt, ich ergänze zwei Punkte aus der Handelspraxis, die in Klausuren gern als Fallstrick auftauchen:

    Wertersatz. Du darfst die Ware prüfen wie im Ladengeschäft – Schuhe anprobieren, Gerät einschalten, Verpackung öffnen. Gehst du darüber hinaus (drei Wochen getragen, Handy eingerichtet und verkratzt), kann der Händler nach § 357a BGB Wertersatz verlangen und mit der Erstattung verrechnen. Auch das gilt aber nur, wenn er vorher korrekt belehrt hat. Das ist der eigentliche Grund, warum Belehrungen so pedantisch formuliert sind.

    Zurückbehaltung. Der Händler darf die Erstattung nach § 357 Abs. 4 BGB verweigern, bis er die Ware zurückhat oder du einen Versandnachweis vorlegst. Wer den Einlieferungsbeleg fotografiert, kriegt sein Geld also oft schneller.

    Und die Einordnung, die im Alltag am meisten verwirrt: Was viele Ketten als „30 Tage Rückgaberecht“ bewerben, ist freiwillige Kulanz, keine gesetzliche Pflicht – deshalb dürfen sie da auch eigene Regeln aufstellen (nur Gutschein statt Geld, nur ungeöffnet usw.). Das gesetzliche Widerrufsrecht können sie dagegen nicht beschneiden, nur verbessern. 🙂

  • Eigentumsvorbehalt – wem gehört die Ware, bis sie bezahlt ist?

    • Basti92
    • 2. Juli 2026 um 19:10

    Servus, ich komme aus dem Vertrieb und stolpere im Recht-Modul über den Eigentumsvorbehalt. Wir liefern ja ständig Ware „unter Eigentumsvorbehalt“ aus, aber ich hab nie richtig verstanden, was das juristisch bedeutet.

    Wenn der Kunde die Ware schon hat, aber noch nicht bezahlt: Wem gehört sie dann eigentlich? Und was passiert, wenn der Kunde vorher pleitegeht – ist unsere Ware dann weg? Würde mich sowohl praktisch als auch für die Klausur interessieren.

  • Ansoff-Matrix – wie unterscheide ich Marktdurchdringung von Marktentwicklung?

    • Basti92
    • 27. Juni 2026 um 20:15

    Noch ein Hinweis aus der Vertriebspraxis, der gern in Klausuren abgefragt wird: Die Felder sind nach steigendem Risiko geordnet. Marktdurchdringung ist am sichersten (du kennst Produkt und Kunden), Diversifikation am riskantesten (du kennst weder das eine noch das andere richtig). Deshalb fängt man strategisch meist „links oben“ an und geht nur dann ins Risiko, wenn der angestammte Markt ausgereizt ist. 😉

  • Porters Five Forces – wie wende ich das konkret auf eine Branche an?

    • Basti92
    • 21. Juni 2026 um 19:40

    Aus der Praxis noch ein Tipp, der mir bei Hausarbeiten geholfen hat: Schreib zu jeder Kraft zwei, drei konkrete Treiber mit Begründung hin statt nur „hoch/niedrig“. Also nicht „Kundenmacht hoch“, sondern „Kundenmacht hoch, weil Preisvergleich online in Sekunden möglich und Wechselkosten praktisch null“.

    Und denk dran: Die Kräfte können sich verändern (z. B. Digitalisierung senkt Eintrittsbarrieren). Ein kurzer Ausblick „wie entwickelt sich die Kraft?“ macht aus einer Aufzählung eine echte Analyse. 😉

  • Programmbreite vs. Programmtiefe: Definition & Beispiel (Sortiment)

    • Basti92
    • 17. Juni 2026 um 10:10

    Beide Begriffe beschreiben die Struktur des Sortiments (bzw. Produktprogramms) eines Anbieters. Man kann sie sich als zwei Achsen vorstellen: Die Breite geht in die Horizontale, die Tiefe in die Vertikale.

    Programmbreite (Sortimentsbreite): Anzahl der unterschiedlichen Produktlinien bzw. Warengruppen, die nebeneinander gefuehrt werden. Je mehr verschiedene Produktarten ein Unternehmen anbietet, desto breiter ist das Programm.

    Programmtiefe (Sortimentstiefe): Anzahl der Varianten bzw. Artikel innerhalb einer Produktlinie - also Auspraegungen nach Groesse, Farbe, Ausstattung, Modell oder Geschmacksrichtung. Je mehr Alternativen es je Linie gibt, desto tiefer ist das Programm.

    Der Unterschied in einem Satz: Die Breite sagt, wie viele verschiedene Produktlinien es gibt, die Tiefe, wie viele Varianten es je Linie gibt.

    Konkretes Beispiel - ein Schuhhersteller:

    • Breite = die Produktlinien nebeneinander: Sneaker, Stiefel, Sandalen, Laufschuhe.
    • Tiefe = die Varianten innerhalb der Linie "Sneaker": jedes Modell in mehreren Groessen, Farben und Materialien.

    Ein zweites Beispiel: Ein Automobilhersteller mit den Baureihen Kleinwagen, Limousine, SUV und Transporter (= Breite) bietet jede Baureihe in mehreren Motorisierungen, Ausstattungslinien und Lackierungen an (= Tiefe).

    Strategische Bedeutung (Sortimentspolitik): Ein breites Sortiment zielt auf das "Alles-aus-einer-Hand"-Prinzip und spricht viele Bedarfsgruppen an (typisch fuer Warenhaeuser oder Vollsortimenter), bindet aber Kapital und Flaeche. Ein tiefes Sortiment bedient eine Zielgruppe besonders genau und signalisiert Kompetenz/Spezialisierung (typisch fuer Fachgeschaefte). In der Praxis ist es ein Abwaegen zwischen Vielfalt und Auswahl - mehr Breite und Tiefe erhoehen die Auswahl, aber auch Komplexitaet, Lager- und Beschaffungskosten.

  • Produktlebenszyklus – was bedeuten die Phasen fürs Marketing?

    • Basti92
    • 16. Juni 2026 um 11:40

    Sophies Übersicht ist genau das Klausurschema. Zur Praxistauglichkeit – darauf zielt deine zweite Frage 🙂: Das Modell ist ein Denkrahmen, keine Prognose. Probleme in der Praxis:

    • Man erkennt die aktuelle Phase oft erst im Nachhinein (ist die Stagnation nur eine Delle oder echte Sättigung?).
    • Die Kurvenform ist idealtypisch – Moden, Trends oder Flops verlaufen völlig anders.
    • Aktives Marketing (Relaunch) kann den Zyklus bewusst verlängern, die Kurve ist also nicht „schicksalhaft“.

    In der Hausarbeit punktest du, wenn du das Modell nicht nur abnickst, sondern genau diese Grenzen nennst.

  • BCG-Matrix: Wie ordne ich meine Produkte richtig in die vier Felder ein?

    • Basti92
    • 14. Juni 2026 um 07:25

    Aus der Praxis noch eine Warnung, die in mündlichen Prüfungen gern kommt: Die BCG-Matrix schaut nur auf Marktanteil und Wachstum. Sie blendet z. B. Synergien zwischen Produkten, Wettbewerbsintensität oder die Kundenbindung komplett aus. Ein „Poor Dog“ kann strategisch trotzdem wichtig sein, wenn er Kunden ins Sortiment holt. Wenn du am Ende einen Satz zur Kritik am Modell bringst, punktest du fast immer 😉

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