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Leasing oder Kauf in der Investitionsrechnung – wie entscheide ich das in der Aufgabe?

  • SvenjaFinanz
  • 11. Oktober 2026 um 14:16
  • Erledigt
  • SvenjaFinanz
    Finanzen
    Beiträge
    43
    • 11. Oktober 2026 um 14:16
    • #1

    Sitze gerade an einer Aufgabe zur Investitionsentscheidung Leasing vs. Kauf und komme beim Aufbau der Zahlungsreihen durcheinander. Beim Kauf ist es für mich klar: Anschaffungsauszahlung zu Beginn, laufende Einzahlungsüberschüsse, ggf. Restwert am Ende der Nutzungsdauer.

    Bei Leasing bin ich mir aber nicht sicher, was genau in den Kapitalwertvergleich gehört:

    • Zählen die Leasingraten als einzige Auszahlung oder muss ich zusätzlich noch irgendwelche Opportunitätskosten berücksichtigen?
    • Wie geht man mit der Umsatzsteuer um, oder lässt man die in solchen Übungsaufgaben meistens außen vor?
    • Und die Restwertfrage – beim Kauf hat man ja am Ende noch einen Restwert, bei Leasing fällt die Maschine ja an den Leasinggeber zurück. Rechnet man dann beim Kauf den Restwert als Einzahlung in t=n mit rein, und wie vergleicht man das fair, wenn beim Leasing kein Restwert anfällt?

    Hat jemand ein Schema, nach dem ihr sowas aufbaut? Freue mich über Tipps, wie ich die beiden Zahlungsreihen sauber gegenüberstelle, bevor ich die Kapitalwerte ausrechne.

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  • MaxFinance
    Finance
    Beiträge
    60
    • 11. Oktober 2026 um 18:12
    • #2

    Hallo Svenja, das Thema kenne ich gut, auch aus der Praxis. Ein paar Punkte zu deinem Aufbau:

    Die Umsatzsteuer lässt man in Übungsaufgaben fast immer außen vor, da sie bei vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmen ohnehin durchlaufender Posten ist. Außer es steht explizit „inkl. USt“ in der Aufgabe, dann rechnet man natürlich brutto.

    Zum Vergleich: Wichtig ist, dass du beide Alternativen auf die gleiche Nutzungsdauer und denselben Kalkulationszinssatz beziehst. Beim Leasing sind die Leasingraten tatsächlich die zentrale Auszahlungsreihe, meist vorschüssig über die Laufzeit. Opportunitätskosten brauchst du normalerweise nicht extra ansetzen, die stecken ja implizit im Kalkulationszinssatz, mit dem du abzinst.

    Beim Kauf baust du dir die Zahlungsreihe so auf:

    • Anschaffungsauszahlung in t=0
    • laufende Einzahlungsüberschüsse (oder Kosteneinsparungen) über die Nutzungsdauer
    • Restwert als Einzahlung in t=n, sofern er anfällt

    Der Restwert ist tatsächlich der Knackpunkt beim fairen Vergleich: Da beim Leasing kein Restwert anfällt, musst du ihn beim Kauf unbedingt mit abzinsen und als Einzahlung berücksichtigen, sonst bevorzugst du systematisch das Leasing. Manche Aufgaben verlangen auch, dass du beim Leasing zusätzlich eine fiktive Anfangsauszahlung für eine evtl. Leasing-Sonderzahlung einbaust, falls die Aufgabe das vorsieht.

    Mein Merksatz: Erst beide Zahlungsreihen vollständig und auf gleicher Zeitbasis aufstellen, dann erst abzinsen und Kapitalwerte vergleichen. Wer zu früh rechnet, übersieht leicht fehlende Positionen.

  • FabianControl
    Controlling
    Beiträge
    58
    • 11. Oktober 2026 um 21:16
    • #3

    Zum Restwert noch ein Punkt aus der Praxis, der in Klausuren gern übersehen wird: Wenn beim Kauf ein Restwert angesetzt wird, muss der auch realistisch und konsistent sein. Oft wird in Aufgaben ein Schätzwert oder Buchrestwert vorgegeben, manchmal soll man ihn aus linearer Abschreibung selbst ableiten. Achtet darauf, ob der Restwert als Einzahlung brutto oder nach Steuern (falls Steuern in der Aufgabe überhaupt eine Rolle spielen) anzusetzen ist – meistens vereinfacht man das in Übungsaufgaben aber komplett weg und nimmt den Restwert einfach als Zahlungsgröße in t=n.

    Ein typischer Fehler, den ich auch bei Kollegen in internen Schulungen immer wieder sehe: Der Restwert wird vergessen abzuzinsen und einfach als nominaler Betrag in den Vergleich gezogen. Das verzerrt den Kapitalwert, besonders bei langen Laufzeiten.

    Beim Leasing ist die Sache in der Regel einfach: kein Restwert, weil das Objekt zurückgeht. Falls in der Aufgabe aber eine Kaufoption am Laufzeitende mit Restkaufpreis auftaucht, wird es spannender – dann musst du im Grunde zwei Szenarien rechnen oder die Kaufoption als eigene Zahlung integrieren, je nachdem was die Aufgabenstellung verlangt.

    Mein Tipp: Immer eine kleine Tabelle mit Zeitachse bauen, Zeile für Zeile Kauf und Leasing nebeneinander, dann sieht man sofort, wo eine Seite eine Zahlung „mehr“ hat als die andere.

  • NinaZahlen
    Controlling
    Beiträge
    81
    • 11. Oktober 2026 um 22:28
    • #4

    Mega guter Thread schon, da steckt echt viel Richtiges drin! Ich ergänz noch einen Punkt, der in Übungsaufgaben zwar oft weggelassen wird, in der Praxis (und manchmal eben doch in Klausuren mit Steuerbezug) aber den Unterschied macht: die Steuerwirkung.

    Leasingraten sind in voller Höhe sofort als Betriebsausgabe absetzbar und mindern direkt den steuerpflichtigen Gewinn. Beim Kauf dagegen wird die Anschaffung über die Nutzungsdauer abgeschrieben – du hast also nur die jährliche AfA als steuerlich wirksamen Aufwand, nicht die komplette Auszahlung auf einmal. Das heißt: Wenn eure Aufgabe Steuern mit einbezieht, musst du beim Kauf mit dem Steuervorteil aus der AfA rechnen (AfA × Steuersatz als „fiktive“ Einzahlung bzw. Steuerersparnis) und beim Leasing mit dem Steuervorteil aus der vollen Rate.

    Typischer Fehler: Man zinst brav alles ab, vergisst aber, dass Kauf und Leasing unterschiedliche „Steuerschilde“ erzeugen – und wundert sich dann, warum der Kapitalwertvergleich in der Realität anders ausfällt als in der reinen Zahlungsrechnung. Für eure Übungsaufgabe: schaut genau, ob irgendwo „nach Steuern“ oder ein Steuersatz angegeben ist. Steht da nix, würde ich wie Max das brav weglassen und mich auf die reinen Zahlungsströme konzentrieren, nicht dass ihr euch unnötig verzettelt 😉

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