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Skonto ziehen oder das Zahlungsziel voll ausnutzen – wie teuer ist der Lieferantenkredit wirklich?

  • Basti92
  • 27. August 2026 um 17:45
  • Erledigt
  • Basti92
    Marketing
    Beiträge
    25
    • 27. August 2026 um 17:45
    • #1

    Hi,

    im Modul Finanzierung kam die Aufgabe: Ein Lieferant bietet 2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen, sonst 30 Tage netto. Gefragt war, ob man dafür sogar einen Kontokorrentkredit aufnehmen sollte.

    Meine erste Reaktion war: 2 % sind doch Peanuts, dafür nehme ich doch keinen Kredit auf. In der Lösung steht dann irgendwas von über 36 % Jahreszins, und ich verstehe nicht, wo diese Zahl herkommt.

    Außerdem bin ich mir bei der Formel unsicher – in einem Video habe ich gesehen, dass man durch 30 teilt, im Skript stehen 20 Tage. Was stimmt denn nun, und warum? 🤔

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  • MaxFinance
    Finance
    Beiträge
    52
    • 27. August 2026 um 19:30
    • #2

    Die 36 % sind korrekt, und dein Bauchgefühl täuscht dich genau an der Stelle, an der es die meisten täuscht: 2 % sind kein Jahreszins, sondern der Preis für 20 Tage.

    Der Gedanke dahinter: Zahlst du am Tag 10, zahlst du 98 % der Rechnung. Wartest du bis Tag 30, zahlst du 100 %. Du „leihst“ dir also 20 Tage lang die 98 Euro und zahlst dafür 2 Euro Gebühr. Der Zinssatz für diese 20 Tage ist demnach nicht 2 %, sondern 2 / 98 = 2,04 % – bezogen auf den Betrag, den du tatsächlich im Unternehmen behältst.

    Die Formel:

    • Jahreszins (Näherung) = Skontosatz / (100 − Skontosatz) × 360 / (Zahlungsziel − Skontofrist) × 100
    • Eingesetzt: 2 / 98 × 360 / 20 = 0,0204 × 18 = 0,3673 → rund 36,7 % p. a.

    Damit ist auch deine Formelfrage beantwortet: In den Nenner gehört die Differenz der beiden Fristen, nicht das gesamte Zahlungsziel. Also 30 − 10 = 20 Tage. Wer durch 30 teilt, rechnet so, als gäbe es den Skonto nur bei sofortiger Zahlung – dann käme man auf 24,5 % und läge deutlich zu niedrig. Das ist der häufigste Fehler in dieser Aufgabenart und kostet in Klausuren zuverlässig Punkte.

    Wenn ihr es exakt rechnen sollt, also zinseszinsig statt linear, wird es sogar mehr: 1,0204 hoch (360/20) − 1 ≈ 44 % effektiv. In den meisten Skripten reicht die lineare Näherung; schreib in dem Fall einfach dazu, welche Variante du benutzt hast.

    Die Konsequenz ist damit ziemlich eindeutig: Ein Kontokorrentkredit kostet je nach Bonität grob 8 bis 12 % p. a. Wenn du für 10 % Kreditzins einen Lieferantenkredit vermeidest, der 36 % kostet, ist die Kreditaufnahme die günstigere Variante. Genau das ist die Lehrbuchaussage: Der Lieferantenkredit ist die teuerste kurzfristige Finanzierungsform überhaupt – er ist nur deshalb so beliebt, weil er bequem ist und niemand einen Antrag dafür stellen muss.

    Zwei Details noch für die Rechnung: Der Skontoabzug bezieht sich auf den Bruttobetrag der Rechnung, also einschließlich Umsatzsteuer, sofern nichts anderes vereinbart ist. Und gerechnet wird üblicherweise mit dem Zinsjahr zu 360 Tagen; steht in der Aufgabe 365, nimm 365 – das ändert das Ergebnis nur geringfügig.

  • FabianControl
    Controlling
    Beiträge
    48
    • 28. August 2026 um 07:10
    • #3

    Rechnerisch ist alles gesagt, ich ergänze die Praxissicht – daran hängen zwei Fallen, die in der reinen Formel nicht sichtbar sind.

    1. Die Liquidität muss wirklich da sein. Die Aussage „Skonto ziehen lohnt sich fast immer“ gilt nur, wenn du entweder das Geld hast oder eine günstigere Finanzierung bekommst. Der ehrliche Vergleich lautet also nicht „36 % gegen null“, sondern Effektivzins des Skontos gegen Effektivzins deiner Alternativfinanzierung. Wer den Kontokorrent dauerhaft am Limit fährt, um Skonto zu ziehen, tauscht nur ein Problem gegen ein teureres – und die Dauerinanspruchnahme sieht die Bank im Rating.

    2. Skonto ist buchhalterisch kein Ertrag. Beim Einkauf mindert der Skontoabzug die Anschaffungskosten (Anschaffungspreisminderung nach § 255 Abs. 1 HGB), er ist also kein sonstiger betrieblicher Ertrag. Praktisch wird auf ein Nachlasskonto gebucht, und die Vorsteuer ist anteilig zu korrigieren – das folgt aus § 17 UStG, weil sich die Bemessungsgrundlage geändert hat. Genau diese Vorsteuerkorrektur wird in Buchungsaufgaben regelmäßig vergessen.

    Was wir im Controlling dazu messen, ist die Skontoausschöpfungsquote: Anteil der skontierfähigen Rechnungen, bei denen der Skonto tatsächlich gezogen wurde. Fällt diese Quote, ist das ein sehr frühes Warnsignal für Liquiditätsprobleme – deutlich früher sichtbar als in jeder Kennzahl aus dem Jahresabschluss, weil hier jemand aus Geldmangel bewusst auf sicheren Ertrag verzichtet.

    Und zwei Punkte, die im Alltag zählen:

    • Verhandeln lohnt sich in beide Richtungen. Bist du chronisch knapp, ist ein längeres Zahlungsziel oft mehr wert als ein höherer Skontosatz. Umgekehrt kannst du bei guter Liquidität um einen höheren Skonto bitten – für den Lieferanten ist das Forderungsmanagement, für dich eine sehr gut verzinste Geldanlage.
    • Die Frist ist eine echte Frist. Wer nach Ablauf der Skontofrist trotzdem kürzt, zahlt nur teilweise und gerät für den Rest in Verzug. Maßgeblich ist zudem in der Regel der Zahlungseingang beim Lieferanten, nicht dein Überweisungsdatum – bei Zahlungsläufen also zwei Tage Puffer einplanen.

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