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Eigenkapitalkosten und Fremdkapitalkosten – wie berechne ich den WACC richtig?

  • SvenjaFinanz
  • 7. November 2026 um 11:02
  • Unerledigt
  • SvenjaFinanz
    Finanzen
    Beiträge
    45
    • 7. November 2026 um 11:02
    • #1

    Hänge gerade an einer Fallstudie zur Unternehmensbewertung und komme beim WACC nicht ganz klar.

    Mein Verständnis bisher:

    • Eigenkapitalkosten über CAPM ermitteln (risikofreier Zins + Beta x Marktrisikoprämie)
    • Fremdkapitalkosten als Zinssatz, den das Unternehmen am Markt für neues FK zahlen müsste
    • Gewichtung dann EK-Anteil x EK-Kosten + FK-Anteil x FK-Kosten x (1-Steuersatz)

    Mein Problem: In der Aufgabe sind sowohl Bilanzwerte als auch ein Börsenkurs gegeben. Nehme ich für die Gewichtung jetzt die Buchwerte aus der Bilanz oder muss ich zwingend Marktwerte ansetzen? Bei mir würde das je nachdem ein ziemlich unterschiedliches Ergebnis geben, weil der Marktwert des EK deutlich über dem Buchwert liegt.

    Und zur Steuer: Die 15% KSt plus Soli und Gewerbesteuer – rechne ich die komplett zusammen für den Steuervorteil beim FK, oder gibt's da einen "vereinfachten" Satz, den man in solchen Fällen nimmt? Hat jemand eine Faustregel, mit der man in Klausuren/Fallstudien meistens arbeitet?

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  • MaxFinance
    Finance
    Beiträge
    63
    • 7. November 2026 um 14:25
    • #2

    Hallo Svenja, dein Grundgerüst stimmt schon mal. Zur Gewichtung: Theoretisch korrekt sind immer Marktwerte, nicht Buchwerte. Der Grund dafür ist, dass der WACC als Diskontierungssatz für zukünftige Cashflows dient, die ja mit dem aktuellen Marktwert des Unternehmens "verdient" werden müssen – nicht mit historischen Anschaffungskosten oder bilanziellen Buchwerten. Der Buchwert des EK spiegelt oft nur fortgeführte Anschaffungskosten, stille Reserven oder den Firmenwert wider, die am Markt aber durchaus honoriert werden. Deswegen nimmst du für den EK-Anteil den Marktkapitalisierungswert (Aktienkurs x Anzahl Aktien), wenn ein Börsenkurs gegeben ist.

    Beim Fremdkapital ist es in der Praxis oft so, dass der Buchwert als Näherung für den Marktwert verwendet wird, sofern keine Marktdaten (z. B. Kurswert von Anleihen) vorliegen – das wird in vielen Fallstudien auch so akzeptiert, weil sich FK-Buch- und Marktwert meist nicht so stark unterscheiden wie beim EK.

    Zur Steuer: Für den Tax Shield wird üblicherweise der kombinierte Ertragsteuersatz verwendet, also KSt + Soli + Gewerbesteuer zusammengerechnet. In Deutschland rechnet man häufig mit einem pauschalen Gesamtsteuersatz von rund 30 % (manchmal auch 25-33 %, je nach Hebesatz), wenn keine genauen Angaben in der Aufgabe stehen. Schau aber in deiner Fallstudie nach, ob ein konkreter Steuersatz vorgegeben ist – dann nimmst du natürlich den.

  • FabianControl
    Controlling
    Beiträge
    64
    • 7. November 2026 um 16:12
    • #3

    Kann ich so bestätigen, Max hat das sauber erklärt. Von mir noch ein Mini-Beispiel, damit es greifbarer wird:

    Angenommen Marktwert EK = 800, Marktwert FK = 200, macht Gesamtkapital 1.000. EK-Kostensatz laut CAPM 9 %, FK-Zins 4 %, Gesamtsteuersatz 30 %.

    • EK-Anteil: 800/1.000 = 0,8 x 9 % = 7,2 %
    • FK-Anteil: 200/1.000 = 0,2 x 4 % x (1-0,3) = 0,2 x 2,8 % = 0,56 %
    • WACC = 7,2 % + 0,56 % = 7,76 %

    Der Tax Shield steckt in dem (1-s), weil Fremdkapitalzinsen steuerlich absetzbar sind und damit die effektiven FK-Kosten senken. Deswegen wird FK immer "billiger" gerechnet als der nominale Zinssatz.

    Typischer Fehler, den ich bei Klausuren öfter sehe: Leute vergessen den Steuereffekt komplett und multiplizieren einfach FK-Anteil x FK-Zins ohne (1-s). Oder sie wenden den Steuerfaktor versehentlich auch auf die EK-Seite an – das ist falsch, EK-Kosten bleiben brutto, weil Dividenden nicht steuerlich abzugsfähig sind.

    Als Merksatz: Marktwerte für die Gewichtung, Tax Shield nur beim FK, fertig ist der WACC.

  • AndiSteuer
    Steuern · ReWe
    Beiträge
    83
    • 7. November 2026 um 17:15
    • #4

    Moin zusammen, top erklärt von Max und Fabian, da gibt's fachlich nichts zu meckern. Ich ergänz noch kurz, wie man an den FK-Zinssatz rankommt, wenn in der Fallstudie kein expliziter Marktzins gegeben ist – das ist ja in der Praxis eigentlich der Normalfall.

    Üblicher Weg: Du nimmst aus der GuV den Posten „Zinsen und ähnliche Aufwendungen" und teilst ihn durch das verzinsliche Fremdkapital aus der Bilanz (meist Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten, ggf. Anleihen). Also:

    • Effektiver FK-Zins = Zinsaufwand / verzinsliches FK (am besten Durchschnitt aus Anfangs- und Endbestand nehmen, nicht nur Stichtag)

    Wichtig dabei: Nicht das gesamte Fremdkapital aus der Bilanz nehmen, sondern nur das zinstragende! Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen oder Rückstellungen verursachen ja normalerweise keinen expliziten Zinsaufwand und würden den Satz künstlich verwässern, wenn man sie reinrechnet.

    Kleiner Praxistipp noch: Wenn das Unternehmen in den letzten Jahren Kredite umgeschuldet hat oder die Zinslandschaft sich stark verändert hat, ist der historische effektive Zins aus der GuV manchmal nicht mehr repräsentativ für "neues" FK. Dann wäre ein aktueller Marktzins (z. B. vergleichbare Anleiherendite oder Bankkonditionen) eigentlich sauberer – aber in Klausuren wird meist der GuV-Ansatz erwartet, weil er aus den gegebenen Daten ableitbar ist. 😉

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