Hi Sara, das ist einer der Klassiker, bei dem viele durcheinanderkommen, weil beide Methoden irgendwie auf das gleiche Ergebnis beim Erfolgskonto hinauslaufen, aber bilanziell eben nicht gleich sind.
Der Kernunterschied liegt tatsächlich in der Bilanzwirkung, nicht im Aufwand an sich:
- Einzelwertberichtigung (indirekt): Die Forderung selbst bleibt brutto in der Bilanz stehen, du bildest nur ein Wertberichtigungskonto (passivisches Korrekturkonto) gegen "Sonstige betriebliche Aufwendungen". Das nutzt man, wenn die Forderung zweifelhaft ist, also noch Restunsicherheit besteht, ob und in welcher Höhe sie ausfällt. Buchungssatz z. B.: Sonstige betriebliche Aufwendungen an EWB.
- Direkte Abschreibung: Hier ist der Ausfall endgültig und der Höhe nach feststehend (Insolvenz, Forderung real uneinbringlich). Dann buchst du die Forderung komplett aus der Bilanz raus: Forderungsverluste (netto) und Umsatzsteuer (du musst die USt ja korrigieren, da keine Leistung mehr "bezahlt" wird) an Forderungen aus L+L (brutto).
In deinem Fall mit "endgültigem Ausfall durch Insolvenz" reicht die direkte Methode, sofern vorher keine EWB gebildet wurde. War schon eine EWB gebildet, musst du erst die EWB auflösen und den Rest direkt abschreiben, sonst hast du den Aufwand doppelt oder die Bilanz stimmt nicht mehr.
Zum Steuerrecht: Grundsätzlich gilt das Gleiche, aber das Finanzamt schaut bei der direkten Abschreibung schon genau hin, ob der Ausfall wirklich zweifelsfrei und nachweisbar ist (z. B. Insolvenztabelle, Quote). Reine Zahlungsschwierigkeiten reichen meist nicht für die direkte Methode.