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Maßnahmen der Europ. Zentralbank - Wirkungen

  • palmus
  • 7. Oktober 2005 um 13:39
  • Erledigt
  • palmus
    Neuer Benutzer
    Beiträge
    17
    • 7. Oktober 2005 um 13:39
    • #1

    Hallo,

    hinsichtliche der Europäischen Zentralbank findet man so viel geschrieben. Aber je mehr ich gelesen habe, desto verwirrter bin ich.

    Folgende Aufgabenstellung habe ich zu bewältigen:

    Die Europäische Zentralbank beschließt eine Erhöhung der Leitzinsen und setzt den Zinssatz für Wertpapierpensionsgeschäfte um 0,5% nach oben.

    In welcher Situation wird die Zentralbank diese Maßnahme ergreifen und welche Wirkung erwartet sie? (Wirkungszusammenhang zwischen Ziel und Maßnahme ausführlich)

    --> minderung der Preisanstiege, senkung der Inflation durch Reduzierung der Geldmenge..........

    Geben Sie an, welchem Ziel eine Erhöhung bzw. eine Senkung der Leitzinsen durch die EZB jeweils dient. Begründen Sie, warum eine Erhöhung des Leitzinses sicherer zum Erfolg führt als eine Senkung.

    --> Zielverfolgung "Preisstabilität"......

    Erklären Sie, wie sich eine Erhöhung der Mindestreservesätze auf die Rentabilität der Geschäftsbanken auswirken kann.


    Vielleicht kann mir jemand mit einfachen Worten Klarheit schaffen. Die sonstigen Texte aus dem Netz bringen mich nur noch mehr durcheinander!

    Dank an alle.
    Palmus

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  • Oeconomicus
    Erfahrener Benutzer
    Beiträge
    187
    • 7. Oktober 2005 um 14:29
    • #2
    Zitat

    Original von palmus
    Hallo,

    hinsichtliche der Europäischen Zentralbank findet man so viel geschrieben. Aber je mehr ich gelesen habe, desto verwirrter bin ich.

    Folgende Aufgabenstellung habe ich zu bewältigen:

    Die Europäische Zentralbank beschließt eine Erhöhung der Leitzinsen und setzt den Zinssatz für Wertpapierpensionsgeschäfte um 0,5% nach oben.

    In welcher Situation wird die Zentralbank diese Maßnahme ergreifen ....

    Es ist eigentlich immer eine Kombination aus vielen Faktoren:

    • Deutliche Überschreitung des EZB Zielkorridors (knapp unter 2 Prozentpunkte) für Inflation
    • Bei bestehender Gefahr der wirtschaftlichen Überhitzung (Beispiel: Immobilienblase in USA)
    • Zu starkes Geldmengenwachstum (nicht gleichbedeutend mit Inflation), da langfristiger Zusammenhang zwischen Geldmengenwachstum und Inflation
    • Wechselkurspolitik
    • ....
    Zitat

    Original von palmus
    und welche Wirkung erwartet sie? (Wirkungszusammenhang zwischen Ziel und Maßnahme ausführlich)

    Ziel: Preisniveaustabilität;

    Maßnahme: Entziehung von Liquidität (Geldmenge) des Bankensystems und somit konkludent des nicht-intermediären Sektors

    Langfristiger Zusammenhang: Quantitätsgleichung;
    Kurzfristiger Zusammenhang: auch nicht monetäre Elemente, daher bspw. P-Stern-Ansatz

    Zitat

    Original von palmus
    Geben Sie an, welchem Ziel eine Erhöhung bzw. eine Senkung der Leitzinsen durch die EZB jeweils dient. Begründen Sie, warum eine Erhöhung des Leitzinses sicherer zum Erfolg führt als eine Senkung.

    Hauptziel: Preisniveaustabilität

    Nebenziele wenn Hauptziel nicht gefährdet:

    • Wachstum
    • Beschäftigung
    Zitat

    Original von palmus
    Erklären Sie, wie sich eine Erhöhung der Mindestreservesätze auf die Rentabilität der Geschäftsbanken auswirken kann.

    Je höher der Mindestreservesatz, desto weniger Geld können die Geschäftsbanken (auch unter Berücksichtigung des Multiplikationseffektes) verleihen. Je weniger Geld verliehen wird, desto geringer ist die Zinssumme, die sie daran verdienen. Wobei bei der Zinssumme auch der Kompensationseffekt von steigenden Zinsen durch die Verknappung der Geldmenge berücksichtigt werden muss.

    Hoffe ich konnte dir mit ein paar Anregungen helfen,
    Christian

    Zitat von John Maynard Keynes:

    "Solange die Nationalökonomen leben, nimmt niemand von ihnen Notiz, und wenn sie tot sind, richten sie großen Schaden an." :D

  • palmus
    Neuer Benutzer
    Beiträge
    17
    • 7. Oktober 2005 um 16:24
    • #3

    Hi Christian,

    vielen herzlichen Dank für die schnelle Antwort.

    Kannst Du mir aber vielleicht doch noch erklären, warum eine Erhöhung des Leitzinses sicherer zum Erfolg führt als eine Senkung?

    Will mir nicht so ganz einleuchten.

    Gruss, Dank u. ein schönes Wochenende

    Palmus

  • Oeconomicus
    Erfahrener Benutzer
    Beiträge
    187
    • 7. Oktober 2005 um 17:54
    • #4

    Da bin ich ganz ehrlich ein wenig überfragt, da mir so eine generelle Aussage darüber noch nie untergekommen ist. Die Wirksamkeit von Zinsänderungen hängt entscheidet von ihrem Niveau ab, deswegen kann ich die obige Aussage so nicht unterstreichen. Denn je nach Niveau ist die Zinselastizität der Geldnachfrage anders.

    Falls du irgendwann einmal die Antwort auf diese Frage bekommst wäre es nett im Gegenzug die korrekte Antwort hier im Thread einmal kurz wiederzugeben.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Christian

    Zitat von John Maynard Keynes:

    "Solange die Nationalökonomen leben, nimmt niemand von ihnen Notiz, und wenn sie tot sind, richten sie großen Schaden an." :D

  • Naddl5484
    Anfänger
    Beiträge
    29
    • 19. Oktober 2008 um 15:22
    • #5

    Hallo,
    weiß nicht ob du mittlerweile eine antwort hast, aber ich würde die Sache so sehen:

    Das oberste Ziel ist immer die Stabilität des Geldwertes. Um das Preisniveau stabil zu halten bedient sich die EZB Instruments der Zinspolitik, das heißt der Erhöhung oder Senkung des Leitzins.
    Die Erhöhung der Leitzinsen soll dabei einer Inflation entgegen wirken. Eine
    Senkung soll eine Deflation bekämpfen.
    Dabei verfolgt die Erhöhung das Ziel die Nachfrage zu drosseln. Wenn mehr Geld für Zinsen aufgewendet werden muss, dann steht weniger Geld zur Verfügung um die Nachfrage zu befriedigen. Also geht die Nachfrage zurück.
    Wird weniger Geld für Zinsen aufgewendet und steht dem Unternehmen oder privaten Haushalten zur Verfügung heißt dies aber nicht zwangsläufig, dass dieses Geld für mehr Investitionen oder höheren Konsum verwendet wird. Die Nachfrage wird demnach nicht automatisch erhöht und somit die Preisniveausenkung gemindert bzw. gestoppt.
    Zudem ist eine Zinssenkung nur so lang möglich bis sie nahezu null ist. Anders als bei einer Zinserhöhung, die theoretisch beliebig weit nach oben getrieben werden könnte. Daraus folgt, dass der Erfolg einer Erhöhung sicherer ist als der einer Zinssenkung.

    Hab aber noch keine Ahnung ob dies als Antwort ausreicht.
    Naddl5484

  • Christina87
    Benutzer
    Beiträge
    48
    • 19. April 2009 um 22:26
    • #6

    hallo :)
    hat jemand evtl. die Musterlösung dieser Aufgabe (1c)?

    Ich würde es gern vorher mit meiner Lösung abgleichen und wäre dankbar wenn mir die jemand schicken könnte oder hier rein stellen könnte. (chrissy_albert@web.de)

  • crozz-fire
    Anfänger
    Beiträge
    5
    • 10. Juli 2009 um 23:30
    • #7

    Ein wichtiger Effekt wurde von euch übersehen:

    Alle Preisänderungen, also auch eine Zinsänderung (Zins = der "Preis" von Geld) haben einen Einkommens- und einen Substitutionseffekt.

    Was hier schon beschrieben wurde, war der Einkommenseffekt. Also, wenn ich höhere Zinsen zahlen muss, habe ich weniger Geld, zum konsumieren und investieren.

    Ein anderer Effekt ist aber noch viel wichtiger. Höhere Zinsen führen direkt zu niedrigeren Investitionen. Einfach weil es plötzlich viel weniger Projekte gibt, die sich rechnen (Erwartete Return on Invested Capital > Kapitalkosten).

    Hier bin ich mir nicht so sicher:
    1. Genauso gibt es viele Konsumausgaben, die auf Kredit vorgenommen werden (zumindest in den USA). Die werden bei höheren Zinsen auch heruntergefahren.
    2. Da man in einer offenen Ökonomie ist, gehen die Investitionen und Konsum runter, die Exporte, Kapitalexporte und Ersparnisse (die im Ausland angelegt werden) hoch.


    Zu steigende versus sinkende Zinsen:
    Problem der Unwirksamkeit von Zinssenkungen:
    1. Die Wirtschaftsbelebung sollte in diesem Fall insbesondere über höhere Investitionen erfolgen.
    2. Die Investitionshöhe bestimmt sich nun aus den Kapitalkosten (siehe oben) aber auch aus den Zukunftserwartungen.
    3. Die Zinsen können nicht unter 0% fallen.
    4. Wenn die Zukunftserwartungen nun extrem schlecht sind (z.B. jetzt) kann es sein, das Investoren selbst bei Zinsen von 0% nicht investieren. Da die Zentralbank die Zinsen nicht weiter senken kann, ist Schicht im Schacht
    Was ich oben beschrieben habe entspricht der "Investitionsfalle" von Keynes.
    Verwandte Erklärung: Liquiditätsfalle ? Wikipedia (Theorie ist ebenfalls von Keynes)

    Ausserdem: Spükulanten fangen bei extrem niedrigen Zinsen im Inland und hohen Zinsen im Ausland mit Dingen wie Carry Trades an (Beispiel: Yen-Carry Trades)

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