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Beiträge von DerSteuermann

  • Firmenwagen privat nutzen – 1%-Regelung oder Fahrtenbuch, was lohnt sich?

    • DerSteuermann
    • 25. Oktober 2026 um 22:17

    Guter Punkt von Andi mit der AfA-Berechnung. Eine Sache möchte ich noch ergänzen, weil die in Klausuren und auch in der Praxis gerne für Verwirrung sorgt: Bei geleasten Fahrzeugen wird für die 1%-Regelung trotzdem der Bruttolistenpreis des Neuwagens zum Zeitpunkt der Erstzulassung angesetzt – nicht die tatsächliche Leasingrate und auch nicht ein eventuell ausgehandelter Rabatt.

    Das führt in der Praxis oft zu bösen Überraschungen bei Mandanten, die ihr Fahrzeug günstig geleast haben (z. B. über Rabattaktionen oder Flottenkonditionen) und dann trotzdem den vollen Listenpreis für die 1%-Regelung versteuern müssen. Der geldwerte Vorteil hat also nichts mit dem tatsächlichen finanziellen Aufwand für den Arbeitgeber zu tun.

    Für die Fahrtenbuch-Variante dagegen zählen bei Leasing die tatsächlichen Leasingraten als laufende Kosten (anstelle der AfA), dazu kommen wie gehabt Sprit, Versicherung etc. Gerade bei günstig geleasten, aber teuren Fahrzeugen (hoher Listenpreis, niedrige Rate) kann das Fahrtenbuch also noch attraktiver werden, weil der Unterschied zwischen "fiktivem" Listenpreis und realen Kosten besonders groß ausfällt.

    Merksatz für die Klausur: Bruttolistenpreis ist bei der 1%-Regelung immer der Maßstab, egal ob gekauft, finanziert oder geleast – nur bei der Fahrtenbuchmethode spielt die tatsächliche Zahlungsart eine Rolle.

  • Firmenwagen privat nutzen – 1%-Regelung oder Fahrtenbuch, was lohnt sich?

    • DerSteuermann
    • 22. Oktober 2026 um 16:06

    Hallo Anja, eine echte feste Faustregel gibt es offiziell nicht, aber aus der Praxis kann ich dir sagen: Entscheidend ist nicht der Privatanteil allein, sondern das Verhältnis von Bruttolistenpreis zur jährlichen Gesamtfahrleistung bzw. zu den tatsächlichen Fahrzeugkosten.

    Grob gilt: Je teurer das Auto (hoher Listenpreis) und je weniger Kilometer insgesamt gefahren werden, desto eher lohnt sich das Fahrtenbuch. Der Grund: Die 1%-Regelung bemisst sich am Listenpreis unabhängig von der Fahrleistung – bei einem teuren Fahrzeug mit wenig Kilometern im Jahr "verpufft" ein großer Teil der tatsächlichen Kosten auf wenige Kilometer, während die 1%-Regelung trotzdem den vollen Betrag ansetzt.

    Als sehr groben Richtwert aus der Beraterpraxis hört man oft: Bei einer jährlichen Fahrleistung unter ca. 15.000 km und gleichzeitig hohem Listenpreis lohnt sich das Fahrtenbuch häufiger. Bei viel gefahrenen Kilometern (über 25.000-30.000 km) und niedrigerem Listenpreis ist die 1%-Regelung oft günstiger, weil die tatsächlichen Kosten pro Kilometer dann niedriger sind und sich relativ gleichmäßig auf privat/dienstlich verteilen.

    Für die Einsendeaufgabe würde ich dir empfehlen:

    • Gesamtkosten des Fahrzeugs pro Jahr ermitteln (AfA, Versicherung, Sprit, Wartung)
    • Durch Gesamtkilometer teilen, um Kosten pro km zu bekommen
    • Mit den privaten km multiplizieren
    • Das Ergebnis mit dem geldwerten Vorteil nach 1%-Regelung vergleichen

    Typischer Fehler übrigens: Viele vergessen, dass das Fahrtenbuch lückenlos und zeitnah geführt werden muss – fehlt da was, verwirft das Finanzamt es komplett und setzt automatisch die 1%-Regelung an. Das kostet dann richtig Nerven, aus eigener Erfahrung mit Mandanten.

  • Soll- und Haben-Buchungen bei Privatentnahmen – wie verbuche ich das richtig?

    • DerSteuermann
    • 18. Oktober 2026 um 22:32

    Ole, Janina und Andi haben das schon richtig auf den Punkt gebracht. Ich erg��nze noch was aus der Praxis, weil Privatentnahmen nicht immer nur Bargeld sind – das wird in Klausuren gern übersehen.

    Es gibt nämlich drei Arten von Entnahmen:

    • Bargeldentnahme – euer Beispiel, einfach Privat an Kasse.
    • Sachentnahme – der Chef nimmt sich Ware aus dem Lager für private Zwecke, z. B. ein Elektronikhändler nimmt sich einen Laptop mit nach Hause. Hier bucht man nicht nur zum Einkaufspreis, sondern bei umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen muss zusätzlich Umsatzsteuer berücksichtigt werden (§ 3 Abs. 1b UStG – unentgeltliche Wertabgabe). Buchungssatz dann z. B.: Privat an Wareneinsatz/Bestand und Privat an Umsatzsteuer.
    • Nutzungsentnahme – klassisch die private Nutzung des Firmenwagens, die man über die 1%-Regelung oder Fahrtenbuch bewertet und ebenfalls über Privat bucht.

    Kleines Rechenbeispiel zur Sachentnahme: Wareneinstandspreis 200 €, Umsatzsteuer 19% = 38 €. Buchungssatz: Privat 238 € an Wareneinsatz 200 € und an Umsatzsteuer 38 €. So wird sichergestellt, dass der Staat seine Umsatzsteuer bekommt, auch wenn die Ware nie "verkauft" wurde.

    Merksatz aus meiner Ausbildung: Jede Entnahme, die eigentlich umsatzsteuerpflichtig wäre, wenn sie verkauft würde, löst beim privaten Gebrauch ebenfalls Umsatzsteuer aus. Das wird in Klausuren gerne vergessen, weil man nur an die reine EK-Minderung denkt.

  • Innergemeinschaftlicher Erwerb – wie läuft das mit der Umsatzsteuer beim EU-Einkauf?

    • DerSteuermann
    • 7. Oktober 2026 um 14:50

    Hallo Anja, dein Grundverständnis passt schon ziemlich gut. Zur Klarstellung aber: innergemeinschaftlicher Erwerb (§ 1a UStG) ist kein Reverse-Charge im klassischen Sinne (das wäre § 13b UStG), sondern ein eigener steuerbarer Tatbestand. Trotzdem funktioniert es wirtschaftlich ähnlich – du schuldest die Steuer selbst, statt dass der Lieferant sie ausweist.

    Zu deinen Fragen:

    • In der UStVA gibt es eigene Kennzahlen für den ig. Erwerb: Kz 89 (Bemessungsgrundlage) und Kz 61 (Erwerbsteuer). Der Vorsteuerabzug aus dem ig. Erwerb läuft dann über Kz 61 selbst als Vorsteuer, also separat in der entsprechenden Zeile für abziehbare Vorsteuer aus ig. Erwerb (nicht einfach wie eine normale Inlandsrechnung verbuchen).
    • Ja, bist du voll vorsteuerabzugsberechtigt, setzt du die Erwerbsteuer an und ziehst sie im selben Voranmeldungszeitraum als Vorsteuer wieder ab – Zahllast daraus ist dann null, aber die Beträge müssen trotzdem in der UStVA auftauchen, das wird gerne vergessen.
    • Als Kleinunternehmer nach § 19 UStG entfällt zwar die USt auf deine eigenen Umsätze, aber die Erwerbsteuer beim ig. Erwerb kann trotzdem anfallen, wenn du die Erwerbsschwelle (12.500 € im Kalenderjahr) überschreitest oder freiwillig auf ihre Anwendung verzichtet hast (z. B. weil du eine USt-IdNr. verwendet hast – das ist faktisch ein Verzicht). Dann fällt Erwerbsteuer an, ohne dass du sie als Vorsteuer abziehen kannst – echte Belastung.

    Buchhalterisch: Erwerbsteuer und Vorsteuer aus ig. Erwerb sauber auf getrennten Konten erfassen, sonst sieht der Betriebsprüfer später nicht, dass beides ordnungsgemäß erklärt wurde.

  • Umsatzsteuer-Voranmeldung monatlich oder quartalsweise – wer entscheidet das eigentlich?

    • DerSteuermann
    • 5. Oktober 2026 um 19:45

    Hallo Anja, das ist tatsächlich sauber im UStG geregelt, konkret in § 18 Abs. 2 UStG. Maßgeblich ist die Umsatzsteuerzahllast des Vorjahres:

    • Lag die Zahllast über 7.500 Euro, muss monatlich gemeldet werden.
    • Lag sie darunter, reicht quartalsweise (also vierteljährlich).
    • Bei einer Zahllast bis 1.000 Euro kann das Finanzamt sogar ganz von der Voranmeldungspflicht befreien, man meldet dann nur noch die Jahreserklärung.

    Das Finanzamt hat hier also keinen echten Ermessensspielraum nach oben oder unten, die Grenzen sind gesetzlich fix. Freiwillig öfter melden geht aber durchaus, manche Unternehmen machen das zur besseren Liquiditätsübersicht, da spricht nichts dagegen.

    Zum Sonderfall Existenzgründung: Hier gibt es tatsächlich eine Besonderheit nach § 18 Abs. 2 Satz 4 UStG. Im Jahr der Gründung und im Folgejahr ist man grundsätzlich zur monatlichen Abgabe verpflichtet, unabhängig von der Höhe der tatsächlichen Zahllast. Das hat der Gesetzgeber eingeführt, um Missbrauch bei Betrugsmodellen frühzeitig zu erkennen. Diese Regelung galt bis 2020, wurde dann zwischenzeitlich ausgesetzt, ist aber inzwischen wieder in Kraft, das solltet ihr für die Klausur im Hinterkopf haben, falls das Jahr der Fallstudie relevant ist.

    Merksatz aus der Praxis: Vorjahreszahllast entscheidet, Gründungsjahre sind die Ausnahme.

  • Kleinunternehmerregelung – lohnt sich der Verzicht auf die Umsatzsteuerbefreiung?

    • DerSteuermann
    • 2. Oktober 2026 um 22:02

    Hallo Anja, deine Einschätzung ist schon ziemlich gut. Zur Bindungsfrist: Die fünf Jahre beziehen sich auf die Verzichtserklärung nach § 19 Abs. 2 UStG selbst, nicht auf deinen Umsatz. Das heißt, egal ob du in dieser Zeit unter oder über der Kleinunternehmergrenze bleibst – du bist als Unternehmerin fünf Jahre lang zur Regelbesteuerung verpflichtet und musst Umsatzsteuer ausweisen und abführen, ganz unabhängig davon, wie sich dein Umsatz entwickelt. Erst nach Ablauf der Frist kannst du zur Kleinunternehmerregelung zurückwechseln, musst das dann aber aktiv erklären.

    Stellst du das Freelancing in der Zeit ein, läuft die Bindung trotzdem weiter – praktisch hat das dann aber kaum noch Auswirkungen, da ja keine Umsätze mehr anfallen.

    Das Hauptargument für den Verzicht ist tatsächlich der Vorsteuerabzug: Gerade am Anfang, wenn Investitionen wie Laptop, Software, eventuell auch Büroausstattung anfallen, kannst du dir die darin enthaltene Umsatzsteuer vom Finanzamt zurückholen. Das lohnt sich besonders, wenn du überwiegend an vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen fakturierst, weil die die ausgewiesene USt ohnehin als Vorsteuer geltend machen und für sie dein Angebot dadurch nicht teurer wird.

    Ich würde dir raten, mal eine Beispielrechnung für die ersten zwei, drei Jahre mit deinem Steuerberater durchzugehen – inklusive der laufenden Mehrarbeit durch Umsatzsteuervoranmeldungen, die ja auch dazukommt.

  • Trainer im Fußballverein: Sind die 200 € im Monat steuerfrei – und was passiert, wenn ich noch eine zweite Mannschaft übernehme?

    • DerSteuermann
    • 26. September 2026 um 15:55

    Moin Felix, dein Kassenwart hat im Grunde recht, aber es gibt eine Obergrenze. Die Regel steht in § 3 Nr. 26 EStG, der sogenannte Übungsleiterfreibetrag. Seit 2026 sind das 3.300 € im Jahr (bis 2025 waren es 3.000 €). Das entspricht 275 € im Monat.

    Steuerfrei ist das aber nur, wenn drei Voraussetzungen zusammenkommen:

    • Begünstigte Tätigkeit: Übungsleiter, Trainer, Ausbilder, Betreuer und Ähnliches, also eine pädagogisch ausgerichtete Tätigkeit. Trainer einer Jugendmannschaft ist der klassische Fall.
    • Begünstigter Auftraggeber: ein gemeinnütziger Verein oder eine öffentliche Einrichtung. Beim Sportverein ist das normalerweise erfüllt.
    • Nebenberuflich: Die Tätigkeit darf zeitlich höchstens etwa ein Drittel einer Vollzeitstelle ausmachen. Das geht auch als Student ohne Hauptjob, es kommt nur auf den Umfang an. Mit zwei Mannschaften bist du da noch weit weg.

    Für dich heißt das: Die 200 € waren komplett gedeckt. Bei 450 € sind 275 € steuerfrei, die übrigen 175 € nicht mehr. Was mit diesem Rest passiert, hängt davon ab, wie der Verein dich beschäftigt. Meistens läuft das als Minijob, dazu kann Meike aus der HR-Ecke sicher mehr sagen.

    Zwei Punkte, die oft übersehen werden: Der Freibetrag gilt pro Person und Jahr, nicht pro Verein. Wenn du noch woanders als Übungsleiter etwas bekommst, teilen sich beide Tätigkeiten die 3.300 €. Deshalb will der Verein auch die schriftliche Erklärung von dir, dass du den Freibetrag nicht schon anderweitig nutzt. Und falls du Ausgaben hast (Fahrten zu Auswärtsspielen, Trainerlizenz), wirken die steuerlich erst, wenn sie höher sind als die steuerfreien Einnahmen. Bei 275 € im Monat lohnt sich das Belegesammeln meistens nicht.

  • Doppelte Haushaltsführung: unter der Woche Frankfurt, Familie in Karlsruhe – was kann ich absetzen?

    • DerSteuermann
    • 24. September 2026 um 18:35

    Dein Kollege hat recht, das ist einer der wenigen Posten, bei denen wirklich vierstellige Beträge zusammenkommen. Rechtsgrundlage ist § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG. Zuerst die beiden Voraussetzungen, die das Finanzamt prüft:

    • Eigener Hausstand am Lebensmittelpunkt: eine Wohnung, die du aus eigenem Recht nutzt, und an deren Kosten der Lebensführung du dich mit mehr als 10 Prozent beteiligst. Bei dir mit Familie und gemeinsamer Miete unproblematisch. Bei Ledigen, die ein Zimmer im Elternhaus behalten, ist genau das die Stolperstelle.
    • Zweitwohnung am Ort der ersten Tätigkeitsstätte, und der Lebensmittelpunkt darf nicht dort liegen. Bei dir ebenfalls klar – Lebensmittelpunkt ist Karlsruhe, das belegst du über Familie, Meldung und die Heimfahrten.

    Absetzbar ist dann:

    • Unterkunftskosten der Zweitwohnung: tatsächliche Kosten, höchstens 1.000 Euro pro Monat. In diese Grenze fallen Miete, Nebenkosten, Stellplatz, Rundfunkbeitrag und eine etwaige Zweitwohnungsteuer. Einrichtung und Hausrat zählen nach der Rechtsprechung des BFH nicht in die 1.000 Euro, die kommen zusätzlich obendrauf – Bett, Schreibtisch, Küche also unbedingt belegen und getrennt aufschreiben.
    • Eine Familienheimfahrt pro Woche mit der Entfernungspauschale, also einfache Entfernung, aktuell 0,30 Euro für die ersten 20 Kilometer und 0,38 Euro ab dem 21. Kilometer (die Werte wurden in den letzten Jahren mehrfach geändert – im Zweifel den Wert des jeweiligen Veranlagungsjahres nehmen). Nicht pro gefahrenem Kilometer und nicht hin und zurück: das ist der häufigste Fehler.
    • Verpflegungspauschalen für die ersten drei Monate nach Bezug der Zweitwohnung: 28 Euro pro vollem Tag, 14 Euro am An- und Abreisetag. Danach ist Schluss, das ist keine Dauerposition.
    • Umzugskosten für den Bezug und später die Aufgabe der Zweitwohnung.

    Karlsruhe–Frankfurt sind rund 130 Kilometer, das sind pro Heimfahrt etwa 48 Euro und bei gut 40 Wochen rund 2.000 Euro allein an Fahrten, dazu die Apartmentmiete. Wichtig noch: Fährst du öfter heim, sind die zusätzlichen Fahrten nicht extra absetzbar. Du hast dann nur das Wahlrecht, stattdessen für alle Fahrten die Entfernungspauschale anzusetzen, dafür aber ohne Unterkunftskosten. Rechne beide Varianten einmal durch – das Finanzamt nimmt nicht von selbst die günstigere.

  • Umzug für den ersten Job nach dem Bachelor – kann ich die Kosten absetzen? Und den Umzug zum Studienbeginn damals auch?

    • DerSteuermann
    • 19. September 2026 um 07:10

    Andi hat Frage 1 komplett beantwortet, ich nehme mir Frage 2 vor, und da muss ich deinen Kumpel leider bremsen.

    Der Umzug zum Erststudium direkt nach der Schule gehört zu den Kosten der Erstausbildung. Die sind nach § 9 Abs. 6 EStG keine Werbungskosten, sondern nur Sonderausgaben (§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG, bis 6.000 € pro Jahr). Und Sonderausgaben haben einen entscheidenden Haken:

    • Sie wirken nur im selben Jahr gegen dein Einkommen.
    • Es gibt keinen Verlustvortrag in spätere Jahre.

    Mit einem Minijob hattest du 2022 praktisch kein zu versteuerndes Einkommen, also verpufft der Abzug. Da bringt eine nachträgliche Erklärung für 2022 nichts, auch wenn die Frist dafür formal noch läuft.

    Ganz anders wäre es übrigens bei einem Master oder einem Studium nach abgeschlossener Berufsausbildung: Das ist dann keine Erstausbildung mehr, die Kosten sind Werbungskosten und können einen vortragsfähigen Verlust erzeugen. Falls du also irgendwann berufsbegleitend einen Master machst: von Anfang an Belege sammeln und Erklärungen abgeben. 😉

    Kleiner Bonus für private Umzüge ohne beruflichen Anlass: Da kann man den Arbeitsanteil der Umzugsfirma als haushaltsnahe Dienstleistung (§ 35a EStG, 20 % direkt von der Steuer) ansetzen. Für deinen Jobumzug brauchst du das nicht, da sind Werbungskosten besser.

  • GmbH oder Einzelunternehmen – stimmt es, dass man bei der GmbH zweimal Steuern zahlt?

    • DerSteuermann
    • 16. September 2026 um 20:15

    Andreas hat die Systematik komplett erklärt, ich schreibe dir die Praxisantwort für deinen Fall: Bei 8.000 bis 12.000 € Gewinn nebenberuflich ist die GmbH fast sicher die falsche Wahl. Wir sehen jedes Jahr mehrere Gründer, die sich aus Steuergründen eine GmbH andrehen lassen und sie nach zwei Jahren wieder loswerden wollen – was teurer ist als die Gründung.

    Was die GmbH real kostet, unabhängig vom Gewinn:

    • Notar und Handelsregister bei der Gründung, Stammkapital 25.000 € (mindestens die Hälfte, also 12.500 €, muss eingezahlt sein).
    • Bilanzierungspflicht – keine einfache Einnahmenüberschussrechnung mehr, sondern doppelte Buchführung, Inventur, Jahresabschluss. Das ist der größte Posten: Die laufenden Steuerberaterkosten sind in der Regel ein Vielfaches dessen, was eine EÜR kostet.
    • Offenlegung der Zahlen – jeder Wettbewerber und jeder Kunde kann hineinschauen.
    • Mehr Erklärungen: Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer, Bilanz – plus deine private Einkommensteuer obendrauf.

    Der Punkt, der in der Anlaufphase am meisten Geld wert ist: Wenn du im ersten Jahr Verluste machst (und das ist bei einer Gründung normal), kannst du die als Einzelunternehmer mit deinem Arbeitslohn aus dem Hauptjob verrechnen – du bekommst also über die Einkommensteuererklärung echtes Geld zurück. Bei der GmbH bleibt der Verlust in der GmbH hängen und wartet dort auf künftige Gewinne. Genau das übersehen fast alle, die nur die 15 % sehen.

    Das eigentliche Argument für die GmbH ist die Haftung, nicht die Steuer. Wenn du in einem Geschäft mit echten Schadensrisiken unterwegs bist, ist die Haftungsbegrenzung Gold wert. Bei einer Beratung löst eine Berufshaftpflicht das meist günstiger. Und falls es doch mal in Richtung Kapitalgesellschaft gehen soll: Die UG (haftungsbeschränkt) ist der Zwischenschritt mit kleinem Stammkapital, steuerlich aber exakt eine GmbH – inklusive Bilanz und Offenlegung, der Aufwand bleibt also.

    Deine To-do-Liste zum Start:

    1. Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER – der ist Pflicht, da wählst du auch gleich Ist- oder Sollversteuerung (nimm als Kleiner die Istversteuerung, dann führst du die Umsatzsteuer erst ab, wenn der Kunde gezahlt hat).
    2. Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG prüfen: keine Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen, dafür kein Vorsteuerabzug. Sinnvoll bei Privatkunden, unsinnig bei Geschäftskunden und bei größeren Anschaffungen am Anfang. Die Umsatzgrenzen wurden zuletzt geändert – nimm die aktuellen Werte aus ELSTER bzw. vom Finanzamt, nicht aus alten Skripten.
    3. Freiberuflich oder gewerblich? Klassische Marketingberatung ist in aller Regel gewerblich → Gewerbeanmeldung, IHK-Beitrag, Gewerbesteuer (mit dem 24.500-€-Freibetrag, den du in deiner Größenordnung ohnehin nicht erreichst). Konzeption und Werbetexten kann im Einzelfall künstlerisch oder schriftstellerisch und damit freiberuflich sein – das ist Abgrenzung im Detail und lohnt eine kurze Klärung.

    Merksatz für die Klausur und fürs Leben: Die Rechtsform wählt man nach Haftung, Kapitalbedarf und Verwaltungsaufwand – die Steuer sitzt auf dem Beifahrersitz. Und der Wechsel ist keine Einbahnstraße: Ein gut laufendes Einzelunternehmen kannst du später nach dem Umwandlungssteuergesetz steuerneutral in eine GmbH einbringen. Fang klein an.

  • Dollar-Darlehen am Bilanzstichtag – warum wird ein Kursverlust gebucht, ein Kursgewinn aber nicht?

    • DerSteuermann
    • 15. September 2026 um 07:15

    Zwei Ergänzungen, die gern als Zusatzfrage kommen:

    1. Die Restlaufzeit ändert sich jedes Jahr. Euer Darlehen hat am ersten Stichtag noch fast drei Jahre Restlaufzeit → Imparitätsprinzip. Am letzten Stichtag vor der Rückzahlung liegt die Restlaufzeit plötzlich unter einem Jahr → dann greift § 256a Satz 2, und ein bis dahin nicht gezeigter Kursvorteil wird auf einmal ertragswirksam. Also jedes Jahr neu prüfen, nicht einmal einordnen und abhaken.

    2. Die Steuerbilanz tickt anders. Steuerlich darf eine Verbindlichkeit nur dann mit dem höheren Wert angesetzt werden, wenn die Erhöhung voraussichtlich dauerhaft ist (§ 6 Abs. 1 Nr. 3 i. V. m. Nr. 2 EStG). Normale Wechselkursschwankungen gelten bei langfristigen Verbindlichkeiten in der Regel nicht als dauerhaft. Ergebnis: Die Handelsbilanz zeigt den Kursverlust, die Steuerbilanz nicht. Diese Differenz kann aktive latente Steuern begründen (für einen Aktivüberhang besteht nach § 274 HGB ein Ansatzwahlrecht, kleine Kapitalgesellschaften sind ganz befreit).

    Merksätze fürs Klausurblatt:

    • Verbindlichkeit, Euro-Wert steigt → immer höher bewerten (HGB).
    • Verbindlichkeit, Euro-Wert sinkt → niedriger nur bei Restlaufzeit ≤ 1 Jahr.
    • Forderungen genau spiegelbildlich – dort gilt das Niederstwertprinzip statt des Höchstwertprinzips.
  • Hausmeister und Treppenhausreinigung in der Nebenkostenabrechnung – kann ich das als Mieterin wirklich von der Steuer absetzen?

    • DerSteuermann
    • 13. September 2026 um 19:50

    Deine Kollegin hat recht – das ist § 35a EStG, und er gilt ausdrücklich auch für Mieter. Entscheidend ist nicht, wem die Wohnung gehört, sondern dass die Leistung in deinem Haushalt erbracht wird und du sie über die Nebenkosten bezahlst.

    Wie viel? Abziehbar sind 20 % der Arbeitskosten – und zwar direkt von der Steuer, nicht vom Einkommen. Es gibt drei Töpfe mit eigenen Höchstbeträgen (aktueller Stand, vor Abgabe kurz prüfen):

    • Minijob im Haushalt: 20 %, höchstens 510 € im Jahr
    • Haushaltsnahe Dienstleistungen (und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Haushalt): 20 %, höchstens 4.000 €
    • Handwerkerleistungen (Renovierung, Reparatur, Wartung): 20 %, höchstens 1.200 €

    Zuordnung deiner Posten:

    • Hausmeister, Treppenhausreinigung, Gartenpflege, Winterdienst → haushaltsnahe Dienstleistungen
    • Schornsteinfeger (Kehr- und Messarbeiten), Heizungswartung, Reparaturen → Handwerkerleistungen
    • Nicht begünstigt: Grundsteuer, Gebäudeversicherung, Wasser, Strom, Allgemeinstrom, öffentliche Müll- und Abwassergebühren – das sind keine Arbeitsleistungen im Haushalt

    Wichtig: Es zählt nur der Arbeitskostenanteil (inkl. Maschinen- und Fahrtkosten), nicht Material. Beim Hausmeister ist das praktisch alles, beim Handwerker oft nur ein Teil.

    Kleines Rechenbeispiel für eine Wohnung: Hausmeister 180 €, Treppenhaus 120 €, Garten 90 €, Winterdienst 30 € = 420 € → 84 € Steuerermäßigung. Schornsteinfeger mit 40 € Arbeitsanteil → weitere 8 €. Kein Vermögen, aber für zehn Minuten Eintragen gutes Geld.

    Welches Jahr? Grundsätzlich zählt das Jahr der Zahlung. Für Mieter lässt die Finanzverwaltung aber zu, die Kosten im Jahr zu berücksichtigen, in dem die Abrechnung kommt – deine Abrechnung 2025, erhalten im September 2026, kannst du also in der Erklärung für 2026 ansetzen. Alternativ die Vorauszahlungen im Zahlungsjahr, dann aber konsequent bleiben und nichts doppelt ansetzen.

    Eingetragen wird das in der Anlage Haushaltsnahe Aufwendungen.

  • Freistellungsauftrag vergessen – hole ich mir die 25 % Kapitalertragsteuer über die Steuererklärung zurück?

    • DerSteuermann
    • 12. September 2026 um 06:45

    Nichts ist weg, und dumm ist die Frage überhaupt nicht – das ist einer der häufigsten Fälle überhaupt. Der Reihe nach.

    1. Was da abgezogen wurde. Kapitalerträge unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent, dazu kommen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Steuer (nicht auf den Ertrag) und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Bank behält das direkt ein und führt es ab – daher „Abgeltung“: Damit ist die Steuer grundsätzlich abgegolten, und die Erträge müssen normalerweise nicht mehr in die Erklärung.

    2. Der Sparer-Pauschbetrag. Jedem steht ein Freibetrag von 1.000 € pro Jahr zu, zusammenveranlagten Ehepaaren 2.000 €. Bis dahin bleiben Kapitalerträge steuerfrei. Die Bank berücksichtigt das aber nur, wenn du ihr einen Freistellungsauftrag erteilst – von allein weiß sie nicht, ob du deinen Freibetrag schon woanders verbraucht hast.

    3. Und jetzt der wichtige Teil: Du holst dir das über die Erklärung zurück. Dafür gibt es die Anlage KAP. Du trägst die Erträge und die bereits einbehaltene Steuer ein, der Sparer-Pauschbetrag wird dabei berücksichtigt, und das Finanzamt erstattet dir die zu viel gezahlte Steuer mit dem Bescheid. Was du dafür brauchst, ist die Steuerbescheinigung deiner Bank – die bekommst du auf Anfrage oder automatisch im Frühjahr, oft im Online-Postfach. Ohne sie kann das Finanzamt die einbehaltene Steuer nicht anrechnen.

    4. Zu deinem niedrigen Einkommen – die Günstigerprüfung. Genau dafür gibt es sie. Wenn dein persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent liegt (bei Studierenden mit kleinem Nebeneinkommen sehr wahrscheinlich), kannst du in der Anlage KAP die Günstigerprüfung nach § 32d Abs. 6 EStG beantragen – ein einziges Kreuz. Das Finanzamt rechnet dann beide Varianten durch und wendet automatisch die für dich günstigere an. Du kannst dadurch nicht schlechter gestellt werden; im ungünstigsten Fall bleibt es bei den 25 Prozent. Dieses Kreuz zu setzen ist bei kleinem Einkommen praktisch immer richtig.

    5. Der Weg für die Zukunft. Zwei Möglichkeiten, je nach Situation:

    • Freistellungsauftrag bei der Bank einrichten – geht online in wenigen Minuten. Wenn du mehrere Banken hast, kannst du die 1.000 € aufteilen, in der Summe aber nie überschreiten. Achtung: Der Auftrag wirkt in der Regel für das laufende Kalenderjahr, bei vielen Instituten rückwirkend zum 1. Januar – für ein bereits abgelaufenes Jahr geht es nicht mehr. Dann bleibt nur der Weg über die Erklärung.
    • Nichtveranlagungs-Bescheinigung beim Finanzamt beantragen, wenn dein gesamtes zu versteuerndes Einkommen voraussichtlich unter dem Grundfreibetrag bleibt. Damit behält die Bank gar keine Steuer mehr ein – auch nicht über die 1.000 € hinaus. Sie gilt in der Regel für drei Jahre. Für Studierende mit kleinem Job und etwas Erspartem ist das oft die elegantere Lösung.

    Rückwirkend kannst du übrigens vier Jahre lang eine Erklärung abgeben, wenn du – wie vermutlich – nicht zur Abgabe verpflichtet bist. Falls also in einem der Vorjahre auch etwas einbehalten wurde: nachschauen lohnt sich.

  • Werkstudentenjob neben dem Studium – was geht an Steuern und Abgaben weg, und was hole ich zurück?

    • DerSteuermann
    • 9. September 2026 um 20:30

    Hallo Juliane, ich nehme den Steuerteil, den Sozialversicherungsteil kann jemand aus dem Personalbereich sicher besser abrunden.

    Das Wichtigste vorweg: Steuerrecht und Sozialversicherungsrecht sind zwei getrennte Welten mit eigenen Grenzen. Das ist die Ursache für fast alle Missverständnisse bei dem Thema – eine Grenze aus dem einen Bereich gilt im anderen schlicht nicht.

    Zur Lohnsteuer: Für das Finanzamt bist du eine ganz normale Arbeitnehmerin, einen Studentenstatus gibt es dort nicht. Du wirst nach deiner Steuerklasse I abgerechnet, und der Arbeitgeber behält monatlich Lohnsteuer ein. Er rechnet dabei so, als würdest du das ganze Jahr über gleich viel verdienen – und genau daraus entsteht dein Rückzahlungsanspruch.

    Die Logik dahinter:

    • Die Einkommensteuer ist eine Jahressteuer. Entscheidend ist, was du im gesamten Kalenderjahr verdient hast, nicht in einem einzelnen Monat.
    • Bis zum Grundfreibetrag fällt gar keine Einkommensteuer an. Dazu kommen der Arbeitnehmer-Pauschbetrag für Werbungskosten und die Vorsorgepauschale, die den steuerpflichtigen Teil weiter senken.
    • Wenn du also erst ab Oktober arbeitest, hochgerechnet aufs Jahr aber unter der Grenze bleibst, hat der Arbeitgeber im Zweifel zu viel einbehalten – und du holst dir das über die Steuererklärung zurück.

    Deshalb ist an dem Satz deiner Kommilitonin etwas dran, aber „eh alles“ stimmt nur, solange du unter dem Freibetrag bleibst. Wer als Werkstudent in den Semesterferien richtig aufdreht und im Jahr deutlich darüber landet, zahlt sehr wohl Steuern.

    Praktische Punkte, die oft Geld bringen:

    • Die Abgabe ist bei dir in der Regel freiwillig (Antragsveranlagung) – und dafür hast du mehrere Jahre rückwirkend Zeit. Alte Jahre nachzuholen lohnt sich also fast immer.
    • Übersteigen deine Werbungskosten den Pauschbetrag, wird es interessant: Fahrten zur Arbeitsstelle, Arbeitsmittel, Fachliteratur, Bewerbungskosten.
    • Die Studienkosten selbst sind ein Sonderfall: In einer Erstausbildung sind sie nur begrenzt als Sonderausgaben abziehbar – die wirken sich nur aus, wenn du im selben Jahr genug Einkommen hast. Nach abgeschlossener Erstausbildung (also z. B. im Master oder bei einem Studium nach einer Berufsausbildung) sind es Werbungskosten, und die kann man sogar als Verlust in spätere Jahre vortragen. Das ist der Hebel, der bei vielen im Berufseinstiegsjahr eine vierstellige Erstattung bringt.

    Die konkreten Beträge – Grundfreibetrag, Pauschbeträge, Minijob-Grenze – werden jedes Jahr angepasst, die Minijob-Grenze hängt inzwischen sogar direkt am Mindestlohn. Schau den aktuellen Stand für dein Jahr kurz nach; die Systematik dahinter bleibt gleich.

  • Großeltern wollen mir Geld fürs Studium schenken – ab wann wird das schenkungsteuerpflichtig, und muss ich das melden?

    • DerSteuermann
    • 5. September 2026 um 20:50

    Das lässt sich gut sortieren, weil Erbschaft und Schenkung im selben Gesetz geregelt sind (Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz). Die Logik ist immer dieselbe: Verwandtschaftsverhältnis → Steuerklasse → Freibetrag → Steuersatz auf den Rest.

    1. Freibeträge (§ 16 ErbStG), die für dich relevant sind:

    • Ehegatten und eingetragene Lebenspartner: 500.000 €
    • Kinder und Stiefkinder: 400.000 €
    • Enkel: 200.000 € (400.000 €, wenn der verbindende Elternteil bereits verstorben ist)
    • Eltern und Großeltern beim Erwerb von Todes wegen: 100.000 € (bei einer Schenkung an sie dagegen nur 20.000 €)
    • Geschwister, Nichten und Neffen, Schwiegerkinder (Steuerklasse II) sowie alle Übrigen (Steuerklasse III): 20.000 €

    2. Der Freibetrag gilt je Schenker und Beschenktem. Das ist der Punkt, den dein Mitbewohner halb richtig hatte: Nicht „unter Verwandten steuerfrei“, sondern jeder Großelternteil hat dir gegenüber einen eigenen Freibetrag von 200.000 €. Wenn beide Großeltern schenken, sind das zusammen 400.000 € – ein mittlerer fünfstelliger Betrag liegt also klar darunter.

    3. Die Zehnjahresfrist (§ 14 ErbStG) stimmt ebenfalls: Alle Zuwendungen derselben Person an dich innerhalb von zehn Jahren werden zusammengerechnet. Nach Ablauf von zehn Jahren steht der Freibetrag erneut zur Verfügung. Deshalb wird größeres Vermögen in der Praxis oft in Etappen übertragen. Wichtig zu wissen: Auch ein späteres Erbe fällt in diese Zusammenrechnung, wenn es innerhalb der zehn Jahre anfällt.

    4. Anzeigepflicht (§ 30 ErbStG): Grundsätzlich ist ein Erwerb binnen drei Monaten beim zuständigen Finanzamt formlos anzuzeigen – das kann auch der Schenker übernehmen. Anzeige heißt nicht Steuererklärung und schon gar nicht Steuer: Das Finanzamt entscheidet danach, ob es überhaupt eine Erklärung anfordert. Bei notariell beurkundeten Vorgängen erledigt das der Notar. Wenn erkennbar weit unter dem Freibetrag geschenkt wird, passiert praktisch nichts – korrekt ist die Anzeige trotzdem, und eine kurze formlose Mitteilung tut niemandem weh.

    5. Der Ausbildungszweck ist tatsächlich relevant: § 13 ErbStG stellt Zuwendungen zum angemessenen Unterhalt oder zur Ausbildung des Bedachten steuerfrei. Das ist aber kein Blankoscheck für beliebige Vermögensübertragungen – gemeint ist die Deckung des laufenden Bedarfs, nicht der Aufbau einer Rücklage. Genau deshalb würde ich die beiden Teile eures Vorhabens auch gedanklich trennen: laufende Studienkosten einerseits, Kapitalübertragung andererseits.

    6. Steuersätze, nur zur Einordnung: In Steuerklasse I – dazu gehörst du als Enkelin – beginnt der Satz bei 7 % für den Teil, der den Freibetrag übersteigt, und steigt gestaffelt (bis 300.000 € über dem Freibetrag: 11 %, bis 600.000 €: 15 %). In den Steuerklassen II und III liegen die Sätze deutlich höher. Bei deiner Größenordnung ist das reine Theorie.

    Kurz: Bei einem mittleren fünfstelligen Betrag von Großeltern an ein Enkelkind fällt nach den allgemeinen Regeln keine Schenkungsteuer an. Verlass dich für den Einzelfall aber nicht auf ein Forum – wenn es um mehr geht oder Immobilien im Spiel sind, ist ein Termin beim Steuerberater gut investiert.

  • Werbungskosten oder Sonderausgaben – wo trage ich was ein, und warum ändert sich an meiner Erstattung trotzdem nichts?

    • DerSteuermann
    • 3. September 2026 um 21:20

    Ich gehe deine Liste einmal durch, weil ein Punkt darin für Fernstudierende der wichtigste überhaupt ist.

    • Fahrten zur Arbeit → Werbungskosten, Entfernungspauschale nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG. Klassiker: Es zählt die einfache Entfernung, nicht Hin- und Rückweg, und grundsätzlich die kürzeste Straßenverbindung – eine längere nur, wenn sie offensichtlich verkehrsgünstiger ist.
    • Fachbücher → Werbungskosten als Arbeitsmittel, sofern beruflich veranlasst. Beleg mit Titel aufbewahren, „Buch“ auf der Quittung reicht erfahrungsgemäß nicht.
    • Spende → Sonderausgabe nach § 10b EStG, mit Zuwendungsbestätigung.
    • Berufsunfähigkeitsversicherung → Sonderausgabe als sonstige Vorsorgeaufwendung (§ 10 Abs. 1 Nr. 3a). Hier wirst du den zweiten Nulleffekt sehen: Der Höchstbetrag für sonstige Vorsorgeaufwendungen ist bei Arbeitnehmern durch die Kranken- und Pflegeversicherung meist schon ausgeschöpft, dann wirkt die BU steuerlich nicht mehr. Ärgerlich, aber systematisch so angelegt.
    • Studiengebühren → und das ist die eigentliche Weiche.

    Beim Studium entscheidet, ob es sich um eine Erst- oder Zweitausbildung handelt:

    • Aufwendungen für die erste Berufsausbildung oder ein Erststudium sind nach § 9 Abs. 6 EStG ausdrücklich keine Werbungskosten, sondern nur Sonderausgaben nach § 10 Abs. 1 Nr. 7 – und dort der Höhe nach begrenzt.
    • Ein berufsbegleitendes Studium nach abgeschlossener Berufsausbildung ist dagegen Fortbildung → Werbungskosten in voller Höhe, inklusive Fahrten zu Präsenzphasen, Literatur und Prüfungsgebühren.

    Der Unterschied ist erheblich, und zwar aus einem Grund, der oft übersehen wird: Sonderausgaben verpuffen, wenn in dem Jahr wenig Einkommen da ist – sie sind weder vor- noch rücktragsfähig. Werbungskosten können dagegen zu negativen Einkünften führen und über den Verlustvortrag in spätere Jahre mitgenommen werden, in denen dann Gehalt zu versteuern ist. Wer während des Studiums kaum verdient, sollte deshalb prüfen, ob eine Erklärung mit Feststellung des Verlustvortrags sinnvoll ist. Du schreibst „berufsbegleitend“ – bei abgeschlossener Ausbildung davor stehst du damit auf der guten Seite.

    Für die Klausur: Wenn der Operator „ordnen Sie zu und begründen Sie“ lautet, gehört zu jeder Position Norm + Veranlassungszusammenhang in einem Satz, also etwa „Werbungskosten nach § 9 Abs. 1 EStG, da die Aufwendung durch die nichtselbständige Tätigkeit veranlasst ist“. Reine Zuordnung ohne Begründung kostet regelmäßig die Hälfte der Punkte.

  • Kindergeld oder Kinderfreibetrag – was macht das Finanzamt bei der Günstigerprüfung genau?

    • DerSteuermann
    • 31. August 2026 um 19:55

    Die Verwirrung ist völlig normal, weil im Bescheid tatsächlich beides steht. Der Schlüssel: Es sind zwei Wege zum selben Ziel, und du bekommst am Ende nur einen davon.

    Das Prinzip (§ 31 EStG): Das Existenzminimum eines Kindes muss steuerfrei bleiben – das ist Verfassungsrecht. Der Staat setzt das auf zwei Arten um:

    • Kindergeld – monatlich ausgezahlt von der Familienkasse, wirkt sofort auf die Liquidität.
    • Freibeträge – der Kinderfreibetrag plus der BEA-Freibetrag (Betreuung, Erziehung, Ausbildung, § 32 Abs. 6 EStG). Sie mindern das zu versteuernde Einkommen, wirken also erst bei der Veranlagung.

    Du musst dich nicht entscheiden und stellst auch keinen Antrag. Das Finanzamt prüft von Amts wegen, was für dich besser ist – deshalb „Günstigerprüfung“. Du trägst in der Anlage Kind nur die Daten des Kindes ein, den Rest rechnet die Behörde.

    Wie die Prüfung rechnerisch läuft:

    1. Steuer auf das zu versteuernde Einkommen ohne Freibeträge ermitteln.
    2. Steuer auf das zu versteuernde Einkommen mit Freibeträgen ermitteln.
    3. Die Differenz ist die Steuerersparnis durch die Freibeträge.
    4. Diese Ersparnis wird mit dem Anspruch auf Kindergeld für den Veranlagungszeitraum verglichen. Ist die Ersparnis größer, werden die Freibeträge angesetzt.

    Und jetzt zu deinem Bescheid: Wenn die Freibeträge gewinnen, wären sie zusätzlich zum bereits ausgezahlten Kindergeld ein doppelter Vorteil. Deshalb wird das Kindergeld der Einkommensteuer wieder hinzugerechnet. Netto bekommst du also genau die Differenz. Das ist die Zeile, die dich irritiert hat.

    Zwei Details, die Klausuraufgaben lieben:

    • Verglichen wird der Anspruch auf Kindergeld, nicht die tatsächliche Auszahlung. Wer vergisst, Kindergeld zu beantragen, wird trotzdem so behandelt, als hätte er es bekommen – „Kindergeld nicht abgeholt“ ist also kein Steuervorteil, sondern doppelter Verlust.
    • Die Freibeträge lohnen sich erst ab einem relativ hohen Einkommen, weil ihre Wirkung vom Grenzsteuersatz abhängt, das Kindergeld dagegen für alle gleich hoch ist.

    Die konkreten Beträge ändern sich fast jährlich – nimm für die Aufgabe zwingend die Werte aus deinem Studienheft bzw. der aktuellen Fassung des § 32 Abs. 6 EStG, nicht irgendeine Zahl aus dem Netz.

  • Steuererklärung als Angestellte: Pflicht oder freiwillig – und wie viele Jahre kann ich rückwirkend noch abgeben?

    • DerSteuermann
    • 29. August 2026 um 17:35

    Ergänzung aus der Kanzleipraxis, warum sich die freiwillige Erklärung bei Fernstudis fast immer lohnt: Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag ist bereits im Lohnsteuerabzug eingebaut (aktuell 1.230 € – prüf den Wert für dein Jahr). Erstattung gibt es also erst, wenn du darüber kommst. Und genau das passiert schnell:

    • Studiengebühren, Fachliteratur, Prüfungsgebühren, Fahrten zu Präsenzen
    • Arbeitsmittel wie Laptop oder Schreibtisch, gegebenenfalls über die Nutzungsdauer verteilt
    • Entfernungspauschale zum Arbeitsplatz, Homeoffice-Pauschale

    Wichtig für dich: Weil du eine abgeschlossene Ausbildung hast und berufsbegleitend studierst, sind die Studienkosten Werbungskosten – nicht die auf 6.000 € gedeckelten Sonderausgaben, die für das Erststudium gelten. Werbungskosten sind der Vorteil, weil sie unbegrenzt zählen und in Verlustjahren über einen Verlustvortrag nach § 10d EStG in spätere Jahre mitgenommen werden können.

    Ein Hinweis noch: Wer einmal freiwillig abgegeben hat, ist nicht automatisch dauerhaft verpflichtet – Pflicht bleibt Pflicht nur, wenn ein Pflichtgrund vorliegt.

  • Gewerbesteuer neben der Einkommensteuer – wieso zahle ich doppelt, und was bringt die Anrechnung nach § 35 EStG?

    • DerSteuermann
    • 25. August 2026 um 20:15

    Die Frage kommt in jedem Kurs, und der Denkfehler steckt schon in der Formulierung „dieselbe Sache“ 🙂

    Die beiden Steuern haben unterschiedliche Anknüpfungspunkte: Die Einkommensteuer ist eine Personensteuer – sie besteuert dich als Mensch nach deiner Leistungsfähigkeit, mit Grundfreibetrag, Progression und Familienstand. Die Gewerbesteuer ist eine Objektsteuer – besteuert wird der Gewerbebetrieb als solcher, unabhängig davon, wem er gehört und wie es ihm persönlich geht. Sie ist außerdem eine Gemeindesteuer: Sie finanziert die Gemeinde, in der dein Betrieb sitzt und deren Straßen, Flächen und Infrastruktur er nutzt. Das ist die Rechtfertigung, die in der Klausur als „Äquivalenzgedanke“ abgefragt wird.

    Der Rechenweg – den solltest du auswendig können:

    • Ausgangspunkt: Gewinn aus Gewerbebetrieb (nach EStG ermittelt)
    • + Hinzurechnungen nach § 8 GewStG, vor allem 25 % der Summe aus Zinsen und den Finanzierungsanteilen von Mieten, Pachten, Leasingraten und Lizenzen – und das nur, soweit diese Summe 200.000 € übersteigt
    • − Kürzungen nach § 9 GewStG, insbesondere 1,2 % des Einheitswerts des Betriebsgrundstücks sowie Gewinnanteile aus Beteiligungen an Personengesellschaften
    • = Gewerbeertrag, abgerundet auf volle 100 €
    • − Freibetrag 24.500 € (nur für natürliche Personen und Personengesellschaften!)
    • × Steuermesszahl 3,5 % = Steuermessbetrag
    • × Hebesatz der Gemeinde = Gewerbesteuer

    Der Hebesatz ist genau die Stellschraube, nach der du fragst: Er wird von der Gemeinde selbst beschlossen, beträgt mindestens 200 % und liegt real meist zwischen 250 % auf dem Land und rund 500 % in Großstädten. Zwei identische Betriebe zahlen also je nach Standort sehr unterschiedlich viel – das ist politisch gewollt (Standortwettbewerb) und der Grund, warum Gewerbegebiete am Stadtrand so beliebt sind.

    Zahlenbeispiel: Gewerbeertrag 74.500 €, minus Freibetrag 24.500 € = 50.000 €. Davon 3,5 % = 1.750 € Messbetrag. Bei einem Hebesatz von 400 % ergibt das 7.000 € Gewerbesteuer.

    Eine Falle noch, die gern übersehen wird: Die Gewerbesteuer ist seit 2008 keine Betriebsausgabe mehr (§ 4 Abs. 5b EStG). Sie mindert also weder den einkommensteuerlichen Gewinn noch sich selbst. Wer in der Klausur die alte „Gewerbesteuer mindert ihre eigene Bemessungsgrundlage“-Rechnung aufmacht, rechnet nach überholtem Recht.

  • GbR oder schon OHG? Ab wann wird aus einem Nebengewerbe zu zweit eine Handelsgesellschaft – und wer haftet dann?

    • DerSteuermann
    • 24. August 2026 um 19:10

    Anja hat das juristisch sauber aufgedröselt, ich ergänze die Seite, die im Alltag zuerst weh tut 😉

    Was sich mit dem Kaufmannsstatus ändert: Als OHG seid ihr Kaufleute und damit nach §§ 238, 242 HGB buchführungs- und bilanzierungspflichtig – also doppelte Buchführung, Inventar, Jahresabschluss. Als kleingewerbliche GbR reicht in aller Regel die Einnahmenüberschussrechnung nach § 4 Abs. 3 EStG, solange ihr auch die Größengrenzen des § 141 AO nicht reißt. Das ist ein spürbarer Unterschied im Aufwand.

    Dazu kommen die kaufmännischen Sonderregeln des HGB, u. a. die Rügeobliegenheit beim Handelskauf (§ 377 HGB: unverzüglich prüfen und rügen, sonst gilt die Ware als genehmigt).

    Steuerlich ist die Rechtsformfrage dagegen fast egal: GbR wie OHG sind Mitunternehmerschaften. Die Gesellschaft selbst zahlt keine Einkommensteuer; der Gewinn wird gesondert und einheitlich festgestellt (§ 180 AO) und dann bei euch beiden persönlich versteuert. Gewerbesteuer fällt bei beiden an, mit dem Freibetrag von 24.500 € für Personengesellschaften – bei einem Nebengewerbe seid ihr anfangs meist darunter.

    Mein dringender Praxistipp: Macht trotzdem einen schriftlichen Gesellschaftsvertrag. Nicht wegen der Wirksamkeit – die habt ihr wie gesagt auch ohne –, sondern wegen der gesetzlichen Auffangregeln. Ohne eigene Vereinbarung greift die gesetzliche Gewinnverteilung, unabhängig davon, wer wie viel Zeit oder Geld reingesteckt hat. Regelt vorher: Einlagen, Gewinnverteilung, Vertretung, Entnahmen und vor allem den Ausstieg eines Gesellschafters. Genau daran zerlegen sich die meisten Zwei-Personen-Gründungen, nicht am Finanzamt.

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