Holgers Ablauf ist genau das, was in der Klausur erwartet wird. Ich hänge die Punkte an, an denen Aufgaben gern nachhaken.
Ein Sonderfall zur Günstigerprüfung selbst: Für Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer werden die Kinderfreibeträge immer abgezogen – auch dann, wenn beim Einkommensteuertarif das Kindergeld günstiger war. Deshalb steht im Bescheid manchmal eine Bemessungsgrundlage für den Soli, die niedriger ist als das zu versteuernde Einkommen. Das ist kein Fehler, sondern Absicht (oft „Schattenveranlagung“ genannt).
Wie lange gibt es überhaupt einen Anspruch? Das steht in § 32 Abs. 4 EStG und ist eine beliebte Vorfrage:
- bis 18 immer,
- darüber hinaus bis maximal 25, solange das Kind sich in Ausbildung oder Studium befindet, einen Ausbildungsplatz sucht oder einen Freiwilligendienst leistet,
- bei einer Zweitausbildung zusätzlich die Erwerbstätigkeitsgrenze: Eine Beschäftigung von mehr als 20 Wochenstunden ist schädlich – Ausbildungsdienstverhältnisse und Minijobs bleiben außen vor. Während der ersten Berufsausbildung spielt der Nebenjob dagegen keine Rolle.
Aufteilung zwischen den Eltern: Grundsätzlich steht jedem Elternteil die Hälfte zu. Bei Zusammenveranlagung werden beide Hälften zusammengeführt, deshalb liest man dort den doppelten Betrag. Bei getrennt lebenden Eltern kann die halbe BEA- bzw. Kinderfreibetragshälfte unter den Voraussetzungen des § 32 Abs. 6 EStG übertragen werden – etwa wenn ein Elternteil seiner Unterhaltspflicht nicht nachkommt. Nicht verwechseln mit dem Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (§ 24b EStG): eigener Tatbestand, eigene Voraussetzungen, hat mit der Günstigerprüfung nichts zu tun.
Merksatz fürs Ergebnis: Kindergeld ist die Vorauszahlung, die Freibeträge sind die Endabrechnung – und abgerechnet wird nur einmal.