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Auswirkungen von Mindestlöhnen auf Markteintritte

  • Ariox
  • 25. Mai 2006 um 15:07
  • Erledigt
  • Ariox
    Neuer Benutzer
    Beiträge
    6
    • 25. Mai 2006 um 15:07
    • #1

    Hallo miteinander,

    hat jemand eine Ahnung, was die Auswirkungen eines Mindestlohns auf Markteintritte sein könnten?

    Weniger Markteintritte?
    Mehr Markteintritte?

    oder vielleicht vollkommen andere Konsequenzen?

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  • Gianfranco
    Neuer Benutzer
    Beiträge
    3
    • 25. Mai 2006 um 16:12
    • #2

    Ich glaube die Konsequenzen allgemein nicht bestimmbar sind. (Hängt sicher vom jeweiligen Markttyp ab)

    Abgesehen von den globalisierungsbedingten Folgen kann man wohl sagen, dass der Markteintritt durch Mindestlöhne im kurzen und langen Zeitraum erschwert wird. (gilt vorallem für Produktion/Industrie aber auch für Dienstleistung)
    Ich stütze meine Annahme vorallem auf die Tatsache, dass die Einführung eines Mindestlohns (insoweit dieser über dem aktuellen Lohnnniveau liegt) die Kosten für das Unternehmen im kurzen Zeitraum erhöhen.
    Die "gesunden" Unternehmen die sich bereits im Markt befinden werden die Kostenerhöhung hinnehmen. Jedoch gilt für die potentiellen Konkurrenten (Markteinsteiger): Je höher die Kosten in einem Markt desto schwieriger der Eintritt.
    Die aktuellen Unternehmen im Markt werden die "plötzlich" steigenden Kosten wohl nicht sofort mit Preissteigerungen (und anschliessender Produktionsverringerung) kompensieren können, was bedeutet, dass die Gewinne sinken. Und je geringer die Gewinne in einem Markt sind, desto weniger sind potentielle Einsteiger vom Markt angezogen.

    Im langen Zeitraum werden sich die Gewinne wieder einpendeln da der Markt wieder zum Gleichgewicht findet.
    Da die Unternehmen jedoch versuchen werden (soweit möglich) Arbeit mit Kapital (Maschinen etc.) zu ersetzen werden sich die Marteintrittskosten zusätzlich erhöhen, was langfristig dazu führt, dass die Unternehmensgröße der einzelnen Unternehmen steigen wird.

    Daraus schließe ich dass die Einführung von Mindestlöhnen auch im langen Zeitraum die Markteintritte erschweren wird.
    Natürlich hängt diese "Erschwerung" immer von dem Kostenanteil der Arbeit in der Produktion ab, und wieweit der Mindestlohn über dem aktuellen Lohnniveau liegt.

  • Ariox
    Neuer Benutzer
    Beiträge
    6
    • 25. Mai 2006 um 16:30
    • #3

    Gäbes es jetzt ein Rating, würde ich deine Antwort wohl als Top-Antwot raten.
    Danke dafür.

  • Strolch
    Moderator
    Beiträge
    1.504
    • 25. Mai 2006 um 18:55
    • #4

    Mindestlöhne sind ein sehr ideologisches Thema, du kriegst also prinzipiell immer die Antwort, der der Gefragte ideologisch am nächsten steht. Im Endeffekt lassen sich in den verschiedenen Ländern die Mindestlöhne haben keine wirklichen Effekte durch diese nachweisen, da durch die Globalisierung und andere Einflüsse eine viel zu große Verwässerung existiert. Alle (populäre Studien in Nicht-Fachzeitschriften) Studien die ich dazu kenne, haben diesen Nachteil, den selbst ich als Blinder mit Krükstock hierbei entdecke.

    Die gewerkschaftskonforme Argumentationskette dürfte in etwa folgender Maßen aussehen:
    Der Mindestlohn wird die Löhne in den bisherigen Niedrigpreissektoren anheben, die nun einmal Handel und Dienstleistungen sind, auf die klassiche, tarifgebundene Industrie hat er aufgrund der dort ohnehin herschenden höheren Tariflöhne kaum Einfluss.
    Was die Frage nach den Markteintritten anbelangt, durch die gestiegenen Lohnkosten müssten folglich die Preise für Dienstleistungen steigen, da diese dort der Hauptkostenfaktor sind, steigende Preise führen laut Angebots und Nachfrage-Kurve dazu, dass der Markt für mehr Anbieter interessant wird und sich demzufolge die Anzahl der Markteintritte erhöhen würde. (Die Schwarzarbeit lass ich jetzt mal im Hinblick auf meine Gewerkschaftskuschelargumentation weg)
    Bei Dienstleistungen funktioniert das Ersetzen von Arbeit durch Kapital nur in sehr begrenztem Umfang, fürs Haareschneiden gibts halt noch keinen Roboter, genausowenig wie fürs Essen-Kochen, und die Servierrobbis die existieren, naja sind nicht der Rede wert. Im Handel kannst du vielleicht einiges durch Selbstscanning und wie die Schlagworte alle heißen ersetzen, aber ich glaube es ist klar worauf ich hinaus will.

    Fazit: Wie du siehst kann ich argumentativ in beide Richtungen und das ist alles was ich mit diesem, Gianfranco entgegengesetzten Beitrag eigentlich aufzeigen will! Welche nun zutrifft, naja wie alles in der Realität wird die Wahrheit wohl zwischen den Extremen liegen.

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  • Gianfranco
    Neuer Benutzer
    Beiträge
    3
    • 26. Mai 2006 um 05:16
    • #5

    Natürlich kann man aus jedem Thema eine Ideologie machen, und die Politik u. andere tun es auch. Aber nur weil Menschen für Ideologien anfälliger sind als für volkswirtschaftliche Theorien.
    Aber wir hier im Forum können sicher ideologiefrei diskutieren, und ich glaube ich habe die Einführung von Mindeslöhnen (was in unserem Fall eigentlich nur eine Kostensteigerung für das Unternehmen ist) genug eingegrentzt um die Folgen aufzuzeigen. Ich habe versucht jeden Schritt aufzuzeigen und bin natürlich behlerbar falls ein Schritt nicht exakt ist.

    Es stimmt, dass man die Auswirkungen von Mindestlöhnen nicht empirisch bestimmen kann, weil nicht nur Mindestlöhne einfluss auf Marteintritt, Arbeitslosigkeit etc. haben.
    Jedoch kann man die Auswirkungen von Gehaltssteigerungen und somit Kostensteigerung auch teoretisch bestimmen.

    Strolch: "... steigende Preise führen laut Angebots und Nachfrage-Kurve dazu, dass der Markt für mehr Anbieter interessant wird und sich demzufolge die Anzahl der Markteintritte erhöhen würde. ..."

    Diesen Ablauf kann ich jedoch nicht ganz nachfolziehen. Es steigt ja nur das Preisniveau der Nachfragekurve die sich parallel nach oben verschiebt, dass bedeutet höhere Preise und weniger gehandelte Menge.
    Die Unternehmen sind nicht von einem hohen Preisniveau angezogen (dieser erschwert den Markteintritt doch: Es ist mehr Kapital nötig um in den Markt einzusteigen). Die Unternehmen treten in einen Markt ein wenn sie eine Aufsicht auf Gewinne haben. Und die Steigerung von Kosten bedeutet nicht die Steigerung von Gewinn.

    Es ist ganz klar, dass die Auswirkungen einer Preissteigerung in der Produktion intensiver sind als im Dienstleistungssektor.
    Jedoch unterliegen auch die Dienstleistungen dem Gesetzt von Angebot und Nachfrage: Wenn der Preis des Angebots bei gleichbleibender Nachfrage steigt, so befindet sich das neue Gleichgewicht in einem Punkt mit geringer nachgefragter Menge. Die Intensität dieses Prozesses hängt davon ab wie steil die Nachfragekurve ist. Diese wird eben hauptsächlich davon beeinflusst sein wie "nötig" das Produkt / Dienstleistung ist: Das steigende Gehalt des Artztes wird die Nachfrage wohl nicht verringern, jedoch wenn eine Pediküre 20 % (nur freies Beispiel) mehr kostet, könnten es sich wohl viele überlegen ob sie sich diesen Luxus noch leisten müssen.
    Bei der Dienstleistung fehlt wie Strolch richtig erwähnt hat die Effekte von Ersetzung der Arbeit durch Kapital.

  • Strolch
    Moderator
    Beiträge
    1.504
    • 26. Mai 2006 um 13:26
    • #6

    Also lass mich mal eines vorausschicken, meine persönliche Meinung über die Auswirkungen des Mindestlohnes auf Markteintritte liegt weit näher an deinen Argumenten als an den Gewerkschaftskuschelargumenten, die ich geschrieben habe, dennoch bin ich ein vehementer Verfechter des Mindestlohnes – ich sehe darin auch keinen Widerspruch.

    So jetzt aber zu Thema:
    Was deine Aussage zum ideologiefreien Diskutieren anbelangt, nein können wir nicht, denn ob du es glaubst oder nicht, deine komplette Argumentation ist das Ideologische Programm des reinen liberalen Kapitalismus (Und ja, dass ist eine Ideologie), auf dieser basieren nämlich sämtliche volkswirtschaftlichen "Theorien" zur Zeit. Warum? Weil dies das vorherrschende wirtschaftsideologische Meinungsbild in der westlichen Welt, zu deren Kulturkreis wir nun einmal gehören ist. Das heißt aber weder, dass diese Annahmen richtig, noch das diese Annahmen falsch sind, sie spiegeln nur das aktuelle intellektuelle Meinungsbild wieder, dass sich, dass muss ich zugeben nun schon sehr lange hält; Mitte/ Ende der 70er würde ich den Beginn dieser Strömung datieren. Das letzte Mal hat sie "nur" ca 20 Jahre angehalten ca. 1866 - ca. 1888, schaun wir also mal.


    Zitat

    Jedoch kann man die Auswirkungen von Gehaltssteigerungen und somit Kostensteigerung auch teoretisch bestimmen.


    Natürlich kannst du dass, aber wie du schon sagst THEORETISCH, dass heißt an ein oder verschiedene Modelle gebunden, deren Wahrheitsgehalt du allenfalls empirisch bestimmen kannst und diese liefert nun auch nicht wirklich tolle Daten, schon gar nicht in einem so vielschichtigen Themenkomplex - deshalb heißen die Dinger ja Theorien.

    Zitat

    Diesen Ablauf kann ich jedoch nicht ganz nachfolziehen. Es steigt ja nur das Preisniveau der Nachfragekurve die sich parallel nach oben verschiebt, dass bedeutet höhere Preise und weniger gehandelte Menge.


    Unten beschreibst du es doch selber, allerdings, die Nachfrage wird sich deshalb aber nicht senken, sondern wie ich in der Klammer schon angesprochen habe nur verlagern (aber das hat ja in unserem Modell hier nix verloren).
    Und ich bleibe bei meiner Aussage der Mindestlohn würde die klassiche tarifgebundene Industrie in Deutschland nur am Rande tangieren. Wobei mir auch klar ist, dass wir um darüber ernsthaft sprechen zu können erstmal die Niedriglohnsektoren identifizieren müssten.

    Aber du hast dich an der These gestört, dass höhere erzielbare Preise bei geringerer Menge zu höheren Markteintritten führen können, wobei also faktisch mehr Anbieter um weniger im Modell verbliebene Kunden kämpfen würden; nennt sich mWn Verdrängungswettbewerb.
    Wobei du in vielen Bereichen des Dienstleistungssektors eine geringe Einstiegshürde für Selbständige hast, die bisher nur von dem geringen zu erzielenden Marktpreisen abgeschreckt wurde (Die von dir angesprochene Dame mit der Pediküre).
    Die Preise werden natürlich dann dadurch sinken, dass die "Kosten" gesenkt werden müssen bzw. das Angebot bei gleichem Preis ausgeweitet werden muss, der Starke überlebt, die Schwachen scheiden wieder aus dem Markt aus (Nur das sie halt erstmal in den Markt eingestiegen sind), nur dass du diesmal den Wettbewerb auf andere Faktoren verlagern musst, als auf die Löhne, da diese nun nach unten hin fest sind.

    Aber lassen wir dass, wie Eingangs schon erwähnt, meine persönliche Meinung liegt weit näher an der von dir propagierten Sichtweise - und ich kann die hier aufgezeigte Argumentation vermutlich weit besser als Du mit Beispielen in tausend Fetzen reisen, die Wahrheit werden wir sowieso nie erfahren, erstmal weil sich die Politik, sehr zu meinem Leidwesen, nicht für den Mindestlohn entscheiden wird und zweitens, weil wir die Auswirkungen sowieso nicht wirklich messen könnten.

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