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Arbeitsplätze zu Lasten des Haushaltsdefizits schaffen??

  • Maja23
  • 10. Mai 2005 um 16:55
  • Erledigt
  • Maja23
    Moderatorin
    Beiträge
    1.083
    • 10. Mai 2005 um 16:55
    • #1

    Folgende Frage muss ich beantworten:

    Sollte der Staat wegen der hohen Arbeitslosigkeit Arbeitsplätze zu Lasten des Haushaltsdefizits schaffen?

    Würd mich freuen wenn mir jemand nen Tipp geben könnte, da ich die Klausur nachschreiben muss und da meist die gleichen Fragen dran kommen ;)
    Bin mir etwas unsicher.

    Lieben Gruß,
    Maja

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  • Maja23
    Moderatorin
    Beiträge
    1.083
    • 11. Mai 2005 um 18:32
    • #2

    Ok, wenn nicht diese Frage, dann habe ich noch ne andere, vielleicht mag mir da jemand weiter helfen....

    Kann mir jemand die Konjunkturphasen anhand von S und I (sparen und investieren) ganz kurz erklären????

    Bitte helft mir ;) ;)

  • cezisj
    Benutzer
    Beiträge
    77
    • 11. Mai 2005 um 19:50
    • #3

    Zu ersten:

    Zielkonflikt wg. Inflationsgefahr. Zushg. über Phillips-Kurve.

    Zur zweiten:

    siehe Rittenbruch: Makroökonomik, Oldenbourg-Verlag zum Thema Investition

  • Oeconomicus
    Erfahrener Benutzer
    Beiträge
    187
    • 11. Mai 2005 um 22:00
    • #4

    Hey,

    Zitat

    Original von Maja23
    Sollte der Staat wegen der hohen Arbeitslosigkeit Arbeitsplätze zu Lasten des Haushaltsdefizits schaffen?

    Kannst du bitte einmal näher definieren, was du genau mit Arbeitsplätze "schaffen" meinst? Entweder durch Investitionen oder Anstellung beim Staat. Davon hängt entscheidend die Beantwortung der Frage ab.

    Zitat

    Original von Maja23
    Kann mir jemand die Konjunkturphasen anhand von S und I (sparen und investieren) ganz kurz erklären????

    Darauf gehe ich nach deiner Antwort genauer ein!

    Grüße,
    Chris

    Zitat von John Maynard Keynes:

    "Solange die Nationalökonomen leben, nimmt niemand von ihnen Notiz, und wenn sie tot sind, richten sie großen Schaden an." :D

  • Maja23
    Moderatorin
    Beiträge
    1.083
    • 11. Mai 2005 um 22:05
    • #5

    ich meine durch Investitionen, sorry! ;)
    Brauche auch keine super lange Antwort, bin nur auf ner Fachschule, da läuft das alles leider etwas oberflächlich ab.... aber danke für deine Mühe!!

    Lieben Gruß,
    Maja

  • Oeconomicus
    Erfahrener Benutzer
    Beiträge
    187
    • 11. Mai 2005 um 22:45
    • #6

    Hey,

    Zitat

    Original von Maja23
    Sollte der Staat wegen der hohen Arbeitslosigkeit Arbeitsplätze zu Lasten des Haushaltsdefizits schaffen?

    Das ist grundsätzlich eine Frage der wirtschaftspolitischen Gesinnung. Hättest diese Frage in den Anfangsjahren der Gründung der BRD gestellt hätten die Ökonomen dir diese Frage mit einem "Ja" beantwortet und hättest du irgendwann ab den 70igern gefragt, hätten dir die Ökonomen diese Frage mit einem eindeutigen "Nein" beantwortet.
    Bei unserem Kanzler ist das so eine Sache, am Anfang seiner Legislaturperiode hat er eher neoklassisch gehandelt und seit ein einigen Monaten scheint er wieder in Richtung des antizyklischen Handeln à la Keynes zu tendieren.
    Du siehst also, dass sich selbst die Ökonomen untereinander und die Politiker sowieso schon einmal gar nicht einig sind.

    Jetzt aber Schluss mit dem Gerede, jetzt wird’s ernst

    Wenn der Staat investiert...

    ... auf Kosten des Haushalts, also beispielsweise Kredit finanziert, hätte das auf dem Kreditmarkt schlimme Folgen, da der Staat durch seine Kreditfinanzierung den Marktzins nach oben treiben würde und somit Unternehmen die investieren wollen verdängen würde, da Investitionen die gerade noch rentabel sind durch den höheren Marktzins unrentabel werden. Also würde er durch seine Politik auch in der Wirtschaft existierende Arbeitsplätze vernichten.

    ...hätte das, wenn es auf Kreditfinanzierung beruht auch eine höhere Belastung der zukünftigen Generationen zur Folge, da Schulden die heute gemacht werden, morgen wieder zurückgezahlt werden müssen und das wohl oder Übel auf Kosten von Steuererhöhungen, was den Wirtschaftsstandort unattraktiver für Unternehmen also auch für Investitionen mache würde.

    ...hätte das eine erhöhte Staatsquote am BIP/BSP zur Folge. Einer der Probleme bei der Staatsquote ist, das es erstens nur eine Umverteilung des Geldes ist und des Weiteren die Lenkungsmechanismen des Marktes teilweise außer Kraft setzt, da nicht dort investiert wird wo es am rentabelsten ist, sondern wo man am Meisten Arbeitsplätze schaffen kann

    ...hätte, dass man kurzfristig (!!) eine erhöhte Inflation in Kaufnehmen müsste, was empirisch unter ceteris paribus die Phillips-Kurve hinreichend erläutert. Inflation kann dramatische Folgen haben, da möglicherweise die Flucht ins Sachkapital angetreten wird, auf jeden Fall sogar Allokationssysteme des Marktes nicht mehr funktionieren, usw...

    ... fragwürdig ist auch ob Investitionen seitens des Staates die Arbeitslosigkeit wirksam bekämpfen würde, denn der größte Teil der Arbeitslosigkeit entsteht auf struktureller Arbeitslosigkeit. Diese lässt sich mittel Investitionen in den Wirtschaftskreislauf nicht mindern. Friktionelle Arbeitslosigkeit, also Sucharbeitslosigkeit , und saisonale Arbeitslosigkeit so wie so nicht. Bei konjunktureller würde es helfen

    ....da könnte man noch so viele weitere Beispiele nennen.

    Letztlich ist es eine Sache der Abwägung!

    Aber der neoklassischen Sichtweise nach, die ich mich seitens der Staatsinvestitionen einmal anschließen würde, sind Investitionen seitens des Staates negativ zu bewerten.


    Zitat

    Original von Maja23
    Kann mir jemand die Konjunkturphasen anhand von S und I (sparen und investieren) ganz kurz erklären????

    Werde an dem Thema einmal ganz oberflächlich rangehen. Auf weitergehende Fragen versuche ich dann auch noch einmal genauer und tiefgründiger einzugehen

    Vereinfachte Annahme: Geschlossene Volkswirtschaft.

    Dort entspricht das Sparen den Investitionen. (ist eine definitorische Sache)

    Je mehr gespart wird, desto mehr kann investiert werden und desto mehr Wert kann in einer Volkswirtschaft generiert werden. (Boom)

    Je weniger gespart wird, desto weniger kann investiert werden, was natürlich zur Folge hat, dass weniger Wertschöpfung erfolgt. (Depression)


    Grüße,
    Chris

    Zitat von John Maynard Keynes:

    "Solange die Nationalökonomen leben, nimmt niemand von ihnen Notiz, und wenn sie tot sind, richten sie großen Schaden an." :D

  • Acme-2
    Neuer Benutzer
    Beiträge
    1
    • 17. Juni 2005 um 18:46
    • #7

    auch wenn das thema schon alt ist und es sowieso niemand mer liest wollte ich doch mal anmerken das ich nicht die gleiche meinung vertrete wie oeconomikus. an sich hat er zwar recht doch wenn er behauptet das bei gründung der brd die frage mit ja und in den 70ern die frage mit nein beantwortet worden währe
    ist ihm glaube ich ein fehler unterlaufen da es meinermeinung nach genau anders herum gewesen währe.
    durch schulden machen arbeitslosigkeit zu veringern währe zu beginn der brd keineswegs zur debatte gestanden da adenauer und erhard eher neoklassisch waren, und die arbeitslosigkeit, genau wie die verschuldung und staatsquote damals noch sehr gering war. ganz im gegensatz zu brand in den `70 der die ölpreisschocks und die daraus resultirende arbeitslosigkeit mit massiven staatlichen investitionsprogrammen wieder unter kontrolle brachte, zu lasten der schulden die damals rapide anstiegen.

    auch das der bk schröder zu beginn neoklassisch regierte und nun seit einigen monaten eher kaynes folgt halte ich für fragwürdig.
    ich erinnere nur an lafontaine der zu beginn schröders amtszeit finanzminister war der nun ein linksbündis mit der pds gründet. neoklassisch kann man ihn wohl kaum nennen, für ihn wären staatsschulden für niedrigere arbeitslosigkeit kein problem gewesen
    als er zurücktrat folgte ihm hans eichel. alias der eiserne hans. er begann den neoklassischen sparkurs der bundesregierung, den sie zwar nun nicht mehr ganz so streng nehmen aber hartz 4 ist auf jedenfall nicht im sinne von kaynes !

    falls hier noch mal darüber geredet wird oder ich doch nur schwachsinn gelabert habe würde ich mich über eine mail an : acme-2 @web.de freuen
    mgf andy

  • Oeconomicus
    Erfahrener Benutzer
    Beiträge
    187
    • 17. Juni 2005 um 21:45
    • #8

    Wunderbar, es scheint sich ja mal ein Ansatz einer Diskussion in dem Thread breit zu machen. :D

    Hier noch mal die Ausgangsfrage:

    Zitat

    Sollte der Staat wegen der hohen Arbeitslosigkeit Arbeitsplätze zu Lasten des Haushaltsdefizits schaffen?

    Es ging nicht darum, was in der Realpolitik vor sich geht respektive ging, sondern ob der Staat es tuen sollte. Daraufhin habe ich die ökonomischen Dogmen widergegeben, die in den jeweiligen Jahren einschlägig waren.

    Es ging also in meinem Text nicht darum, ob die Politik in der Vergangenheit zu Adenauers Zeiten danach handelte. Somit falsifiziert deine Kritik, wie es in der Realpolitik damals zuging, meine Aussagen nicht.

    Das einzige worauf ich mich festnageln lasse ist meine Aussage zu unserem derzeit noch amtierenden Bundeskanzler und seine grundssätzliche Ausrichtung der Politik.

    Zitat

    auch das der bk schröder zu beginn neoklassisch regierte und nun seit einigen monaten eher kaynes folgt halte ich für fragwürdig.

    Meine Aussage lautete um mich mal selbst zu rezitieren " eher neoklassisch " und nicht neoklassisch. Wenn man von neoklassisch in diesem Themenzusammenhang spricht ist sind grundsätzliche Liberalisierungstendenzen damit gemeint, wie man an der Hartz-Gesetzgebungen, Privratisierungen, weitreichende Haushaltskonsolidierungen...usw.

    Zitat

    ich erinnere nur an lafontaine der zu beginn schröders amtszeit finanzminister war der nun ein linksbündis mit der pds gründet. neoklassisch kann man ihn wohl kaum nennen, für ihn wären staatsschulden für niedrigere arbeitslosigkeit kein problem gewesen
    als er zurücktrat folgte ihm hans eichel.

    Nun rate einmal, warum unser ehemaliger Bundesfinanzminister im März 1999 seinen Rücktritt erklärt hat. ;) Genau, weil er primär nicht mit Schröders eher tendeziell liberalen Finanz- und Wirtschaftsansichten leben konnte, denn Lafontaine ist wohl das absolute Gegenteil von neoliberal. Somit wäre eine weiterer Kritikpunkt widerlegt.

    Zitat

    Eichel begann den neoklassischen sparkurs der bundesregierung, den sie zwar nun nicht mehr ganz so streng nehmen aber hartz 4 ist auf jedenfall nicht im sinne von kaynes !

    Genau, in letzter Zeit wird der von Schröder am Anfang seiner Regierungszeit vorgegebene Sparkurs nicht mehr ganz so eng genommen, was unter anderem ein Blick auf die Nettokreditaufnahme des Bundes seit 2001 belegt. Die Kreditaufnahme (Verschuldung) wurde wieder weiter hochgefahren, was man als antizyklisch im Hinblick auf unsere wirtschaftsliche Situation seit 2001 ansieht. Zudem hatte BK Schröder Anfang 2003 (14. März) und 2004 weitere "Konjunkturprogramme" (Zitat Schröder) angekündigt.

    Was ich noch kurz ganz Allgemein anführen will ohne jeglichen Bezug zu deinen Aussagen ist , dass man unter Keynes nicht nur "deficit spending" verstehen sollte und es grundsätzlich nur um tendenzen geht, da noch kein Kanzler auch nur im entferntesten Sinne nach Keynes gehandelt hat, da man darunter nicht nur die Schuldenaufnahme in Krisen versteht, sondern auch das zurückzahlen dieser in Boomphasen!

    Würde gerne noch ein bißchen ausführlicher auf deine Aussagen eingehen, dazu fehlt mir allerdings momentan die Zeit.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Chriostian

    Zitat von John Maynard Keynes:

    "Solange die Nationalökonomen leben, nimmt niemand von ihnen Notiz, und wenn sie tot sind, richten sie großen Schaden an." :D

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