Hey Tim, deine Überlegung ist genau richtig, du hast das Prinzip schon verstanden, nur traust du dich selbst nicht so ganz 😄
Die Varianz ist quasi die "Rechengröße", die Standardabweichung die "Interpretationsgröße". Beispiel: Du misst Größen in cm, dann ist die Varianz in cm² angegeben – und ehrlich, wer hat eine Intuition dafür, was "25 cm² Streuung" bedeuten soll? Die Wurzel daraus, also 5 cm, kannst du dagegen direkt mit deinem Mittelwert vergleichen ("Die Leute sind im Schnitt 170 cm groß, ±5 cm"). Das ist der ganze Sinn: gleiche Einheit wie die Ursprungsdaten, dadurch anschaulich und direkt interpretierbar.
Zu deiner dritten Vermutung: Ja, genau so ist es. Die Varianz ist vor allem rechnerisch wichtig, weil sie sich viel angenehmer handhaben lässt:
- Varianzen sind additiv (bei unabhängigen Variablen), Standardabweichungen nicht.
- In der Wahrscheinlichkeitsrechnung, bei Verteilungen (z.B. Normalverteilung mit σ²), bei Tests (Varianzanalyse, t-Tests) und bei Herleitungen brauchst du fast immer die Varianz als Baustein.
Faustregel von mir: Rechnen mit Varianz, Interpretieren mit Standardabweichung. In der Klausur wird meistens am Ende nach der Standardabweichung als "Endergebnis" gefragt, aber der Rechenweg führt eigentlich immer über die Varianz. Klassischer Fehler übrigens: Leute vergessen am Ende die Wurzel zu ziehen und geben die Varianz als Streuungsmaß an – pass da auf, das wird gern angestrichen.