Gute Frage – das ist die Stelle, an der Statistik von „Formel einsetzen“ zu „verstehen, was man da tut“ wird. Der Trick ist, sich klarzumachen, dass beide Fehler an derselben Entscheidungsgrenze hängen.
Stell dir eine Zahlengerade mit deiner Teststatistik vor. Du legst einen Punkt fest (den kritischen Wert): rechts davon lehnst du H0 ab, links davon behältst du sie.
- α (Fehler 1. Art) = die Wahrscheinlichkeit, dass du rechts landest, obwohl H0 wahr ist. Das ist genau dein Signifikanzniveau – du legst es vorher selbst fest.
- β (Fehler 2. Art) = die Wahrscheinlichkeit, dass du links landest, obwohl H1 wahr ist.
Und jetzt kommt der Punkt: Wenn du α von 5 % auf 1 % senkst, verschiebst du die Grenze nach rechts. Der Ablehnbereich wird kleiner. Damit landest du seltener fälschlich im Ablehnbereich – aber eben auch dann seltener, wenn H0 tatsächlich falsch ist. β steigt also automatisch. Ein Schieberegler, zwei Enden: ziehst du an einem, geht das andere hoch.
Die Güte (Macht, engl. power) ist einfach 1 − β: die Wahrscheinlichkeit, einen tatsächlich vorhandenen Effekt auch zu finden. Ein Test mit α = 0,1 % ist super darin, keine falschen Alarme zu schlagen, und gleichzeitig ziemlich blind für echte Unterschiede.
Es gibt aber einen Ausweg, und den will die Aufgabe meistens hören: Beide Fehler zusammen sinken, wenn du den Stichprobenumfang n erhöhst. Mehr Daten machen die Verteilung schmaler, damit rücken die beiden Fehlerbereiche auseinander, ohne dass du α antasten musst. n ist der einzige Hebel, der nicht auf Kosten der anderen Seite geht – neben einem größeren echten Effekt, den du dir aber nicht aussuchen kannst.
Merksatz fürs Heft: α wählst du, β handelst du dir ein, n kaufst du dir frei.