Hallo Sara, das Thema hatte ich im Projektmanagement-Modul auch als Fallstudie, daher kurz meine Einschätzung.
Für dein Beispiel (Prozesseinführung in einer Bankfiliale) würde ich mir die Anforderungsstabilität als zentrales Abgrenzungskriterium anschauen. Klassische Methoden funktionieren gut, wenn du zu Beginn schon weißt, wie der Zielprozess am Ende aussehen soll und die Umsetzung vor allem eine Frage der sauberen Planung und Reihenfolge ist. Bei Bankprozessen kommt oft noch die regulatorische Seite dazu - wenn Compliance-Vorgaben feststehen, ist das eher ein Argument für klassisch.
Die Vorteile von agilen Methoden liegen aber genau da, wo diese Stabilität fehlt:
- Flexibilität: Anforderungen können nach jedem Sprint angepasst werden, ohne dass gleich der ganze Projektplan umgeworfen wird
- schnelles Feedback: durch kurze Zyklen merkst du früh, ob der neue Prozess in der Praxis überhaupt funktioniert, bevor viel Aufwand investiert wurde
- bessere Einbindung der Mitarbeitenden: gerade bei Prozessänderungen, die Akzeptanz brauchen, hilft iteratives Vorgehen, weil Betroffene laufend Rückmeldung geben können
Als Argumentationslinie in der Arbeit würde ich empfehlen: nicht "agil vs. klassisch" als Dogma behandeln, sondern anhand von Kriterien wie Komplexität, Unsicherheit und Stakeholder-Einbindung abwägen. Hybride Ansätze sind in der aktuellen PM-Literatur durchaus anerkannt, also kein Vermeidungsgrund, sondern eher ein Zeichen für differenzierte Betrachtung.