Spannender Thread – ich ergänze die Finanzierungssicht, weil Leasing im Studium fast immer als Bilanzthema behandelt wird, in der Praxis aber eine Finanzierungsentscheidung ist.
Leasing ist ökonomisch ein Kreditsubstitut: Du zahlst über die Laufzeit Zins und Marge des Leasinggebers, nur eben als Rate statt als Annuität. Deshalb ist der einzig saubere Vergleich der Barwertvergleich – alle Zahlungen beider Alternativen auf denselben Stichtag abzinsen (Raten, Sonderzahlung, Restwert, Kaufpreis, Steuerwirkung von AfA bzw. Rate). „Rate gegen AfA“ nebeneinanderzustellen ist der Klassiker, der in die Irre führt, weil er den Zeitwert ignoriert.
Zwei Punkte, die in der Bankpraxis über die Entscheidung mitbestimmen:
- Rating: Die „bilanzneutrale“ Optik beim Operating-Leasing zieht bei Banken kaum noch. Wir rechnen Leasingverpflichtungen in der Bilanzanalyse ohnehin zurück in die Verschuldung. Seit IFRS 16 steht das ohnehin als Nutzungsrecht plus Leasingverbindlichkeit drin – der EK-Quoten-Trick funktioniert also nur noch im HGB-Einzelabschluss, und auch da nur optisch.
- Restwert- und Andienungsrisiko: Beim Restwertleasing trägst du faktisch das Verwertungsrisiko am Ende. Wenn der kalkulierte Restwert zu hoch angesetzt ist, sieht die Rate im Vergleich toll aus – die Rechnung kommt dann am Laufzeitende.
Wofür Leasing dagegen wirklich stark ist: Liquidität schonen und Kreditlinie freihalten. Für ein junges Unternehmen kann es klar besser sein, 30.000 € nicht auf einmal zu binden, auch wenn es über die Laufzeit ein paar Prozent teurer ist. Das ist dann keine Rechenschwäche, sondern eine bewusst bezahlte Flexibilitätsprämie.