Der Teil mit den Handlungsempfehlungen ist eigentlich der einfachere – wenn man sich klarmacht, worum es wirtschaftlich geht: Aufmerksamkeit ist eine knappe Ressource. Jede Bestellung, jede Preisverhandlung, jede Inventurzählung kostet Arbeitszeit. Die ABC-Analyse beantwortet die Frage, wo sich dieser Aufwand lohnt.
Daraus lässt sich fast alles ableiten:
- A-Teile: hier steckt das Geld. Genaue Bedarfsplanung (programmgebunden statt Schätzung), intensive Preisverhandlungen und Rahmenverträge, mehrere Lieferanten, kleine Sicherheitsbestände und häufige Lieferungen, permanente Bestandsüberwachung. Ein Prozent Preisnachlass auf ein A-Teil bringt mehr als jede Verhandlung im C-Bereich.
- B-Teile: mittlerer Aufwand, meist regelbasiert.
- C-Teile: hier kostet die Bearbeitung schnell mehr, als das Material wert ist. Also: Bestellrhythmus statt Einzelentscheidung, größere Losgrößen, höhere Sicherheitsbestände (die binden kaum Kapital), einfache Verbrauchssteuerung wie das Zwei-Behälter-System, Sammelbestellungen, Vereinfachung der Prüfung.
Ein Merksatz für die Klausur: Bei A-Teilen optimiert man den Materialwert, bei C-Teilen die Prozesskosten. Deshalb sind die Empfehlungen gegenläufig – hoher Sicherheitsbestand ist bei A ein Fehler und bei C vernünftig.
Rechnerisch dahinter steht die Kapitalbindung: Lagerbestand ist gebundenes Kapital, das Zinsen kostet und Lagerkosten verursacht. Wenn 80 % des Wertes in 20 % der Positionen stecken, senkst du die Kapitalbindung fast ausschließlich über diese 20 %.