Beide Fragen sind gut, und die Antwort auf die erste erklärt schon die Hälfte deines Gefühls 🙂
1. Wie die Zahl entsteht. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein Preisindex nach Laspeyres. Das heißt: Es wird ein fester Warenkorb definiert (rund 700 Güterarten), und dann wird gemessen, was derselbe Korb heute kostet im Vergleich zum Basisjahr:
- Index = (Wert des Korbs zu heutigen Preisen ÷ Wert desselben Korbs zu Basisjahrpreisen) × 100
- Basisjahr = 100. Ein Index von 112 heißt also: 12 % teurer als im Basisjahr.
- Die Inflationsrate ist nicht der Index selbst, sondern seine Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat.
Wichtig für die Klausur: Die Mengen im Korb bleiben fest, nur die Preise ändern sich. Genau das macht den Index vergleichbar – man misst reine Preisentwicklung, nicht verändertes Kaufverhalten.
2. Warum sich das anders anfühlt. Das ist kein Messfehler, sondern das Wägungsschema. Jedes Gut geht mit seinem Anteil an den Gesamtausgaben eines Durchschnittshaushalts ein, nicht mit der Einkaufshäufigkeit. Wohnen und Energie haben deshalb ein sehr hohes Gewicht, Butter ein winziges.
Wir nehmen Preise aber dort besonders stark wahr, wo wir oft hinschauen: Lebensmittel, Tanken, Café. Die Miete geht einmal im Monat per Dauerauftrag raus – die „sieht“ man kaum. Deshalb liegt die gefühlte Inflation fast immer über der gemessenen. Dazu kommt: Dein persönlicher Warenkorb ist nicht der Durchschnittskorb. Wer kein Auto hat, aber viel Miete zahlt, hat eine ganz andere persönliche Rate.