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Fakten über Deutschland

  • Oeconomicus
  • 19. Mai 2005 um 13:04
  • Erledigt
  • Oeconomicus
    Erfahrener Benutzer
    Beiträge
    187
    • 19. Mai 2005 um 13:04
    • #1

    Hey Leute,

    Ich möchte euch mal an einem super Beitrag aus dem Spiegel.de Forum teilhaben lassen:


    Zitat


    Lüge1:"Wir leben über unseren Verhältnissen"

    Wenn wir über unseren Verhältnissen leben würden, müßte unsere Leistungsbilanz negativ sein. Seit 2001 ist diese allerdings positiv, wir bauen demnach Forderungen gegenüber dem Ausland auf. Diese Lüge ist gefährlich, weil sie zu dem Knausern führt, das die Inlandsnachfrage seit langem so schwächt. Wahr ist aber, dass wir nicht über, sondern unter unseren Verhältnissen leben.

    Lüge2: "Wir sind die Verlierer der Globalisierung"

    Das mag vielleicht auf dem Finanzmarkt stimmen, aber nicht am Gütermarkt. Wahr ist vielmehr, dass kaum ein Land außer Deutschland so stark davon profitiert: Der Exportanteil der BRD am Weltmarkt ist seit 2000 um einen ganzen Prozentpunkt gestiegen, so stark innerhalb von 4 Jahren wie zuvor nur 1985-1990. (Qelle: Statistik des IWF) Der Export schuf in den lezten Jahren ein zusätzliches Wachstum von 1,2%.

    Lüge3: "Die Basarökonomie"

    Manche Wissenschafter behaupten, dass dies nur deshalb so sei, weil wir Waren, die wir zuvor aus dem Ausland kaufen, gleich wieder exportieren. Wäre dies wahr, müßten unsere Importe in den letzten Jahren ähnlich starkgewachsen sein, wie die Exporte. Von 1999 bis 2004 erhöhten sich die Exporte um 151 Mrd. Euro, die Importe aber nur um 29 Mrd. Euro.

    Lüge4: "Deutschland ist für Investorern unattraktiv"

    Deutschland lag 2003 (LETZTVERFÜGBERE sTATISTIk, Quelle: OECD) auf dem 5. Platz, was Auslandsinvestitionen betraf, vor dem angeblich so attraktiven Großbritannien. Sieht man sich den Saldo der Investitionen an (Investitionen der Ausländer im Inland - Investitionen der Inländer im Ausland, so hat Deutschland den 2besten Wert hinter Irland: +45Mrd Dollar.

    Lüge5: "Wir sind nicht wettbewerbsfähig"

    Laut dem World Competitiveness Report liegt die BRD innerhalb der EU-25 auf dem 5. Platz, vor Großbritannien und weit vor den Billiglohnländern Tschechien, Polen, usw., die den Schluß bilden. Die Anzahl der neuen Patente pro Einwohner ist höher als in den meisten anderen Industriestaaten, Deutschland liegt hier weltweit am 8. Platz und meldet doppelt so viele (137) Patente als GB (64 Patente) Überall, wo die Inlandsnachfrage dynamisch ist, finden deutsche Produkte leicht einen Abnehmer, das einzige Problem ist die BRD selbst mit ihrer schwachen Inlandsnachfrage.

    Lüge6: "Die Steuern sind zu hoch"

    Die Abgabenquote der BRD (Steuern und Sozialabgaben) betragen 43% des BIP und liegen damit unter dem Durchschnitt der EU-Länder. In Frankreich liegt die Abgabenquote um 4 Prozent höher als bei uns, trotzdem entwickelt sich die Wirtschaft dort positiver; wohingegen die japanische Abgabenquote seit langem unter 30%liegt und die Wirtschaft trotzdem ein Jahrzehnt darniederlag. Die deutsche Steuerquote am BIP betrug letztes Jahr 22%, es war die niedrigste der EU. Das tröstet aber unsere Arbeintnehmer nicht, denen der Staat immer mehr wegfuttert: Das stimmt, und es liegt daran, dass der Staat sich überwiegend über den Arbeinehmer finanziert. Lohn und Verbrauchssteuern machten 1970 noch 69% der Einnahmen aus, wohingegen Kapital und Gewinne 31% der Einnahmen ausmachten, heute heißt das Verhältnis 85:15.

    Lüge7: "Wir arbeiten zu wenig"

    Das beruht aauf einer OECD-Statistik, laut der wir nur 1323 Stunden pro Jahr arbeiten, am 2.wenigsten in der Welt. Allerdings: Die Statistik kann nicht für Vergleiche herangezogen werden, da die große Verbreitung von Teilzeitarbeit hier nicht berücksichtigt wurde. Wenn man sich die Stundenanzahl der Vollzeitkräfte, also den einzigen int. vergleichbaren We´rt ansieht, arbeiten wir 1760 Stunden pro Jahr und liegen damit im europ. Mittelfeld.

    Alles anzeigen

    Denke es wird den ein oder anderen mal interessieren, da diese "Polemik" ja schon teilweise fester Bestandteil unserer Medienkultur geworden ist.


    Grüße,
    Christian :D

    Zitat von John Maynard Keynes:

    "Solange die Nationalökonomen leben, nimmt niemand von ihnen Notiz, und wenn sie tot sind, richten sie großen Schaden an." :D

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  • Markus
    Erfahrener Benutzer
    Beiträge
    6.920
    • 20. Mai 2005 um 11:47
    • #2

    Hierzu auch noch einmal ein paar nette Zitate zur aktuellen Heuschreckenkapitalismusdebatte. Das dieses Land Spitzenklasse im Bereich des Neides und der Missgunst ist sollte aber auch festgehalten werden. Punkt 1 in deinem Beitrag zeigt es ja deutlich, Jammern auf höchstem Niveau, der große Vorteil den man sich im UK z.B. abschauen kann ist einfach, dass dort weniger geredet und mehr gehandelt wird. Man sollte einen kleinen Funken Trägheit ablegen :)

    „Wenn Deutschland sich nicht neu erfindet, werden multinationale Unternehmen ihre Investitionen anpassen – wie einige es bereits tun.“ (Fred Irwin, Präsident der US-Handelskammer in Deutschland)

    „ImAusland verstehen die Menschen nicht, was hier passiert.“ (Ulrich Lehner, Henkel)

    „Deutschland fällt jetzt wieder auf die alte Politik des Neides zurück.“ (Wall Street Journal)

    „Bei der deutschen Diskussion geht es um Neid.“ (Financial Times)

    „Morgen sind es die mittelgroßen, übermorgen die kleinen Unternehmen, auf die draufgehauen wird. Heute sind 25 Prozent Rendite unmoralisch, morgen vielleicht 15 und demnächst schon 10 Prozent.“ (Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels)

    „Es ist naiv zu glauben, dass Politik Arbeitsplätze verordnen oder dass Politik dem internationalen Kapital vorschreiben könne, wo es wie zu investieren habe.“ (Hans-Joachim Körber, Metro)

    „Auf betrieblicher Ebene ist Deutschland mittlerweile sehr flexibel geworden, auf politischer leider nicht.“ (Helmut Panke, BMW)

    „Viele genießen die Vorzüge der Marktwirtschaft, scheuen sich aber vor ihrem Leistungsdruck.“ (Martin Kannegiesser, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall)

    „Einzelnes Fehlverhalten einiger Manager wird benutzt, um gegen die Unternehmerschaft insgesamt vorzugehen.“ (Heinrich Weiss, SMS)

    „Naiv ist der Glaube, man könne unser ‚kapitalistisches‘ Wirtschaftssystem grundsätzlich infrage stellen.“ (Wulf Bernotat, E.On)

    „Niemand wird ernsthaft wollen, dass wir uns als eine vom Welthandel extrem stark abhängige Exportnation aus der offenen Weltwirtschaft verabschieden.“ (Franz Fehrenbach, Bosch)

    „In der gegenwärtigen Debatte werden elementare wirtschaftliche Zusammenhänge nicht beachtet.“ (Nikolaus von Bomhard, Münchner Rück)

    „Die Deutschen machen alles gründlich, auch ihre Krisen.“ (Karl-Heinz Grasser, österreichischer Finanzminister)

    Viele Anspruchsgruppen, eine Meinung, irgendwann werdens andere vielleicht auch verstehen ;)

    H.v. Pierer zur Sinnlos-Debatte:

    (...)
    Heute beherrscht die Antikapitalismus-Debatte unser Land: Da geht es nicht mehr um Sympathie für tatsächlich oder vermeintlich Unterdrückte und vom Wohlstand ausgeschlossene Länder und Völker. Nein. Jetzt geht es um uns selbst: Die Verteidigung unseres Status quo gegen die Sogkraft von Ländern, die ihre Standortvorteile in der globalisierten Welt von heute geltend machen. Vorbei ist es mit der Solidarität für Benachteiligte in der südlichen Hemisphäre und anderswo. Entwicklungs- und Schwellenländer, die heute ihre Kosten- und Standortvorteile in die Waagschale werfen und uns damit Probleme machen, werden eines Besseren belehrt: Die Welt soll unsere Gesetze, Tariflöhne, Arbeitsmarktstandards annehmen oder uns gestohlen bleiben.
    (...)

    (...)
    Wir sollten uns im Gegenteil auf das besinnen, was wir selbst immer beansprucht haben und was uns über Jahrzehnte groß gemacht hat: Deutschland – so sagen wir – ist ein weltoffenes Land. Aber machen wir einen Unterschied,wenn jemand hier investieren, Geld anlegen, Unternehmen kaufen, vielleicht sogar sanieren will? Wollen wir den nicht? Oder nur einige von denen nicht? Private-Equity-Gesellschaften nicht, andere vielleicht doch? Und wer entscheidet darüber überhaupt? Das kann doch alles nicht unser Ernst sein! Deutschland – so sagen wir – ist ein großer Nutznießer offener Märkte. Viele – auch viele Gewerkschafter – weisen unverdrossen darauf hin, wir seien Exportweltmeister. Das sind wir aber nur, weil andere unsere Waren in ihr Land lassen, also ihre Märkte für uns offen halten.
    (...)

    (...)
    Und wir sollten auch zur Kenntnis nehmen, dass deutsche Unternehmen in vielen ihrer Auslandsmärkte in derselben Situation sind: Dort fallen Gewinne an, dort erwartet der Fiskus Steuern und auch dort gibt es klare Vorstellungen von local content und Verhaltensweisen als Corporate Citizen. Wer 90 Prozent seines Gewinns außerhalb Deutschlands macht, der wird nicht 100 Prozent dieses Gewinns in Deutschland versteuern.
    (...)

    Just some cents.

    Gruß
    Markus

    I don't always know what I'm talking about but I know I'm right!


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