Zum „beurteilen“ noch die Methode, weil das der Teil ist, der die Note macht. Beurteilen heißt: Kriterien festlegen, an diesen Kriterien vergleichen, abwägen, entscheiden. Wer nur Vor- und Nachteile untereinander schreibt, hat beschrieben, nicht beurteilt.
Ich würde dafür fünf Kriterien nehmen, die immer passen:
- Koordinationsaufwand – wie viel Abstimmung erzeugt die Struktur von selbst?
- Entscheidungsgeschwindigkeit – wie viele Instanzen liegen zwischen Problem und Entscheidung?
- Spezialisierungsvorteile – wird Fachwissen gebündelt oder verteilt?
- Klarheit von Zuständigkeit und Verantwortung – gibt es eine eindeutige Adresse für ein Ergebnis?
- Führbarkeit und Motivation – was macht die Struktur mit den Leuten, die darin arbeiten?
Dann schreibst du nicht „Matrix hat den Nachteil Doppelunterstellung“, sondern: „Die Matrix erhöht den Koordinationsaufwand deutlich (Kriterium 1) und schwächt die Verantwortungsklarheit (Kriterium 4), gewinnt aber bei Marktnähe und Ressourcennutzung. Für einen Mittelständler mit knapper Führungskapazität überwiegen die Nachteile, sofern es keine echte Projektsteuerung gibt.“ Das ist eine Beurteilung.
Zwei Bausteine, mit denen du zusätzlich punktest:
- Situationsbezug (situativer Ansatz): Es gibt keine per se beste Struktur. Maßgeblich sind Größe, Produktvielfalt, Dynamik des Umfelds und die verfügbaren Führungskräfte. Der klassische Merksatz dazu ist Chandlers „structure follows strategy“ – die Organisation folgt dem, was das Unternehmen erreichen will.
- Leitungsspanne und Leitungstiefe: Viele Mitarbeiter je Führungskraft (große Spanne) ergibt eine flache Struktur mit kurzen Wegen, aber weniger Führungsintensität; wenige ergeben eine steile Struktur mit engerer Führung und langen Instanzenwegen. Damit kannst du jede Struktur-Frage zusätzlich differenzieren.
Ganz praktisch: Skizziere ein kleines Organigramm zu deiner Empfehlung. Das kostet zwei Minuten, macht deine Argumentation überprüfbar und wird in Einsendeaufgaben fast immer positiv angemerkt. Beschrifte dabei die Weisungslinien – bei der Matrix die beiden Linien deutlich unterscheidbar, sonst sieht man den Kern der Sache nicht.
Und der Satz, mit dem du schließen kannst, weil er in der Praxis genau so gilt: Eine Struktur löst keinen Konflikt, sie legt nur fest, wo er ausgetragen wird.