Sehr gute Zusammenstellung hier – ich ergänze eine Verwechslung, die mir im Studium selbst passiert ist und die in Klausuren richtig teuer wird: BCG-Matrix und Ansoff-Matrix sind nicht dasselbe, obwohl beide Vier-Felder-Darstellungen sind und beide mit Strategie zu tun haben.
- BCG ist eine Portfolio-Analyse: Sie beschreibt den Ist-Zustand der vorhandenen Produkte anhand von Marktwachstum und relativem Marktanteil und leitet daraus Normstrategien für den Mitteleinsatz ab.
- Ansoff ist eine Wachstumsstrategie-Matrix: bestehende bzw. neue Produkte × bestehende bzw. neue Märkte, also Marktdurchdringung, Marktentwicklung, Produktentwicklung, Diversifikation. Sie sagt nichts über die aktuelle Position, sondern über die Stoßrichtung.
Merksatz: BCG fragt „Wo stehen wir, und wohin fließt das Geld?“, Ansoff fragt „Wo wollen wir wachsen?“. Wenn eine Aufgabe nach Handlungsempfehlungen für ein Question Mark verlangt, ist die saubere Antwort oft eine Kombination – BCG liefert die Diagnose, die konkrete Wachstumsrichtung beschreibt man mit Ansoff.
Aus der Praxis noch zwei Dinge zu den Normstrategien, die gern als „Nehmen Sie kritisch Stellung“ auftauchen. Erstens sind es Empfehlungen unter der Annahme knapper Mittel: Wenn Geld da ist, muss man einen Poor Dog nicht abstoßen, solange er einen positiven Deckungsbeitrag liefert. Zweitens gibt es fast immer Verbundeffekte – Produkte, die für sich betrachtet uninteressant sind, halten Kunden im Sortiment oder sichern Serviceverträge und Ersatzteilgeschäft. Beides in einem Satz zu erwähnen, hebt die Antwort deutlich über das reine Einordnen der Punkte hinaus.