Der Unterschied, der alles erklärt: Eine normale Einsendeaufgabe prüft Wissen, eine Fallaufgabe prüft Transfer. Bewertet wird also nicht, ob du die Theorie kennst, sondern ob du sie auf diesen Sachverhalt anwenden kannst. Deshalb ist „erst Theorie, dann irgendwie Fall“ der häufigste Punkteverlust überhaupt – da entsteht ein Lehrbuchreferat mit angeklebtem Schluss.
Mein Ablauf, der sich bewährt hat:
- Rückwärts anfangen: zuerst die Teilaufgaben lesen, dann erst den Sachverhalt. Du weißt dann beim Lesen schon, wonach du suchst.
- Operatoren markieren: „nennen“, „erläutern“, „berechnen“, „beurteilen“, „empfehlen“ – jeder verlangt eine andere Textform. Ein „beurteilen“, das nur beschreibt, verliert die Hälfte der Punkte, egal wie richtig der Inhalt ist.
- Sachverhalt ausschlachten: Zahlen, Daten, Namen, Fristen in eine kleine Tabelle. Was ist gegeben, was ist gesucht, was fehlt? In Fallaufgaben ist praktisch jede genannte Zahl irgendwo relevant – wenn du eine übrig hast, hast du meist eine Teilaufgabe unvollständig bearbeitet.
- Theorie dosieren: nur so viel, wie du zur Begründung brauchst, und immer direkt mit dem Fall verzahnt („Da die Maschine ausschließlich für Auftrag B angeschafft wurde, sind die Kosten …“).
- Ergebnis + Empfehlung mit klarer Aussage. Ein „es kommt darauf an“ ohne Festlegung wirkt wie Ausweichen.
Als Faustregel für den Umfang nimm wieder die Punkte: ungefähr ein bis zwei Sätze je Punkt, Rechenteile natürlich mit Rechenweg. Vier Teilaufgaben mit je 10 Punkten heißt nicht „so viel wie möglich“, sondern viermal ungefähr gleich viel.