Ich ergänze die Sicht aus dem Betrieb, weil man daran am besten sieht, warum Ökonomen so auf Preisinstrumenten beharren.
Bei uns hängt an jeder Vermeidungsmaßnahme eine Zahl: Euro pro eingesparter Tonne. Abwärmenutzung liegt vielleicht bei 30 €/t, ein Anlagentausch bei 90 €/t, die Umstellung eines Prozesses bei 400 €/t. Sobald es einen Preis pro Tonne gibt, ist die Reihenfolge automatisch klar: Alles, was billiger ist als dieser Preis, wird umgesetzt, alles Teurere nicht. Genau das ist der Vorteil gegenüber einer Vorschrift – die Vermeidung passiert dort, wo sie am günstigsten ist, und der Staat muss gar nicht wissen, wo das ist.
Der Vergleich, der in Klausuren gefragt wird, geht so:
- Ordnungsrecht (Auflage, Grenzwert): wirkt sicher und ist gut kontrollierbar, aber jeder Betrieb muss dasselbe tun, egal ob es ihn 30 oder 400 € je Tonne kostet. Volkswirtschaftlich ist das teurer als nötig – das Ziel wird nicht mit den geringstmöglichen Gesamtkosten erreicht.
- Preis- oder Mengeninstrument: erreicht dasselbe Ziel günstiger und wirkt zusätzlich dynamisch: Wer einen Grenzwert eingehalten hat, hat keinen Grund mehr, weiterzumachen. Wer für jede Tonne zahlt, hat auch darüber hinaus einen Anreiz, besser zu werden.
Zwei Punkte für die Bewertungsdiskussion, die man kennen sollte: Erstens wirken solche Abgaben regressiv – sie belasten kleine Einkommen anteilig stärker, weil Heizen und Fahren dort einen größeren Budgetanteil ausmachen. Deshalb wird eine Rückverteilung der Einnahmen (Pauschale pro Kopf, Senkung anderer Abgaben) immer mitdiskutiert; die Lenkungswirkung bleibt dabei erhalten, weil der Preis an der Zapfsäule unverändert ist. Zweitens gibt es das Carbon-Leakage-Problem: Wenn nur eine Region bepreist, kann Produktion abwandern, statt sauberer zu werden – das Instrument braucht also eine Antwort an der Grenze, sonst verschiebt es die Emissionen nur.
Merksatz für den Schluss einer Aufgabe: Nicht der Markt ist das Problem, sondern der fehlende Preis. Umweltpolitik heißt vor allem, diesen Preis herzustellen.