[Österreich] Wie teuer (darf) kann Webdesign sein?

    • Offizieller Beitrag

    [Österreich] Wie teuer (darf) kann Webdesign sein?


    Während in Deutschland Themen wie Wirtschaftslage, Daniel Küblböck, Dieter Bohlen und Formel 1 aktuell sind, redet ganz Österreich nur noch über eine Website, insbesondere über die Kosten für deren Erstellung. Die Frage, wieviel eine private Homepage eigentlich kosten könne, beschäftigt inzwischen sogar schon das Parlament.


    Karl-Heinz Grasser hat eine Website [1]. Dort ist er abgebildet mit seinem Patenkind beim Schaukeln, mit Hansi Hinterseer und dem Kitzbühler Skiclub, beim Golfen, beim Drink im Freien, mit kurzen und mit langen Haaren. Wir erfahren etwas über seinen Lebenslauf und über seine Arbeit. Zunächst nichts ungewöhnliches, für eine Privatperson jedoch ein sehr aufwendiges Webdesign. Das alles wäre eigentlich seine Privatsache – wenn es nicht gerade der österreichische Bundesfinanzminister [2] wäre, um den es dabei geht.



    Websites für Politiker sind nichts neues und auch nicht verwerflich, wenn die Finanzierung des Entwurfes nachvollziehbar ist. Für gewöhnlich kommt das Geld von den jeweiligen Parteien wie beispielsweise bei der Site von Gerhard Schröder [3] oder der von Edmund Stoiber [4]. Bei Grasser ist das anders. Dort steht der „Verein zur Förderung der New Economy“ dahinter. Dieser Verein besteht jedoch ausschließlich aus Mitarbeitern des Büros von Grasser. Somit öffentliche Bedienstete, die im privaten Bereich des Minister tätig sind. Auch bei einer Abfrage des Domaininhabers [5] wird man auf eine Mailadresse des Ministeriums stoßen. Antwortmails von der Site kamen vom Ministerium und auch die Kosten für den Versand von Werbekarten sollen von dort bezahlt worden sein.


    Bleibt die Frage, woher die Gelder stammen, mit der der Verein das vom Unternehmen Martrix [6] erstellte Design finanziert hat. Nachdem die oppositionelle SPÖ am 13.06.03 im Parlament das Thema zur Sprache brachte und auch die Grünen [7] einen umfangreichen Fragenkatalog vorlegten, meldete sich drei Tage später die österreichische Industriellenvereinigung [8] und erklärte, man habe dem Verein insgesamt 220.000 Euro überwiesen, davon waren zweimal 75.000 Euro für die Website bestimmt.


    Der Name Grasser sorgte im Internet bereits im vergangenen Jahr für Schlagzeilen, als eine an die "sehr geehrten Österreicherinnen und Österreicher" gerichtete Mail [9] sich mit dem Thema Beschaffung von Abfangjägern für das österreichische Militär sowie um die Bezüge von Beamten beschäftigte. Die Mail wurde über einen brasilianischen Provider an zahlreiche Haushalte verschickt und umgehend vom Ministerium dementiert. Dieses Dementi wurde dann bei weiteren Fake-Mails sogar vorab bereits berücksichtigt, indem der Absender seine Mail mit den Worten "PS; Diese Nachricht ist nicht im Interesse meiner Dienststelle und wird daher ofiziell dementiert." bzw. "PS: Bitte um Verständnis wenn ich weiterhin meine Dienststelle dementieren lasse!" ergänzte.


    Aber während sich ganz Österreich nun über die politische Zukunft des Ministers Gedanken macht, läuft die Diskussion in Newsgroups [10] und in Foren in eine ganz andere Richtung. Sicherlich mag die Site sehr aufwendig sein, doch kann eine Site in diesem Umfang tatsächlich 150.000 Euro kosten? Das Unternehmen Martrix gibt nach eigenen Aussagen grundsätzlich keine Auskünfte zu Kundenaufträgen. Unter erfahrenen Webdesignern wird der Betrag als überzogen beschrieben. Höchstens 25.000 Euro würde das Design kosten, wie Recherchen der Zeitschrift News/Format [11] ergeben haben. „Ich hätts ihm für 2.000 gemacht - inkl. Ust“ lautet dann auch der Kommentar eines Diskussionsteilnehmer in einer Newsgroup. Aber immerhin ist „Webdesign“ nun auch für Personen, die sonst mit Internet-Fragen eher weniger in Berührung kommen, zum Tagesthema geworden – zumindest in Österreich.


    [1]
    http://www.karlheinzgrasser.at/
    [2]
    http://www.bmf.gv.at/ministerium/minister/_start.htm
    [3]
    http://www.gerhard-schroeder.de/
    [4]
    http://www.edmund-stoiber.de/
    [5]
    http://whois.ig4.de/
    [6]
    http://www.martrix.at/
    [7] http://www.gruene.at/themen.php?tid=1700...937095757604d7a


    [8]
    http://www.voei.at/
    [9]
    http://www.tu-berlin.de/www/software/hoax/grasser.shtml
    [10] http://groups.google.de/groups?hl=de&lr=...y.at%26rnum%3D1


    [11]
    http://www.news.at/format

  • Vielleicht findest Du ja auch hier eine Antwort:
  • Kommt immer darauf an! In eine meiner Praktikusbetriebe hab ich die Rechnung für die Webseite gesehen, die hat pro Einelseite 3000 DM gekostet. Insgesamt weit über 20.000 Mark und die ist weit weniger aufwendig. Allerdings ist das auch schon wieder ein paar Jahre her und heute sind die Preise für diese Dienstleistung allgemein wesentlich geringer!

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  • 150 000 €? tschuldigung aber dann start ich sofort ne webdesignfirma und mach ne simple homepage für 20 000€. da kann ich dann wunderbar von leben.


    sicherlich ist diese website nicht einfach so aus dem ärmel zu zaubern aber ne website im wert von nem neuen ferrari? also bitte.

  • hallo strolch,
    vermute, dass der auftraggeber keine blasse ahnung hatte, was eine solche dienstleistung kostete. schon vor jahren habe
    ich angebote gesehen für ziemlich aufwendige seiten und von ziemlich "aufwendigen" designern, die alles andere als
    dm 3.000 pro seite verlangten. konzeption etc. bewegten sich zwischen dm 3.000 und 10.000, jenachdem man den
    kunden behalten oder absahnen wollte. :D

  • Kann durchaus sein!
    Wobei ich persönlich die Preise für Webdesign schon immer utopisch gefunden habe. Ein Bekannter hat für seine Heilraktikerpraxis eine "sehr" schlichte Seite erstellen lassen. 5 Pages für komplett 3.000,-- DM


    Was den Praktikumsbetrieb angeht, ich vermute mal das lief über die Deutsche Konzernzentrale und da spielt"e" Geld dann weniger die Rolle!

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