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Nettodevisenzuflüsse

  • sweetyloh
  • 4. März 2005 um 20:44
  • Erledigt
  • sweetyloh
    Neuer Benutzer
    Beiträge
    6
    • 4. März 2005 um 20:44
    • #1

    Hallo,

    ich stehe leider bei folgender Aufgabe ein bißchen auf der Stelle fest. Vielleicht kann mir ja jemand weiterhelfen.

    "Die Höhe der Nettodevisenzuflüsse, die in einer Periode zu verzeichnen sind, spiegeln die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen dieser Volkswirtschaft wider."

    richtig?
    falsch?
    weder falsch noch richtig?

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  • cezisj
    Benutzer
    Beiträge
    77
    • 6. März 2005 um 23:12
    • #2

    Hallo sweetloh,

    in der VWL gibt es immer mehrere Antworten. Daher passt weder falsch noch richtig am besten.

    Ich zitiere aus dem Enquete-Bericht des Deutschen Bundestages (2002), Kapitel 4.2. ff:

    Zitat

    Die Frage, worin die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft besteht, ist in der Wissenschaft umstritten (Löbbe 2000, Heise u.a. 1998, Straubhaar 1994). Versuche, die internationale Konkurrenzfähigkeit an einem einzigen Indikator (z.B. Exportleistungen oder Exportüberschüsse, Lohnstückkosten, ausländische Direktinvestitionen im Inland) festzumachen, sind zum Scheitern verurteilt. Die verschiedenen Messziffern liefern oft kein einheitliches, manchmal sogar zwangsläufig ein widersprüchliches Bild. [Da z. B. eine Volkswirtschaft nicht gleichzeitig dauerhaft Exportüberschüsse erwirtschaften und einen Nettozufluss von ausländischem Kapital haben kann, wird häufig die eine der beiden Größen hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit anzeigen, die andere eine niedrige.]

    Von den verschiedenen Ansätzen übertragen zwei Modelle die einzelwirtschaftliche Perspektive, nämlich die Konkurrenz zwischen Unternehmen, auf das Verhältnis von Volkswirtschaften. Dabei handelt es sich um den außenhandelsorientierten und den kostenorientierten Ansatz. Zusätzlich werden auch der kapitalorientierte und der ressourcenorientierte Ansatz diskutiert.

    [...]

    Beim kapitalorientierten Ansatz erscheint die internationale Wettbewerbsfähigkeit als das Vermögen eines Landes, das weltweit mobile Kapital anzuziehen. Entscheidende Messgröße der Standortqualität nach diesem Modell sind die Direktinvestitionen. Abbildung 4-5 zeigt, dass die gesamten 90er Jahre von wachsenden deutschen Direkt investitionen im Ausland und einem Überschuss über die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland gekennzeichnet waren.

    Vorausgesetzt, dass das Jahresergebnis 2000 allein noch keine Trendumkehr signalisiert, so scheint diese Zahlenreihe zwar einen Hinweis auf die mangelhafte Attraktivität des deutschen Standortes für das mobile internationale Kapital zu geben. Jedoch kann die Position der deutschen Wirtschaft im internationalen Vergleich nicht ohne weiteres an der Attraktivität für ausländisches Kapital abgelesen werden, zumal die deutschen Direktinvestitionen im Ausland bis zu einem gewissen Grad auch das notwendige Gegenstück des positiven Exportsaldos der deutschen Wirtschaft sind. Der Nettozufluss ausländischen Kapitals kann für sich allein kein Selbstzweck sein. Er ist auch nicht automatisch mit einem positiven Einfluss auf den Arbeitsmarkt gleichzusetzen. Die Attraktivität eines Landes für internationales Anlagekapital ist noch nicht einmal ein eindeutiger Indikator für die Kapitalrendite und für die Investitionskraft, da diese nicht von der Herkunft und von der Eigentümerschaft des Kapitals abhängen. Jedenfalls ist, wie Abbildung 4-6 zeigt, Deutschland keinesfalls als – relativ zu seinem Bruttoinlandsprodukt – investitionsschwach einzustufen. Seine privatwirtschaftliche Investitionsquote ist vielmehr relativ hoch und stabil.

    Die große Mehrheit der Experten ist sich einig, dass im Überschuss der deutschen Direktinvestitionen im Ausland gegenüber den ausländischen Direktinvestitionen im Inland kein Hinweis für mangelhafte Standortqualität zu sehen ist. Das Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass daraus keine negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt entstehen, weil die Auslandsinvestitionen primär nicht aus Kostenmotiven erfolgen, sondern um den Absatz zu steigern und um in den Unternehmen Größenvorteile zu erzielen (Kleinert u.a. 2000). Außerdem sei die Zuwachsrate der deutschen Auslands-Direktinvestitionen im internationalen Vergleich in den 90er Jahren zwar besonders hoch gewesen, jedoch ausgehend von einer besonders niedrigen Ausgangsbasis, so dass Deutschland eher eine anderswo schon in Gang befindliche Entwicklung nachgeholt habe (Kleinert 1999: 58 ).

    Autoren des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) argumentieren, dass der Anstieg der deutschen Direktinvestitionen im Ausland seit 1989 die Inlandsinvestitionen um maximal 0,6 Prozent-Punkte vom BIP gesenkt haben könnte (Lindlar u.a. 1998: 18f.). Vor allem aber würden die deutschen Direktinvestitionen im Ausland in der deutschen Zahlungsbilanz systematisch zu hoch ausgewiesen (Lindlar 1998: 19).

    Die inländischen Beschäftigungseffekte deutscher Auslandsinvestitionen hat das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) mittels der Auswertung der Geschäftsberichte von über 150 multinational tätigen deutschen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes aus den Jahren 1990 bis 1998 untersucht (Döhrn 2001). Danach wurden die rechnerischen Arbeitsplatzverluste durch Direktinvestitionen und Beschäftigung bei ausländischen Töchtern durch inländische Beschäftigungseffekte überkompensiert. Den Nettobeschäftigungsgewinn bei diesen Unternehmen beziffert das RWI für 1990 bis 1994 auf 6,8 Prozent und für 1994 bis 1998 auf 10,3 Prozent ihrer inländischen Beschäftigung (vgl. auch Döhrn 2002).

    Alles anzeigen

    Und hier die Quelle: http://www.bundestag.de/gremien/welt/glob_end/4_2.html

    Direktinvestitionen bedeuten Einkommen, Beschäftigung und Steuereinnahmen. Sie allein spiegeln jedoch nicht die Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes wieder. Michael E. Porter hat hierzu sein Diamantmodell veröffentlicht. Infos unter http://www.quickmba.com/strategy/global/diamond/

    Für Fragen bitte PM

  • Steffi_22
    Benutzer
    Beiträge
    79
    • 20. Februar 2006 um 20:46
    • #3

    Hallo,

    also ich habe jetzt verstanden, warum die behauptung richtig ist, aber kann mir nochmal einer eine erklärung geben, warum die behauptung falsch ist?

    Kann das aus dem text irgendwie nicht so richtig rauslesen

    Vielen Dank

    LG
    Steffi

  • Oeconomicus
    Erfahrener Benutzer
    Beiträge
    187
    • 21. Februar 2006 um 10:35
    • #4

    Klare Antwort: Jein, nicht ausschließlich!

    Allerdings ist es dennoch ein Signal für eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit, da...

    (1) ...Nettodevisenzuflüsse sich in dem Zahlungsbilanzkonto 'Devisenbilanz' widerspiegelt. Ich abstrahiere einmal davon, dass in der Devisenbilanz auch noch andere (allerdings zu vernachlässigende Stromgrößen wie Gold usw.) mit hereinspielen. Dem Prinzip der doppelten Buchführung zur Folge muss dem Nettodevisenzufluss (Passivseite größer als Aktivseite), also eine größere Zunahme an Forderungen als Verbindlichkeiten, eine entsprechende Aktivverbuchung entgegenstehen. Diese Aktivverbuchen könnten bspw. aus der Handelsbilanz ein Warenexport, aus der Dienstleistungsbilanz eine Dienstleistungsexport...usw. gegenüberstehen, welche jeweils eine größere internationale Wettbewerbsfähigkeit signalisieren.

    (2) ...Nettozuflüsse unter der Annahme von fixen Wechselkursen die Interventionen der Zentralbank widerspiegeln und somit auf eine Unterbewertung des Außenwertes hindeuten. Dieses ist ebenfalls ein Signal für eine größere Wettbewerbsfähigkeit als im umgekehrten Fall.

    Grüße,
    Christian

    Zitat von John Maynard Keynes:

    "Solange die Nationalökonomen leben, nimmt niemand von ihnen Notiz, und wenn sie tot sind, richten sie großen Schaden an." :D

  • Steffi_22
    Benutzer
    Beiträge
    79
    • 21. Februar 2006 um 18:07
    • #5

    Hallo,

    ja, das sind ja die Argumente warum es richtig ist, aber mir fehlt ja ein Argument wann/warum das nicht so sein sollte.

    Außerdem, ist die Antwort auf die Frage wirklich "weder falsch noch richtig"? Ich finde bis jetzt, dass es nur richtig ist. Da steht ja auch nicht, dass nur die nettodevisenzuflüsse die wettbewerbsfähigkeit wiederspiegeln, oder dass sie ausschließlich das tun.
    Insofern suche ich echt noch nach einem Fall, in dem es zwar einen nettodevisenzufluss gibt, aber die wettbewerbsfähigkeit der unternehmen nicht beeinflusst wird???

    LG
    Steffi

  • Steffi_22
    Benutzer
    Beiträge
    79
    • 5. März 2006 um 19:11
    • #6

    Hallo,

    kann mir da nicht jemand helfen??? ich hänge immer noch.

    Lg
    Steffi

  • Baros
    Neuer Benutzer
    Beiträge
    24
    • 5. März 2006 um 19:45
    • #7

    Hallo
    auch ich tendiere hier für die Antwort: weder falsch noch richtig

    Für die Richtigkeit hast Du ja schon einige Punkte benannt bekommen. Nun zu den Punkten die der Aussage entgegensprechen
    Ich denke es kommt hier auf das Wort "die Höhe" an. Diese setzt sich aus der Differenz des Ex- und des Imports zusammen. Nun kann es sein, dass wir viel exportieren und unsere Konkurrenzfähigkeit sehr gut ist, aber wenn wir gleichzeitig auch viel importieren sind die Nettodevisenzuflüsse relativ gering. Die Höhe kann daher kein allgemeines Merkmal für eine Konkurrenzfähigkeit sein. Also kurzum die Höhe hat keine Aussagekraft über die Konkurrenzfähigkeit, da ja auch andere Länder wirtschaftlich sehr erfolgreich sein können und wir dementsprechend importieren. Die Differenz zw. Ex-und Import ist nicht sehr groß und trotzdem sind wir im Ausland konkurrenzfähig.
    Hoffe Du kommst nun weiter.

  • Steffi_22
    Benutzer
    Beiträge
    79
    • 6. März 2006 um 20:04
    • #8

    Ja, das hilft mir jetzt wirklich weiter. Damit kann ich das verdammte Heft endlich abhaken :)


    Vielen Dank

    LG
    Steffi

  • Sabine-123
    Benutzer
    Beiträge
    92
    • 23. April 2006 um 20:23
    • #9

    Oder sowas wie, dass die Gastarbeiter viel Geld in ihre Heimat schicken und aus der Sicht des Landes Devisen zufliessen, aber wettbewersfähig ist es lange nicht.
    Wäre glaube ich eine Möglichkeit.
    Oder sowas wie vorzeitige Schuldentilgung, dann fiessen auch Devisen ein, wobei ich mir nicht sicher bin ob man das unter Beachtung der Buchung so sagen kann.

    Sorry habe Frage erst heute beim durchschauen des Forums gesehen :( ,
    sonst hätte ich meine Vermutung vorher öffentlich gemacht.

    Grüße

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