Verständnisfrage zu Inflation und Strukurwandel

  • Eigentlich wurde es schon angesprochen, aber ich bitte um genauere Erklärung wenn ihr so nett sein könntet.


    Kann jemand evtl. etwas genauer erläutern, wie ein Zusammenhang zw. Inflation und Strukturwandel beschrieben werden könnte ?


    Was ich nicht verstehe: wie beschrieben führt kurzfristig die Inflation zu weniger AL (weil Wachstum-> Investition etc.), ist das der Grund für Strukturwandel ?


    Weil irgendwie alleine die Geldentwertung doch wenig daran ändert was produziert wird?


    Wachstum kann auch durch Exporte bedient werden, dabei ändert sich doch strukturell nicht so viel, oder?
    Womöglich verstehe ich Strukturwandel zu wörtlich und das Einstellen von einigen Arbeitskräften in bestehenden Strukturen ist dennoch ein Strukturwandel.



    Wenn sehr nett wenn ich aufgeklärt das Thema abschliessen könnte ;)


    Grüsse

  • Vielleicht findest Du ja auch hier eine Antwort:
  • Strukurwandel ist relativ allgemein....meinst du Strukturwandel am Arbeitsmarkt, Gütermarkt oder Faktormarkt...usw?

    Zitat von John Maynard Keynes:


    "Solange die Nationalökonomen leben, nimmt niemand von ihnen Notiz, und wenn sie tot sind, richten sie großen Schaden an." :D

  • Ich würde sagen, der Strukturwandel am Arbeitstsmarkt ist da nicht unwichtig, aber eigentlich schon mit : Investivtionen->Weniger AL schon grob angesprochen...
    Wenn man auch nicht sagen kann, welche Brangen da wie ganau betroffen werden.
    Wahrschinlich wäre es am besten alle Auswirkungen zu zeigen, aber darum kann ich kaum bitten. Schreib(t) Alles was einfällt, bin für jede Überlegung dankbar.


    Vielen Dank und Grüsse

  • Dann man wieder in aller Kürze: ...ein paar Anregungen


    Inflation und Strukturwandel am Gütermarkt:


    (1) Inflation -> Zinsanstieg (Fisher-Effekt) -> Aufwertung der Inlandswährung (Zinsparitätstheorie) -> Außenbeitrag sinkt (wenn Marshall-Lerner-Bedingung erfüllt)> Zahlungsbilanzveränderung (mglw. längerfristif aufgrund von Hysterese-Effekt)


    Fazit: Inflation bewirkt eine Senkung der ausländischen Inlandsnachfrage, aufgrund des Preisanstiegs und des zinsbedingten Anstieg des Wechselkurses. Veränderung der Nachfragestruktur und somit Strukturumbruch der Zahlungsbilanz


    (2a) Inflation -> Zinsanstieg (Fisher-Effekt) -> zinselastische Investitionsnachfrage im Inland sinkt -> Absorption sinkt -> Einkommen sinkt


    (2a) Inflation -> Zinsanstieg (Fisher-Effekt) -> Wertpapierkurse sinken -> Konsum sinkt (Pigou-Effekt) -> Einkommen sinkt


    Fazit: Inflation bewirkt eine Senkung der Inlandsnachfrage und Steigerung der Wertpapiernachfrage. Veränderung der Nachfragestruktur von Sachkapital nach
    Finanzkapital (kurzfristig).


    Inflation und Strukturwandel am Arbeitsmarkt: (Barro-Gordon-Modell)


    (1)Inflation -> Reallohnsenkung -> Nachfrageanstieg nach Arbeitnehmern -> geringere ALQ -> mehr Produktion -> Einkommensanstieg -> Zweitrundeneffekt mit adaptiven Lohnindexierungsforderungen -> Reallohn steigt -> Entlassungen -> Rückfall auf die ursprüngliche ALQ bei höherer Inflation


    Fazit: Kein mittelfristiger Strukturumbruch am Arbeitsmarkt.



    ...........


    Gruß,
    Christian

    Zitat von John Maynard Keynes:


    "Solange die Nationalökonomen leben, nimmt niemand von ihnen Notiz, und wenn sie tot sind, richten sie großen Schaden an." :D

  • Ich danke Dir sehr für Deine mühevolle und sachlich gute Erklärung.
    Ich habe zwar das eine oder andere Fazit vermutet, aber ohne Deine Darstellung hätte ich das nie so zeigen können. Schon garnicht am Gütermarkt, da es beim Fisher-Effekt schon bei mir aufhört ;).


    1000 mal danke

  • Kein Problem: So als grobe Faustregel, Inflation bewirkt langfristig keinen Strukturumbruch, solange die Märkte hinreichend flexibel sind (Neutralität des Geldes).

    Zitat von John Maynard Keynes:


    "Solange die Nationalökonomen leben, nimmt niemand von ihnen Notiz, und wenn sie tot sind, richten sie großen Schaden an." :D